Kategorie: Wissenswertes

Spuren im Körper

Jedes Ereignis, jede Bewegung zeigt Spuren im Körper
Spurensuche

Letzte Woche hatte ich eine Patientin in der Praxis, die auf Grund einer Nervenläsion Taubheitsgefühle und Lähmungserscheinungen in der rechten Hand hat. Deshalb wurde sie schon an der Hand operiert, was ihr Problem aber nur verringert, nicht gelöst hat.

Die Vorgeschichte ergab, dass sie auf Grund von Entzündungen und Fehlstellungen 8 (!) Hüftoperationen auf derselben Seite hinter sich hatte. Schon eine einzige Operation dieser Art hinterlässt Spuren im Körper.

Die Inspektion zeigte, dass der ganze Oberkörper verschoben ist. Da sie dem rechten Hüftgelenk nicht mehr vertraut, belastet sie seit den Operationen vorwiegend das linke Bein. Als Gewichtsausgleich schiebt sich der Schultergürtel auf die andere Seite. Und zwar auf die mit der Nervenläsion, die das Mehr an Belastung irgendwann nicht mehr kompensieren konnte. Wahrscheinlich durch eine Druckläsion der Nerven sind alle Muskeln in diesem Bereich und auch im Arm schlaffer und geringer ausgeprägt als auf der linken Seite.

Schonhaltungen hinterlassen immer Spuren im Körper wie auch jedes andere Ereignis.

Auch wenn es auf dem ersten Blick nicht auffällig erscheint, kostet jedes Trauma oder jede Operation etwas Flexibilität an dieser oder einer anderen Stelle im Körper. Die in den letzten Jahren so häufig zitierten Faszien können ein Lied davon singen. Dieses feine bindegewebige Netz zieht sich durch unseren ganzen Köper und verbindet alle Strukturen miteinander. Wenn ich beispielsweise mit dem rechten Fuß umknicke und sich dort eine Schwellung ausbreitet, bleiben an dieser Stelle verhärtete, verklebte Faszienstrukturen zurück. Die dadurch verringerte Elastizität kann über Hüfte und Becken auch der gegenüber liegenden Schulter Bewegungsdefizite verschaffen. So zieht eine Fußverletzung häufig irgendwann Schulterprobleme oder einseitige Kopfschmerzen nach sich. Alles hängt mit allem zusammen.

Die Patientin wird nun mit Nervengleitmobilisationen und Techniken behandelt, die das rechte Hüftgelenk und den unteren Rumpf stabilisieren. So kann ihr Gehirn lernen, dem Bein wieder zu vertrauen und den Oberkörper gerade auszurichten.

Bei einer Reiterin lag der Fall vor kurzem anders

Genügend Erfahrung mit auffälligen Spuren im Körper ließ uns auch dafür eine Lösung finden. Die Reiterin sprach mich an, da sie seit langem Probleme auf dem Pferd hat und schief sitzt. Sie hatte ihr Hüftgelenk als Auslöser in Verdacht und begann, es häufig zu mobilisieren.

Gute Idee, die aber leider nicht immer hilft. Denn in ihrem Fall ergab sich, dass Ihr Oberköper auch etwas schief im Sinne einer Gewichtsverlagerung steht. Aber die Reiterin ist tendenziell überbeweglich und das Hüftgelenk, was ihr Probleme macht, ist weniger stabil als mobil. Da muss man also entsprechende Muskeln kräftigen.

Macht man es noch beweglicher als es schon ist, werden die daraus resultierenden Reaktionen im Körper größer und nicht kleiner. Also ist der Schluss, den man aus der Untersuchung zieht, wichtig, wenn man eine Problemstelle identifiziert hat.

Ich finde es toll, dass die Menschen und Reiter die Muße haben, mehr auf sich zu hören und in Ihrem Köper nach Gründen für Ihr Bewegungsproblem schauen. Wenn Du aber richtig Erfolg damit haben möchtest, ist es sinnvoll, Dir dabei Hilfestellung zu holen.

Die kannst Du beispielsweise beim Physio Check für Reiter oder dem Riders- Check holen. Beides biete ich in einer Physiotherapiepraxis in Berlin oder nach Abspreche auch bei Dir auf der Anlage an.

Schreib mich an, wenn Du Interesse hast und wir machen auch bei deine Spuren im Köper zu einem Erfolgsprojekt. Die Einzeleinheiten kannst Du auch als Gutschein verschenken oder Dir zum nahenden Fest schenken lassen 😉

Eine schöne Adventszeit wünscht

Corinna von Reitclever

#WunderweltderFaszien

#Riders Check

#Physio Check für Reiter

#besserer Sitz des Reiters

Es ist immer die Hüfte  

Es ist immer die Hüfte, die einen guten Sitz und ein langes Bein ermöglicht.
Es ist immer die Hüfte, die einen guten Sitz und ein effektives Leichttraben ermöglicht.

Vor zwei Wochen war ich abends auf einer Fortbildung. Es ist spannend, wie sich ein Thema vor dem eigenen Auge immer stärker ausbildet, wenn es sich erstmal als bemerkenswert manifestiert hat. In meinem heutigen Verständnis ist es immer die Hüfte, die in unserem Alltag und auch beim Reiten eine wichtige Rolle spielt.

Denn wenn man die Hüfte auf dem Pferd nicht dreidimensional mitbewegen lässt, versandet der Schwung des Pferdes irgendwo in den passiven Strukturen der Mittelpositur oder im großen Hüftbeuger. Wenn der Psoas Muskel nicht loslässt, hält er Becken und Wirbelsäule in einer angenäherten Position fest: das so entstehende Hohlkreuz verhindert ein Mitschwingen in der Mittelpositur. Dementsprechend wird der Sitz fest und man bekommt entweder ein unruhiges Bein oder eine feste Hand, weil der Oberkörper nicht balancieren kann. Also ist es immer die Hüfte, die einen elastischen Sitz ermöglicht oder ihm im Wege steht.

Der Weiterbildung versprach die spiraldynamische Analyse des menschlichen Ganges.

Dort ging es zuerst um das „richtige“ Aufsetzen des Fußes, der dadurch eine bestimme Muskelaktivität in Gang setzt. Die ist wichtig, um das Knie unter Belastung achsengerecht zu stabilisieren und die Kraft ökonomisch auf den Oberkörper zu übertragen. „Es ist immer die Hüfte, die das ermöglicht und dadurch für eine gute Bewegungsqualität sorgt“, sagte der Spiraldynamik®- Lehrtrainer in diesem Zusammenhang. Wenn sie nicht dreidimensional arbeitet, bleibt das Knie bei Belastung in seiner typischen X-Bein Position. Damit wird es bei jedem Schritt fehl belastet und die Kniestabilisatoren können seine Position nicht sichern.

