Die Bildungskonferenz 2021 der FN zeichnet ein positives Bild für die Zukunft

Bildungskonferenz 2021 der FN
Reiterfitness rückt in den Fokus bei der Bildungskonferenz 2021 der FN

Am 15.06.2021 ging die zweite Bildungskonferenz 2021 der FN digital über die Monitore. Dabei saßen in der Spitze 359 Teilnehmer zum Thema „Die Zukunft unseres Pferdesports – Welche Herausforderungen Trainer und Ausbilder in dieser besonderen Zeit meistern“ am Endgerät.

Insgesamt war es die 14. Bildungskonferenz der FN. In der Tat war dieser Durchgang mein Fünfter: 3x war ich in Warendorf und 1x in Neustadt/ Dosse. Auf Grund von Corona fand sie nun als Onlinedurchgang statt.

Wie immer hatten die Verantwortlichen ein interessantes Programm und engagierte Redner eingeladen. Zuerst begann Prof. Dr. Opaschowski, seines Zeichens Zukunftsforscher. Ehrlich gesagt wusste ich gar nicht, dass es so einen Titel gibt. Doch hielt er einen sehr positiven Vortrag über die Herausforderungen und Chancen der heutigen Zeit. Schon 2004 prognostizierte er, dass 2020 Gesundheit, Familie und soziale Begegnungen im Fokus stehen würden. Als Worst Case zeichnete er damals ein Szenario von Klimawandel, Überschwemmungen und der Verseuchung der Erde durch Viren. Außerdem nahm er an, dass weitere Krisen als Reaktion auf die Pandemie entstehen würden, die sogenannte Post-Pandemie-Ära. Er bezeichnete die als Armutskrise, Pflegekrise und Klimakrise.

Ein gute Beschreibung der momentanen Situation gab er mit der Metapher, dass man bremst, wenn man in einen Tunnel fährt.

Denn man sieht nicht, wo es hingeht. Sobald man wieder Licht am Ende des Tunnels ahnt, gibt man Gas. Genauso ist es zur Zeit: das Bedürfnis nach Bewegung, Austausch und gemeinsamen Aktivitäten ist enorm. Sämtliche Reitlehrer, Reitschulen, Gastronomiebetreiber, Eventveranstalter und Reiseorganisationen erstellen Programme und arbeiten auf Hochtouren.

Als einer der Gründe für die vorherrschende Unzufriedenheit nennt er die Tatsache, dass viele im Alter möglicherweise von doppelter Armut betroffen sein werden: Zum einen von materieller Armut und zum anderen von Kontaktarmut. Dazu kommt die Angst, im Alter ein Pflegefall zu werden.

Klimakrise und extreme Wetterverhältnisse werden uns erhalten bleiben. Aber seiner Auffassung nach hat Corona einen Wandel im Bewusstsein bewirkt: Die Umwelt rückt in den Fokus und umweltbewusstes Verhalten ist in.

Trotz der fragilen Weltlage empfinden viele Menschen zur Zeit einen gewissen Optimismus.

Die Gewichtung der drei großen G´s: Geld, Gesundheit und Geborgenheit verändert sich. Das früher stark ausgeprägte Bedürfnis nach Geld und Wohlstand wird zunehmend mehr durch den Wunsch nach Freizeit abgelöst. Auch Führungskräfte haben erkannt, wie wertvoll Zeit im Privatleben ist. Der Boom zum Homeoffice ist ungebrochen, weil auch die Hauptverdiener Zeit mit Kindern und Familie verbringen möchten.

Der Begriff Zeitwohlstand drückt aus, dass Zeit genauso wichtig wird wie Geld. Entschleunigung bedeutet Zeitkultur und eine Steigerung der Lebensqualität. Wenn man in Zukunft länger lebt, wovon die Wissenschaft ausgeht, wird Lebensqualität wichtiger als Geld.

D.h. das allgemeine Bewusstsein verändert sich in Richtung Wohlergehen. Geistige, körperliche und seelische Gesundheit stehen ganz oben auf der Werteskala. Gesünder leben können löst die materielle Orientierung ab. Anders ausgedrückt wird das Gesundheitssystem immer bedeutender: Gesundheitsversorgung wird so wichtig wie die materielle Versorgung.

Genauso haben die letzten Monate gezeigt, welchen Stellenwert Familie, Nachbarn und soziale Beziehungen haben.

Wer wenig Bindungen hat, fühlte sich möglicherweise ausgegrenzt. Ein Gefühl, nur noch sich selber und der Familie vertrauen zu können, setzt sich durch.

Auf der anderen Seite entsteht aus dem Bedürfnis, eine bessere Gesellschaft für unsere Kinder schaffen zu wollen, die Bereitschaft zum Mitmachen und Zusammenhalten.

Jeder Dritte gibt an, während der Pandemie öfter über sein Leben nachgedacht zu haben. Das führt zu einem „realistischen Zukunftsoptimismus mit Bodenhaftung“ sagt Prof. Dr. Opaschowski. Daraus entsteht „Semiglück“: trotz der weltweiten Krisen traut man sich, optimistisch in die Zukunft blicken zu können. Semiglücklich sein heißt, sich glücklich fühlen zu können, es aber nicht zu müssen.