Das vom Dozenten verwendete Bild hat sich mir eingeprägt: Der große Quadriceps- Muskel auf der Vorderseite und die Muskulatur auf der Rückseite packen wie eine Greifzange zu, um das Knie in Stand und Gang zu sichern. Stellen die Hüftmuskeln nicht die dazu notwendige Beinachse her, indem sie das Knie gerade ausrichten, wirken Scherkräfte, die im Knie für Probleme sorgen: Zum einen kann der Knorpel leiden und zum anderen können Strukturen Schaden nehmen, wenn die Torsion schnell und impulsartig einwirkt. Beides führt zu Abnutzungserscheinungen im Knie, die irgendwann schmerzhaft werden.

Auch auf dem Pferd kommt der Kniestellung eine entscheidende Bedeutung zu.

Weißt Du wo? Beim Leichttraben ist die Position des Knies enorm wichtig. Nur wenn Fuß- und Hüftstellung dafür sorgen, dass es gut in der Spur bleiben kann und nicht an die Pauschen drückt, wirst Du es reibungslos gestalten können. Dann kannst Du dein Gewicht ökonomisch zum Treiben einsetzen und im Oberkörper locker aufgerichtet bleiben.

Stell Dich mal so hin, als würdest Du auf dem Pferd sitzen: Deine Füße stehen breiter auseinander als normalerweise und deine Knie sind leicht gebeugt. Setze Dich gerade hin und tu so, als hättest du Zügel in der Hand.

Beginne jetzt leichtzutraben und verlagere dein Gewicht vor allem über Hüfte und Becken, um den abwechselnd zu be- und entlasten. Dein Becken müsstest du nach vorne oben bewegen, um das Gesäß vom Pferderücken zu entfernen. Kannst Du fühlen, dass das Aufstehen vor allem über Knie und Hüften erfolgt? Dann machst du es richtig.

Jetzt spielen wir mal mit der Ausführung:

a) Mache beim Leichttraben ein X – Bein und stelle Dir vor, Dass Du dich mit den Knie an den Pauschen festhalten würdest. Kann es sein, dass deine Aufstehbewegung irgendwie in einer Hüftbeugung versandet oder Du dein Gesäß nach hinten herausstreckst?

b) Mache jetzt das Gegenteil und bringe beim Aufstehen dein Knie in eine O- Bein Position.

Stehst Du noch stabil? Durch die Beinachsenverlagerung wird deine Kontaktfläche zum Boden kleiner, oder? So kommst Du vom Oberköper her in eine eher wackelige Position.

Merkst Du, dass die richtige Kniestellung für lockeres Leichttraben entscheidend ist? Auch auf dem Pferd ist es immer die Hüfte, die die Stellung der Beinachse bestimmt. So entscheidet sie über die Aktivität der Muskeln, wie deine Knieposition an den Pauschen ist. Nur wenn das Knie weder klemmt noch von der Pausche wegzeigt, kann es in der Achse bleiben. Dadurch kannst Du deinen ganzen Fuß belasten und der Absatz bleibt tief.

Auch bei Knieproblemen ist es von Vorteil, sich um die richtige Beinstellung zu kümmern.

Denn es ist immer die Hüfte, die sie gewährleistet.

Wenn Du jetzt Lust auf mehr bekommen und das Gefühl hast, dass es sich lohnt, die Hüfte zu beachten, kann ich Dir mein Buch „Besser reiten trotz Hüftbeschwerden“ ans Herz legen. Es ist explizit für Reiter geschrieben und gibt vor allem Hilfestellungen für eine gute Hüftfunktion, auch wenn sie keine Probleme macht 😉

Weil funktionelle Zusammenhänge so wichtig sind und die Steuerung von Hüfte und Knie gutes Reiten entscheidend beeinflusst, wird beides einen großen Raum in meinem neuen Buch einnehmen. Im Januar zur Messe „Partner Pferd in Leipzig“ wird der Ratgeber „Besser Reiten trotz Kniebeschwerden“ heraus kommen. Alle „Kniespezialisten“ und Reiter, denen #MehrWissenfuerReiter wichtig ist können sich schon freuen: ich fahre heute ein paar Tage n die See, um dort alle Zusammenhänge in Ruhe reitspezifisch aufzudröseln.

Ich freue mich drauf!

Corinna von Reitclever

#bessersitzenbesserreiten

#derwegzurlockerenmittelpositur

#lockereHueftelockererSitz

Das richtige Tool für einen guten Sitz

Das richtige Tool für Reiter beginnt an der Beckenstellung
Ein guter Sitz beginnt immer an der Beckenstellung

Wünschst Du Dir manchmal einen Zaubertrick für einen optimalen Sitz auf dem Pferd?

Hättest Du gerne das richtige Tool, um schnell reagieren zu können? Am liebsten auch unabhängig von der Situation, in der sich Du und dein Pferd beim Reiten befinden, oder?

Für Reiter kenne ich eine einfache Technik die schnell und gut funktioniert

Das sehe ich regelmäßig in meiner Gruppe von Freizeitreiterinnen, die ich seit einem Jahr regelmäßig unterrichte.

Da sie am liebsten im Gelände unterwegs sind, war es für die meisten anfangs schwierig, auf dem engeren Reitplatz gut um die Kurve zu kommen. Besser gesagt waren Sitz und Einwirkung zu unflexibel, um den Pferden die Hilfen dafür übermitteln zu können.

Wir arbeiten viel mit dem Neuro- Rider®- Programm, um die Teilnehmer von Anfang an in der Mitte sitzen zu lassen. Und zwar vom Pferd aus gesehen in alle Richtungen her mittig, denn die Fliehkraft durch die Pferdebewegung wirkt von allen Seiten ein.

Bei der letzten Unterrichtseinheit erntete ich ein Strahlen über das ganze Gesicht!

Zentriert sitzen

Wir haben uns immer wieder mit dem richtigen Tool für einen guten Sitz beschäftigt.

So konnte ein Pferd, was wegen einer Sehnenverletzung lange Pause hatte, nun auf dem Reitplatz auf dem Zirkel rechts und links herum galoppieren. Ohne großen Aufwand begann es, den Kopf fallen zu lassen und sich um den inneren Schenkel zu biegen. War die Reiterin glücklich!

Nebenbei gesagt ich auch, denn es ist schön zu sehen, was sich in einem Jahr  alles verändern kann. Auch von einer befreundeten Reitlehrerin höre ich, dass die Pferde besser mitschwingen und die Hinterhand mitnehmen, wenn sie ihren Reitschülern diese Technik beibringt.

Also, was ist das richtige Tool für Reiter?

Mache Dir zuerst klar, wo deine wichtigsten Kontaktpunkte zum Pferd, sind:

Setz´ dich dazu auf einen harten Stuhl und bewege Rücken und Becken in eine Hohlkreuz- und dann in eine Rundrückenposition. Spürst Du, wie sich deine Gesäßknochen auf der Sitzfläche mit bewegen?

Das tun sie auch auf dem Pferd und deshalb reagiert es darauf mit einer verstärkten Vorwärtsbewegung oder mit einer Verzögerung. Das sind deine wichtigsten Kontaktpunkte zum Pferd. Es ist IMMER dein Sitz und deine Beckenstellung, die ihre Position beeinflussen!

Auch wenn das Pferd mal unvorhergesehen weg springt oder losrennt, wirst Du zumindest kurz ins Hohlkreuz rutschen und dich mit den Knien festhalten. Das ist eine automatische Reaktion, die vom Gehirn in Gang gesetzt wird, um uns zu schützen. Je nach Ausbildungsgrad und Verfassung wird das die Fluchtreaktion deines Pferdes verstärken oder es im Rücken blockieren.

Der Trick ist jetzt, wieder in eine korrekte Mittelstellung zu kommen

Die Bauchmuskeln sind der entscheidende Knackpunkt

Je besser Du das ohne Pferd kannst, desto schneller wirst Du das auch im Training umsetzen.

Wenn Du die richtige Beckenposition erfühlt hast, verstärkst Du den Druck deiner Gesäßknochen über deine Bauchmuskeln.

Wichtig ist, dass Du nicht wie auf der Toilette ins Pressen kommst, sondern bestimmte Bauchmuskeln benutzt. Das sind die, die in der Tiefe liegen und dich von den Rippen her gut weiteratmen lassen.

Wendest Du diese Bauchmuskelaktivität auf dem Pferd an, wirst Du merken, dass es in der Bewegung auch sein Becken kippt. Das versetzt es in die Lage, die Hinterhand besser unter den Schwerpunkt zu bringen und dadurch den Rücken aufzuwölben.

Darüber hinaus beginnt es zu schnauben, abzukauen oder den Hals fallen zu lassen. Das sind erwünschte Reaktionen auf deine treibende Einwirkung. Wenn Du sie wahrnimmst, dann solltest Du es loben! Auch oder gerade wenn diese Bewegung nur klein ist und mit wenig Aufwand erfolgt.


Mehr in die Tiefe über theoretische Hintergründe und Techniktraining gehen wir in Kursen bei mir auf dem Hof. Das richtige Tool für Reiter ist sowohl Thema in „Der Weg zur lockeren Mittelpositur“ am 26.11.2022 als auch bei „Spiraldynamik® für Reiter“ am 03.12.2022. Hier setzen wir eher den Schwerpunkt auf einen gesunden Rücken. Für beide Kurse gibt es unter den blauen Links noch freie Plätze.

Genieß den bunten Herbst,

Corinna von Reitclever

#bessersitzen

#besserreiten

#richtigestool

#MEHRWissenfuerreiter

Kinder und Jugendliche im Fokus

Erfolgreiche Prüfung im Septemberdurchgang des Pferdeführerschein Umgangs.
Prüfung zum Pferdeführerschein Umgang ist gut gelaufen!

Am Samstag war ich zu einer Fortbildung in der Landesreitschule Berlin. Die Initiative Gesundheitssport mit Pferden hatte dazu eingeladen und zum Thema “Kinderleicht – gesund mit Pferden” Kinder und Jugendliche im Fokus.

Für mich war es wie ein Nachhausekommen. Denn während und nach meiner Ausbildung zum Übungsleiter Prävention Reiten als Gesundheitssport habe ich nette Kollegen kennengelernt, die jetzt noch dort aktiv sind. In so mancher Wochenendsession haben wir Lehrinhalte, Ausbildungsstruktur und Ausrichtung des Gesundheitssport mit Pferden erarbeitet. Obgleich wir über die Zeit immer irgendwie in Kontakt geblieben sind, war es für mich super schön, nach langer Zeit wieder mit ihnen zusammen am Tisch zu sitzen.

Martina Hermann vom Hof Viervitz hat seit vielen Jahren vor allem Kinder und Jugendliche im Fokus.
Inhalt Reitunterricht für Kinder und Jugendliche

Das Thema der Fortbildung war spannend.

Zuerst ging es um grundsätzliche Fertigkeiten, die man als Reiter braucht, um eine gute Figur auf dem Pferd zu machen. Neben Kraft, Koordination und Balance spielt auch die Ausdauer eine entscheidende Bedeutung.

Denn wir wollen über einen längeren Zeitraum auf dem Pferd eine gute Figur machen und unsere Hilfen fein einsetzen.

Im praktischen Übungsteil waren Kinder und Jugendliche im Fokus.

Martina Hermann

Das ist auch gut, denn mit einer vielseitigen Ausbildung legt man den Grundstein für die weitere Entwicklung im Sport und weiteren Leben! Alles, was wir als Kind gut erlernt haben, bleibt in unserem Gehirn gespeichert.

Diese Inhalte müssen dann als Erwachsener nur entstaubt werden, wenn man sie wieder braucht. Deshalb kann man auch später immer wieder Fahrradfahren, wenn man das als Kind gut konnte. Auch erfahrene Reiter kommen nach einer Pause schnell wieder rein. Anders, als wenn man als Erwachsener erst anfängt, Reiten zu lernen: Der Weg zu einem sicheren und mühelosen Reitstil ist dann manchmal lang und steinig.

Martina Hermann von der Reitschule Viervitz gestaltete den Praxisteil souverän und mit vielen Beispielen aus Ihrem Alltag auf Rügen. So war der Tag eine gelungene Veranstaltung, bei dem sich jeder etwas für seine Arbeit zuhause mitnehmen konnte. Danke an alle Organisatoren und Redner!

An dieser Stelle möchte ich eine Lanze für die heutigen Jugendlichen brechen

Man hört so oft, dass die Kinder heutzutage ganz anders sind, als wir früher. Das ist bestimmt richtig, denn die Zeiten sind auch anders als früher. Hand aufs Herz: wenn wir damals Handys und Tablets gehabt hätten, hätten wir sicher auch über diese Kanäle mit den Freundinnen konferiert, anstatt sich stundenlang am Telefon auszutauschen.

Ehrlich gesagt glaube ich, dass wir es früher einfacher hatten, uns auf unsere Interessen zu konzentrieren. Gefühlt hatten wir doch nach der Schule unermesslich viel Zeit, um so oft wie möglich im Stall zu sein. Heute erschwert nicht nur das Schulsystem mit der Ganztagsbetreuung bis 16:00 das zeitlich unbegrenzte Zusammensein mit den Pferden.

Sicher sind Motorik und Gleichgewicht weniger ausgeprägt, wenn man die größte Zeit des Tages vor einem Endgerät sitzt. Das ist bei Erwachsenen nicht anders!

Kinder müssen auch in der Schule viel sitzen und vor allem geistig abliefern.

Im Pferdeführerscheinkurs September 2022 hatte ich hochmotivierte Teilnehmer, die für ihre Liebe zum Pferd einen hohen Einsatz zeigen.