Aus dem Gedanken, „was ich brauche habe ich. Was ich nicht habe brauche ich nicht.“ entsteht aus der Konsumkultur eine neue Sinnkultur.

Seine Worte in unseren Gehörgängen! Denn dieses Denken wird nicht nur unseren Kindern und Familien zu Gute kommen. Auch die Tiere, Pflanzen und unser Planet werden davon profitieren.

Danach sprach Britta Berse, eine Trainerin und Reitschulenbetreiberin aus dem Rheinland.

Zuerst beruflich zuhause in Marketing und Werbung baute sie sich 2010 ein zweites Leben auf. Nach der Geburt Ihrer Kinder gründete sie eine Reitschule für Familien. In ihrem Vortrag zeichnete sie ein genauso positives Bild von der Zukunft wie ihr Vorredner. Überdies fühlt sie sich als eine Gewinnerin der Coronapandemie. Denn in der Zeit, in der ihre 40 Pferde und Ponies nicht ausgelastet waren, sammelte sie Ideen für die Zeit, in der es wieder los geht.

Das ist jetzt der Fall. Nun kann sie die Ansätze in die Tat umsetzen.

Kernsäule ihrer Finanzierung ist der monatliche Beitrag, der durch ihre Reitschüler entrichtet wird. Dadurch ist sie finanziell abgesichert. Auch kann sie für ihre Mitarbeiter und Tiere sicher planen. Durch einen engen Kontakt mit den Reitschülern während der unterschiedlichen Einschränkungsphasen und individuelle Lösungen konnte sie in den letzten 1,5 Jahren nur 3 Kündigungen verzeichnen.

Die kreative Gestaltung der Reitstunden in den Zeiten der Kontaktbeschränkungen bildete eine weitere Säule der Überlebensstrategie. Der enge Austausch mit dem Ordnungsamt ermöglichte beispielsweise ein Ferienprogramm als Drive in. Die Stationen lagen an unterschiedlichen Orten auf der Anlage, so dass die Gruppen sich nicht über den Weg liefen. Eltern blieben während der Zeit im Auto oder fuhren nach Hause, was direkte Kontakte reduzierte. Anstelle von Theorieunterricht produzierte sie Lehrvideos. Auch berichtete die Presse über die Reitschule.

So kann sie sich jetzt, nachdem die Kontaktbeschränkungen aufgehoben sind, vor Anfragen kaum retten.

Das Nachholbedürfnis der Familien nach Bewegung im Freien und die Sehnsucht nach Entschleunigung lässt sich durch familiengerechte Angebote gut stillen. Auch Britta Berse sieht die gesellschaftliche Entwicklung hin zu einem gesünderen Lebensstil mit einer hohen Lebensqualität. Sie hat festgestellt, dass sich viele Menschen in der Pandemie ein Haustier angeschafft haben. Auch Pferde haben Einzug in die Familien gehalten. So scheint der Markt für Pferde momentan leergefegt. Ein Umstand, der auch Züchtern wieder Auftrieb geben könnte.

So heißt ihre Botschaft: „Gesund groß werden“. Das bezieht sich sowohl auf die Größe der Ponies und der kleinen Reiter als auch auf das Wachsen eines Betriebes. In dem Gefühl, nur das anzubieten, was ihr gefallen würde, hat sie eine erfolgreiche Oase für Kinder und Pferde geschaffen.

Als letztes gab Bettina Hoy auf der Bildungskonferenz 2021 der FN einen Einblick in ihre Trainertätigkeit.

Für sie ist Eigenmotivation entscheidend. Von jeher nutzt sie den Austausch mit Trainerkollegen oder anderen Reitern. Für die eigene Weiterbildung empfiehlt sie Videos von Clip my horse oder Wehorse. Auch bietet die FN eine große Palette an Lehrfilmen an oder „Level Up“ Videos an.

Nach ihrer Vielseitigkeitskarriere arbeitet sie jetzt überwiegend mit Dressurpferden. Dabei nutzt sie die Arbeit mit Stangen und Cavalettis für die lösende Arbeit und auch für die Sicherung der erlernten Lektionen. So kann man beispielsweise Stangen auf die Mittellinie legen und sie bei jedem Handwechsel in der Schlangenlinie überreiten. Oder man legt sie auf die Zirkellinie und unterstützt damit Gangartwechsel, Tempowechsel oder die Verkleinerung der Zirkellinie. Auf jeden Fall verbessert der Reiter durch das Anvisieren der Stangen seine diagonale Hilfengebung.

Besonders gefallen hat mir natürlich die Aussage, dass sie großen Wert auf die eigene Reiterfitness legt. Denn der beste Pferdephysiotherapeut ist der Reiter, wenn er vernünftig im Schwerpunkt sitzt. Dadurch kontrolliert er seine Hilfengebung und die Geschwindigkeit. Sobald man schief auf dem Pferd sitzt, wird auch das Pferd in der Folge schief.

So war die Bildungskonferenz 2021 der FN für mich interessant.

Vielleicht wird die nächste Runde 2022 wieder live stattfinden. Dann kommt noch mehr positive Energie rüber. Denn praktische Demonstrationen wirken in echt mit Geruch und Ton einfach anschaulicher.

Bis bald und achtet neben dem Training des Pferdes auch auf Euren eigenen körperlichen Zustand,

Corinna von ReitClever

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