Beispielsweise hat eine junge Teilnehmerin, die noch nicht volljährig ist, ihre Eltern nach langer Vorarbeit überzeugt, dass sie vom Hotel Mutter auf den Hof gezogen ist, auf dem sie seit Jahren reitet. Dazu musste sie die Schule wechseln und fährt jeden Tag mit dem Bus in die neue Schule und zurück. Aber die Zeit, die sie täglich spart, um nicht mit dem Auto von ihrem Wohnort in den weit entfernten Stall gefahren zu werden, kann sie jetzt in Lernen und Reiten investieren. Damit handelt sie auch gut für die Umwelt.

Noch viel weiter fahren zwei Schwestern, um am Wochenende in einem Verein reiten zu lernen, wo es den Pferden gut geht und sie auch als Persönlichkeiten wahrgenommen werden. Jeweils samstags fuhren sie früh aus dem Norden von Berlin los, um zuerst bei mir südlich von Zossen den Pferdeführerscheinkurs zu absolvieren. Danach fuhren sie 45 Minuten weiter Richtung Nordosten, um dort in der Sattelkammer zu übernachten und den Sonntag in Stall und Reitbahn zu verbringen.

Ob ich das damals gemacht hätte, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Ich bin fast täglich eine halbe Stunde mit Bus und U-Bahn sowohl in den Reitstall als auch zum Voltigieren gefahren.

Wenn ich so solche Geschichten höre, bin ich froh, auch Kinder und Jugendliche im Fokus zu haben. So ein Einsatz muss sich auszahlen und genau aus diesen Reitern wachsen echte Pferdemenschen heran.

Ansonsten hatten wir nicht nur schöne Kurstage, sondern auch eine erfolgreiche Prüfung.

Bis bald und schöne Herbsttage wünsche ich euch!

Corinna von Reitclever

Sind bei Dir Balance und Emotionen im Gleichgewicht?

Spielerischen Übungen sorgen für eine positive Balance und Emotionen des Reiters
Wie steht es eigentlich um Balance und Emotionen bei Dir auf dem Pferd?

Koordiniert und elastisch- dabei immer im Gleichgewicht und Herr der Lage. Am besten noch ein lässiges Lächeln im Gesicht, das wäre der Traum vieler Reiter.

Doch wie sieht die Realität zum Thema Balance und Emotionen aus?

Dass sie immer abhängig von der aktuellen Situation ist. Wenn Du gerade mit einer goldenen Schleife vom Turnier kommst ist sie sicherlich besser als wenn dein Hosenboden nach einem Ritt durch den Wald sandig ist.

Balance und Emotionen spielen immer zusammen

Denn beides wird von sehr alten Anteilen unseres Gehirns gesteuert. Das Limbische System sitzt im Stammhirn und kontrolliert neben allen unseren Gefühlen auch unsere Haltungs- und Bewegungsreflexe. Nur wenn wir uns sicher fühlen, lässt es uns locker und ausbalanciert den Bewegungen des Pferdes folgen. Sobald es etwas wahrnimmt, was den Reiter vom Pferd holen oder besser gesagt sein Überleben gefährden könnte, setzt es einen Alarmmodus in Gang.

Dieser geht mit einer verstärkten Anspannung aller Muskeln einher, die ein Oben bleiben oder ein Weglaufen vor dem potentiellen Feind ermöglichen. Schon muskulär ist dann eine ausgeglichene Gewichtsverteilung für eine ausbalancierte Bewegung nicht möglich. Denn für eine koordinierte Bewegung müssen bestimmte Muskeln locker gelassen werden, um die Ausführung fein zu steuern.

Wie gut fühlt sich so ein angespannter Weglaufmodus an?

Nicht so gut, dass Du lächeln möchtest, oder? Hast man auch gar keine Zeit dafür, denn dein Gehirn filtert in so einem Gefahrenmodus alle Reize für das Bewusstsein aus, die uns von der Bedrohung ablenken könnte. Also Witze erzählen im Sturmschritt oder flotten Jagdgalopp fällt meistens aus.

Erst wenn alles überstanden ist oder man nach einer Schrecksekunde durchgeatmet hat, kann man wieder lachen und sich auf die guten Momente des Lebens besinnen.

Das ist eine physiologische Reaktion, die das Überleben der Menschheit bis heute gesichert hat. Auch Pferde lassen sich im Fluchtmodus weder kuscheln noch sind sie lernbereit!

Also muss man, wenn man Balance und Emotionen kontrollieren möchte, dafür sorgen, dass man sich in einer sicheren Umgebung befindet. Nur wenn man sich geborgen fühlt, kann man ein Techniktraining absolvieren oder im Gleichgewicht agieren. Dann fällt es einem leicht fällt, locker und leicht auf dem Pferd zu sitzen und Zeit für einen Plausch mit dem Mitreiter oder ein Witzchen zu haben. Das ist dann das, was als gute Laune mit und auf dem Pferd ´rüberkommt.

Unterbrechen kannst Du diesen Überlebensmechanismus an zwei Stellen:

Zuallererst musst Du wissen, wie es um dein eigenes Gleichgewicht steht. Wenn das Gehirn findet, dass Du dich auf dem Pferd in einer Bedrohungssituation befindet, wird es den Überlebensmodus aktivieren und das Klemmen nicht aufgeben.

Ist es gut, kannst Du die Wahrnehmung nutzen, um deine eigene Körperspannung erspüren. Die kannst Du dann auch gezielt wieder los- lassen, wenn Ruhe eingekehrt ist.

Das gelingt beispielsweise durch tiefes Ausatmen und ein sich anschließendes Neusortieren aller Körperteile. Je bessere Rumpfmuskeln man übrigens hat, desto leichter laufen die körpereigenen Gleichgewichtsreaktionen. Beides kann man trainieren.

Nur als Reiter im Gleichgewicht kann ich auf dem Pferd positive Emotionen zulassen.

Dann fühlt sich das Gehirn sicher und lässt Bewegungsmuster zu, die Spaß machen und sich gut anfühlen. Nur wenn ich mich selber locker fühle, komme ich in den “Gut- drauf” Modus. Ansonsten sucht unser Wahrnehmungssystem nach Dingen, die unsere Sicherheit bedrohen könnten und schaltet unbewusste Schutzprogramme.

Also lohnt es sich, als Reiter an der Balance anzusetzen, um die eigenen Emotionen zu kontrollieren. Dann gelingt der unbeschwerte Ritt in Feld und Flur. Anders gesagt: Nur wenn wir uns auf dem Pferd sicher fühlen ist ein flexibler Sitz auf dem bewegten Pferd möglich. Und ein variabler Sitz ist die beste Voraussetzung auch mit Spaß in unterschiedlichem Gelände reiten zu können. Dann kann man sein Bewegungsverhalten und auch die eigenen Stimmung bewusst an die jeweilige Anforderung anpassen.

Idealerweise hat man eine Vorstellung der eigenen Bewegung und der des Pferdes.

Denn nur, wenn man sich auf die geplante Bewegung einstellen kann, wird man zügelunabhängig sitzen, weil dann das Gehirn im Vorfeld die Rumpfmuskeln aktiviert, die die richtige Anspannung ermöglichen. Dann können die Arme so locker bleiben, dass sie der Bewegung des Pferdemauls folgen.

Deshalb ist es immer gut, den Oberkörper für die Kontrolle von Balance und Emotionen zu trainieren. Weiterhin alles, was die eigene Koordination und Wahrnehmung verbessert.

Allerdings ist nicht jeder Tag gleich.

Es gibt Tage, da fehlt es an innerer Ausgeglichenheit. Darunter leiden dann auch die körperliche Verfassung und der lockere Sitz im Gleichgewicht.

Kennst Du das? Dass es Tage gibt, an denen es läuft wie geschmiert? Und an anderen Tage bekommt man keine vernünftige Wendung geritten!

Neben den äußeren Faktoren liegt es dann oft an der fehlenden mentalen Losgelassenheit. Weil man aus dem letzten Loch pfeifend in den Stall gehetzt ist. Und dann wenig Zeit und noch eine ganze Menge Anderes im Kopf hat. Dann wäre es gut, innerlich durchzuatmen und sich auf etwas Schönes zu besinnen, bevor man aufs Pferd steigt.

Also gehört auch die richtige Vorbereitung zu positiven Emotionen des Reiters.

Wie man das am besten macht, wird Thema des diesjährigen Tag des Cleveren Reiters sein. Zum Thema Reiten mit Herz und Verstand erwarten wir am 08.10.2022 vier Vorträge mit vielen praktischen Ansätzen, die sich genau damit beschäftigen. Mit gezielten Anleitungen und Ideen, wie Du Aufregung und Lampenfieber in den Griff bekommst, ist der Tag ein echter Joker für Reiter.

Corinna Jungblut – Pohl wird neben theoretischen Grundlagen Ansätze aus dem Neuro-Rider® Programm und Brain Gym® für Reiter zeigen, mit denen man sich schnell in eine gute Verfassung bringen kann.

Der ehemalige Springreitprofi Björn Biedermann wird aus dem Nähkästchen plaudern und erklären, wie man sich gut auf bevorstehende Herausforderungen vorbereiten kann.

Als ehemalige Ausbilderin für Physiotherapeuten wird Marlis Schubarth erklären, wie das limbische System eigentlich funktioniert und wie es Emotionen macht.

Karten bekommt Ihr unter dem Link. In dem Preis für das Tagesticket sind Verpflegung und Getränke für den Tag enthalten. Der Tag des Cleveren Reiters findet am 08.10.2022 auf dem Zossenhof im Süden von Berlin statt.

Ich freu´ mich auf Dich und wünsche einen allseits balancierten Ritt,

Corinna von ReitClever

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Besser Reiten trotz Stress- Wie sicher fühlst Du dich auf dem Pferd?

Besser reiten trotz Stress erreicht man durch spielerische Übungen und mehr Koordination

In unserem Körper laufen in jeder Minute unseres Lebens einfache und komplexe Vorgänge ab, von denen wir nicht einmal eine Ahnung haben, dass es sie gibt. Wir spüren diese Regulationsmuster gar nicht, die sich um Verdauung, Wärme – und Kreislaufregulation und natürlich auch um die Fortbewegung drehen. Der Begriff meint sowohl das eigene Fortkommen auf zwei Beinen als auch die Steuerung komplexer Bewegungsmuster, wenn wir z.B. als Reiter auf dem Pferd sitzen.

Falls es mal richtig zur Sache geht, sind nicht nur fast alle Muskeln im Körper beteiligt sondern auch eine ganze Menge Hirnbezirke. D.h. diese Bereiche brauchen wir bei einem Umzug oder einer Bergwanderung genauso wenn wir im leichten Sitz durch den Wald galoppieren: Unser Gehirn steuert die aktuell notwendigen Bewegungen oder Hilfengebung und quasi nebenbei, also für uns unterbewusst und kaum wahrnehmbar, das eigene Gleichgewicht, um oben zu bleiben. Da Pferde manchmal blitzschnell in eine andere Richtung unterwegs sind, als wir geplant haben, spielt dieser Vorgang eigentlich die wichtigste Rolle. Sobald wir drohen, herunterzufallen, wird das Gehirn eine Schutzreaktion steuern, die eher grobmotorisch ausfällt. Uns Reitern geht es dagegen um eine feine Dosierung unserer Hilfen. Die kann aber nur stattfinden, wenn wir ausbalanciert sitzen.

Überhaupt hat das Gleichgewicht überall im Sport eine grundlegende Bedeutung. Es besteht eine enge Beziehung zwischen der eigenen Balance und der Leistungsfähigkeit.

Besser Reiten trotz Stress?

Reiter haben ein mehr oder weniger gut ausgeprägtes Bewegungsgefühl für den eigenen Körper. Zudem sollten sie eine Vorstellung von der gemeinsamen Bewegung mit dem Pferd haben, wenn sie mit ihm arbeiten.

Beides muss man mit dem Ablauf des Pferdes zusammen bringen, damit es eine harmonische gemeinsame Bewegung gibt. Jede Richtungsänderung und jeder Tempowechsel stellt eine Herausforderung für das Gleichgewicht von Pferd und Reiter dar.

Denn klaffen die Bewegungsvorstellung des Reiters und die des Pferdes auseinander, müssen sich beide miteinander arrangieren. Falls es zu einer Fluchtreaktion des Pferdes kommt, entscheiden mitunter Bruchteile von Sekunden, ob der Reiter oben bleibt oder ob er das Pferd verliert.

Unser Gehirn weiß genau, dass wir uns 2 Meter über der Erde befinden.

Es wird also nicht nur auf dem Pferd den Schutz des eigenen Körpers an erste Stelle stellen. Anders ausgedrückt geht es immer darum, dass wir überleben. Nur wenn wir und unser Gehirn uns sicher fühlen, wird es Bewegungen zulassen, die für feines Reiten notwendig sind. Nach der Auswertung aller eingehenden Meldungen über unseren Körper, welche Kräfte auf ihn einwirken und wie in welcher Umgebung er sich gerade befindet, schickt das Gehirn Handlungsanweisungen an den Körper. So reagieren die Muskeln auf die Entscheidungen unserer Zentrale.

Faszinierend ist, dass das so eine Bewegungssteuerung in Bruchteilen von Sekunden stattfindet. Unsere Reaktionsmuster sind bei uns deshalb gut ausgereift, weil wir auf Überleben programmiert sind.

Aber nur wenn man sich sicher fühlt, kann man eine gute Balance entwickeln.

Dann kann man Kraft und Koordination steuern und die eigenen Bewegungen präzise an die des Pferdes anpassen. Dagegen wird holprig, sobald man sich unsicher fühlt. Reiten trotz Stress ist möglich, aber man muss sich klar machen, was dabei passiert.

Nur dann kann man sich nach einem Stress wieder entspannen und locker reagieren. Im Überlebensmodus werden Muskeln aktiviert, die den Körper zu schützen. Dabei bleibt die  Feinsteuerung auf der Strecke. Da diese Schutzproramme unbewusst ablaufen, kann man sie nicht verhindern. Man kann sie nur akzeptieren und erkennen. Wenn man weiß, dass es sie gibt, kann man durch eine gute Vorbereitung erreichen, dass diese Schutzmuster nicht so schnell ausgelöst werden.

Sobald man Schmerzen hat oder das Gehirn fühlt, dass die eigene Balance gefährdet ist, ist es vorbei mit dem feinen Reiten.

Dann wird der Überlebensmodus aktiv. Also wäre es clever, neben einer sauberen Hilfengebung auch die eigene Beweglichkeit und das Gleichgewicht im Fokus zu haben. Je flexibler wir auf dem Pferd sind und je besser die Muskeln reagieren können, desto feiner können wir auf dem Pferderücken agieren.

Eine Idee ist es, gezielt zu üben, wenn man irgendwo im Körper Schmerzen hat. Auf der Seite gesund Reiten (klick´ bei Interesse auf den Link) bekommst Du zielgerichtete Ansätze für Reiter, wenn Du irgendwo Bewegungsprobleme hast. Auch kannst Du dich physiotherapeutisch durchchecken lassen, um zu schauen, wo deine Beweglichkeit verbessert werden kann. So ein Physiocheck für Reiter findet bei mir in einer Praxis in Berlin oder nach Absprache auch bei Dir auf der Reitanlage statt.

Weiterhin solltest Du schauen, dass dein eigenes Gleichgewicht so gut wie möglich ist. Dann wittert dein Gehirn auf dem Pferd nicht so schnell Gefahr und funkt Alarm. Du gelangst so weniger schnell in den Stressmodus und besser Reiten trotz Stress wird nach einem gezielten Training Geschichte. Dabei kannst Du sowohl an deinem eigenen Sicherheitsgefühl als auch an deiner Bewegungssteuerung ansetzen.

Bei dem Kurs Besser reiten mit Balance tun wir genau das, in dem wir Übungen aus dem Neuro Rider® Programm und dem BrainGym® einsetzen. Diese sogenannten Hirngymnastikübungen verbessern die Zusammenarbeit aller Sinnesorgane und trainieren die Entspannungsfähigkeit. Durch eine erleichterte Bewegungssteuerung erhöhst Du die Koordination aller Körperteile und deine Balancefähigkeit. Besser reiten trotz Stress wird also durch gezieltes Training möglich.

Beides hilft, mehr Sicherheit auf dem Pferd zu entwickeln.

Reiten trotz Stress ist ein wesentlicher Bestandteil meiner Arbeit. Dieses Thema findet sich in vielen meiner Kurse wieder. Schau Dich ruhig auf der Seite Locker sein um. Auch hier findest Du eine Menge Anregungen und auch Übungsansätze zu einem entspannten Umgang mit dem Pferd.

Für mehr Informationen klick auf die blauen Links.

Viel Spaß beim Reiten wünsche ich Dir!

Corinna von ReitClever

PS: “Einfach besser reiten mit Balance”  ist auch als Onlinekurs in Arbeit.

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Wie der Neuro-Rider® wirkt

Reieinheit beim Neuro- Rider® Tag
Sitz mit der Tendenz nach unten zu schauen.

Eine Generalanleitung, wie der Neuro-Rider® wirkt, ist kaum zu vermitteln. Es ist ein Konzept, was an der Neuroanatomie ansetzt, um die Fähigkeiten zu verbessern, die für feines Reiten wichtig sind. Man braucht im Wesentlichen Beweglichkeit, Koordination und Balance für eine gute Figur auf dem Pferd.

Trotzdem ist es immer wieder erstaunlich, wie wenige, gezielt eingesetzte Übungen eine schnelle Veränderung zum Positiven auf dem Pferd bewirken. Der Grund ist, dass unser Nervensystem sehr schnell arbeitet und deshalb blitzartig auf verbesserte Voraussetzungen reagieren kann.

Die Kunst eines Neuro-Rider®- Trainers besteht also darin, herauszufinden, wo das Hauptproblem des Reiters sitzt. Dazu muss er auf dem Pferd genau hinschauen. Um herauszufinden, welches System für die sichtbare Ursache verantwortlich ist, hat er eine Menge Analyse- und Testtools in der Hand. Das macht es in der Ausbildung tatsächlich schwer, alle zu lernen und auf den Punkt anwenden zu können.

Wenn ein Ausbilder versteht, dass Oberflächen- und Tiefensensibilität für die Bewegungssteuerung eine große Rolle spielen und die Augen für das Gleichgewicht sehr bedeutsam sind, hat er die wichtigsten Trümpfe in der Hand. Dann kann er schauen, testen und Übungen anbieten, die Beweglichkeit, Koordination und Gleichgewicht im Idealfall sofort verbessern.

Wenn es das richtige Tool war, sehen Trainer und Reiter schnell, dass sich auf dem Boden und auf dem Pferd etwas verändert. Der Reiter merkt dann sofort, wie der Neuro-Rider® wirkt.

Manchmal ist es nicht so einfach

Ich war letzte Woche als Gastdozent zu einem Fortbildungsmodul der Sibylle Wiemer Akademie zum Thema Sitzschulung eingeladen. Ich nutze die Gelegenheit, das Neuro- Rider® Konzept vorzustellen und die Reiter mit einem gezielten Warm Up auf die praktische Einheit vorzubereiten. Die Außentemperaturen halfen mir dabei: es war schon am späten Vormittag sehr warm. Deshalb stellten wir die Reitpraxis nach einer kurzen Einführung an den Anfang des Tages. Am Nachmittag schauten wir denn mittels der Neuro-Rider®-Testbatterie, warum es beim Reiten Abweichungen vom bestmöglichen Sitz gab.

Und das Ergebnis war erstaunlich.

Wie immer bei solchen Kursen, treffen sehr unterschiedliche Reiterinnen auf teilweise sehr verschiedenen Pferden aufeinander. Wenn ich das erste Mal zu einem Kurstag auf die Anlage komme, konzentriere ich mich immer erst auf eine grundsätzliche Sitzkorrektur. Wie das einzelne Pferd geritten ist und welche Verbesserungsmöglichkeiten es mit ihm gibt, interessiert mich erst im zweiten Schritt. Denn es kann nur sein Bestes geben, wenn der Reiter ein angenehmer Rucksack für ihn ist. Dort setze ich beim ersten Mal bei einer Neuro- Rider®- Reiteinheit an. Und die Pferde zeigen in der Regel sofort, ob ihnen die Veränderung gefällt oder nicht.

Verbesserte Rumpfaufrichtung nach ein paar Neuro- Rider Elementen
Verbesserter Sitz

Bei einer Reiterin auf einem sehr großrahmigen Freiberger Wallach, der die rassetypische Größe um Einiges überschreitet, fiel mir in vielen Phasen der Bewegung ein unruhiger Oberkörper auf. Das Pferd hat eine große Übersetzung und ist bestimmt nicht einfach zu sitzen. Da seine Besitzerin auch groß und kräftig ist, sollte das nach einer Gewöhnungsphase eigentlich kein Problem mehr darstellen.

Mit den ersten Neuro-Rider®-Elementen während der Reiteinheit auf dem Boden konnten wir schon Einiges verbessern. Sie saß danach gerade, ohne nach unten zu schauen und konnte sich aufrichten, ohne Knie und Absätze hochzuziehen. Ein Ergebnis, das erstmal zufriedenstellend für alle Beteiligten war.

Mein Groschen fiel dann aber bei der Neuro- Rider® Testbatterie

Mir fiel an ihrem Gangbild auf, dass sie mit viel Schwung und großen Schritten unterwegs war, bei denen hörbar die Stoßdämpfung fehlte. Der ausgreifende Armschwung lenkte davon ab, dass sie auch ihren Kopf bei jedem Schritt nach rechts oder links bewegte.

Als ich später nachfragte, erzählte sie, dass sie sich oft unsicher fühlte und das Gefühl für ihre Beine im Laufe eines Tages abnahm. Das ist fatal, wenn man sich auf die Bewegungen seines Pferdes einstellen möchte, sie aber über die Beine schlecht spüren kann. Höchstwahrscheinlich ist das der Grund, warum die Reiterin sich auf dem Pferd unsicher fühlt und im Oberkörper eher nach vorne kippt.

Also setzten wir bei den Tests und den darauf aufbauenden Übungen an der Stabilisierung des Kopfes an. Nur wenn seine Kontrolle abgestimmt auf die aktuellen Anforderungen gesteuert wird, geben die für die Balance extrem wichtigen Stellrezeptoren im Nacken den Weg frei für gute Gleichgewichtsreaktionen. Auch die Zusammenarbeit von Kopf und Augenstellung spielt dabei eine wichtige Rolle.

Nach ein paar unspektakulären Übungen, die genau dort ansetzten, verbesserte sich die Kopfkontrolle der Freiberger- Reiterin deutlich. Damit verbunden fühlte sie sich gerade, in sich stabiler und konnte ihre Beine deutlich koordinierter bewegen. Die beste Voraussetzung also, um beim nächsten Mal gerade auf dem Pferd zu sitzen und auf seine Bewegungen reagieren zu können.

Wer schauen möchte, wie der Neuro- Rider® wirkt, kann sich die beiden folgenden Videos dazu ansehen:

Der Ritt vor der Neuro-Rider® Testbatterie
Der Neuro- Rider® Check mit darauf aufbauenden Übungen

Vielen Dank an alle Beteiligten!
Der Tag mit Euch hat mir viel Spaß gemacht.

Bis bald,

Corinna von Reitclever

#NeuroRider®

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#MEHRWissenfuerreiter

#besserreiten

Myo-Fasziales- Training

Thema beim Myo- Fazialen_ Training sind Muskeln und Faszien
Wunderwelt der Faszien

Am Sonntag war ich bei einer Fortbildung zum Thema „Myo- Fasziales-Training“ im Landessportbund Berlin. Bei 38 Grad im Schatten, am bisher wärmsten Tag des Jahres 2022, war die Motivation nicht so besonders hoch.

Doch der fachlich sehr fundierte Dozent hat das schnell verändert: Nach einem kurzen Überblick legte er mit einem ausgeklügelten Programm für Myo- Fasziales- Training los. Er setzte auf dynamische Steigerungsformen, die mich mehr als einmal an den Punkt brachten, wo mein Gehirn nur noch „hä?“ fragte. Für manche Bewegungsmuster hat man einfach kein Programm, wenn man so etwas nicht regelmäßig macht. „Hast Du noch keine Bahnen für, oder?“ fragte er dann lächelnd und erklärte, dass die sich im Gehirn erst ausbilden, wenn man abseits der gewohnte Wege Neues übt.

Genau das machte den Tag aus.

Über die Kombination von Koordination und Bewegung bekam man einen guten Zugang zu seinem Körper. Auch wurde neben der Beweglichkeit das Gleichgewicht enorm gefördert. Also all das, was man für gutes Reiten braucht. Im Anschluss war es ein schönes Gefühl, einmal durchgearbeitet und doch irgendwie locker zu sein. Muskelkater habe ich trotz der teilweise sehr anspruchsvollen Übungen nicht bekommen.

Ich bin schon lange Physiotherapeutin. In diesem Rahmen bekomme ich dieses Thema immer wieder präsentiert. Seit einiger Zeit werden Faszien für Schmerzen und Bewegungsprobleme verantwortlich gemacht, und zwar beim Reiter genauso wie beim Pferd. Spätestens seit dem Aufkommen der Franklin Bälle im Reitunterricht kennen viele Reiter diese zarten Strukturen.

Tatsächlich ist dieses spezielle Bindegewebe in unserem gesamten Körper vorhanden. Es umgibt nahezu jede Struktur des Körpers und gibt ihm seine spezifische Form. Organe haben genauso wie Muskeln, Muskelstränge, Bänder und Sehnen eigene Faszien. Wie ein Fischernetz sind sie alle miteinander verbunden. Insofern kann man sich vorstellen, dass eine Irritation oder Verhärtung in einem Bereich andere Strukturen des  Körpers beeinflusst. Gerade nach Verletzungen oder Operationen verkleben diese feinen bindegewebigen Häute und sorgen für einen Funktionsverlust. Flüssigkeitsaustausch und das Verschieben der Strukturen gegeneinander können an dieser Stelle in der Folge nur noch eingeschränkt stattfinden. Durch eine hohe Dichte an Schmerzrezeptoren aufweisen bewirken dortige Funktionseinschränkungen fast immer Bewegungsstörungen in Muskeln und Gelenken.

Hier ein paar Fakten zum Thema Myo- Fasziales- Training

Dr. Robert Schleip, der  “Faszienpapst”, stellte fest, dass Faszien sich bei Stress zusammenziehen. Da sie viele Rezeptoren in sich haben, melden sie unserem Gehirn Schmerzen, wenn man verspannt ist oder ungünstige Bewegungsabläufe nutzt.

Dauerhafter Stress oder ungünstige körperliche Belastungen führen zu Verhärtung und Verfilzung der Faszienzüge. Muskelverspannungen oder Bewegungsmangel führen zu einem Lymphstau im Bindegewebe, was zu einer Verklebung der Verschiebeschichten führt. Gerade nach Bandscheibenvorfällen und anhaltenden Schmerzzuständen des betroffenen Nervengewebes wird dieser Vorgang bedeutsam: Als Nervengleitmobilisation kann man eine wirksame Schmerzlinderung erreichen und wieder Beweglichkeit schaffen.

Da Faszien überall in unserem Körper zu finden sind, hat dieses Bindegewebe im Körper kein Anfang und kein Ende. Durch dieses Geflecht von nahtlos ineinander übergehenden Häuten kann eine Entzündung am Fuß Auswirkungen auf eine die gegenüberliegende Schulter Körper haben. Verliert ein Gewebe an Flexibilität und Bewegungsfähigkeit, kommt es zu Verspannungen, Schmerzen oder auch chronischen Beschwerden durch Nervenverklebungen. Wenn sich Faszien verkürzen und verhärten, werden gut dehnbare Elastinanteile abgebaut und durch zähes, kaum dehnbares Kollagen ersetzt. Die Grundspannung des Körpers erhöht sich und man wird unbeweglicher. Die verminderte Gleitfähigkeit grenzt den Bewegungsspielraum von Muskulatur und Gelenken oft auch schmerzhaft ein.

Auch Stress verklebt Faszien.

Wenn man dauerhaft im Stressmodus durchs Leben geht, verliert man irgendwann die natürliche Aufrichtung. Man wird krummer und bewegt sich irgendwie hart. Durch die nachlassende Flexibilität steigt die Verletzungsgefahr. Denn Faszien stehen in direkter Verbindung mit unserem vegetativen oder autonomen Nervensystem. Es heißt so, weil es lebenswichtige Körperfunktionen weitgehend selbstständig regelt. Dazu gehören Atmung, Verdauung, einzelne Organe und auch die inneren Augenmuskeln.

So beeinflusst es auch die Spannung der Faszien. Gelassenheit senkt die Körperspannung, Stress dagegen erhöht die Grundspannung im Gewebe. Andersherum funktioniert dieser Mechanismus auch: Stehen die Faszien unter hoher Spannung, fühlt man sich gestresst und findet innerlich keine Ruhe. Schlechter Schlaf durch mangelndes Abschalten sind die Folge.

Verlernt man, sich auf der Ebene der Muskeln und Faszien zu entspannen, verselbständigt sich die Spannungserhöhung. Myo- Fasziales- Training reduziert also auch körpereigenen Stress. So kann man wieder ruhig und tief Durchatmen und fördert die eigene Entspannung. Weil man wieder in einen erholsamen Schlaf kommt, beginnt ein positiver Kreislauf

Faszien sind beeinfluss- und trainierbar.

Das habe ich am Sonntag deutlich gespürt. Also ist Myo- Fasziales- Training sehr geeignet, wenn Du Dich und deinen Reitstil dauerhaft verbessern möchtest. Davon profitiert auch dein Pferd!

Dokumentation “Geheimnisvolle Welt der Faszien”

Auf Youtube findest Du eine schöne Dokumentation zum Thema. Der Film „Geheimnisvolle Welt unter der Haut“ erhält viele relevante Informationen über die Wirkweise von Faszien.

Kürzer zusammengefasste Trainingstipps findest Du hier: https://www.functional-training-magazin.de/myofasziales-training-endlich-schmerzfrei-bewegen/.

Wenn Du in deiner Umgebung jemanden findest, der Myo- Faciales- Training anbietet, lautet klare Empfehlung von mir, das auszuprobieren!

Diese dynamischen Übungen beeinflussen Koordination und Gleichgewicht genauso wie die Elastizität der Bewegungssysteme. Mit Bällen, Rollen und Stäben werden am Ende eine Einheit Verklebungen aufgespürt und aktiv gelockert. Danach fühlt man sich definitiv besser in Form, lockerer und auch ausbalanciert. Beste Voraussetzungen für einen guten Ritt!

Viel Spaß beim Ausprobieren,

Corinna von Reitclever

#besserreiten

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Der Darm des Reiters und die Mittelpositur

Hast Du Dich schon einmal gefragt, wo der Darm des Reiters eigentlich liegt?

Der Darm des Reiters
Der Darm des Reiters

Er sitzt genau in unserer Bewegungszentrale der Mittelpositur.

Für eine gute Bewegungsfunktion ist es sinnvoll, sich mit seiner Gesundheit zu beschäftigen.

Auf der Abbildung siehst Du, dass er sich im ganzen Bauchraum ausbreitet und der Enddarm, der vor allem für die Ausscheidung verantwortlich ist, im unteren Becken liegt.

Funktioniert der Darm gut, merkt man meist nichts von ihm bis zu dem Moment, wo er sich entleeren möchte. Verdauung wird von unserem vegetativen oder autonomen Nervensystem gesteuert. Sollte man ihn also spüren, kann man davon ausgehen, dass gerade etwas schief läuft.

Kennst Du richtig starke Bauchschmerzen?

Heftigen Durchfall, eine handfeste Verstopfung oder neigst Du zu starken Regelschmerzen? Dann ist Dir bewusst, dass man in diesem Fall ähnlich wie ein Pferd mit Kolik sehr angespannt ist.

Denn das dazugehörige Organgewebe zieht sich zusammen und zerrt dadurch an seinen Aufhängungen. Das äußert sich vor allem in der Mobilität im Beckenbereich, denn die Bauchorgane sind mit Bindegewebe an Wirbelsäule, Becken oder Kreuzbein befestigt. Bei Problemen dieser Organe wird also sowohl die Beweglichkeit der angrenzenden Gelenke als auch die Muskelfunktion beeinträchtigt.

Besonders der große Hüftbeugemuskel, der Psoas- Major, reagiert auf Unregelmäßigkeiten im Bauchraum gerne mit Verspannung. Er ist für die Beweglichkeit von Hüfte und Lendenwirbelsäule und damit für Reiter enorm wichtig: ist er angespannt, kann man in der Mittelpositur nicht locker mitbewegen.

Also ist es sinnvoll, sich für einen guten Sitz auch mit der eigenen Ernährung zu beschäftigen. Nicht nur mit einem stimmigen Calcium- Phosphor- Verhältnis oder der idealen Zusammensetzung eines Mineralfutters für das Pferd. Das können wir Reiter gut.

Dagegen stopfen wir in uns selbst manchmal unüberlegt all das in uns hinein, was schmeckt. “Richtig” zu essen ist auch nicht leicht. Kaum etwas wird so emotional diskutiert wie eine optimale Ernährung. Für mich gibt es gute Gründe, ein Veganer, Vegetarier oder Lakto- Vegetarier zu sein. Auch gibt es Menschen, die Grünzeug lieber den Tieren überlassen, damit ihr Fleisch delikater schmeckt.

Mir geht es hier nicht um einen Glaubenskrieg, sondern eher um einen Denkanstoß.

Es gibt unterschiedliche Angaben in der Literatur, aus der ich das für uns Wichtigste herausstellen möchte: Wir Menschen sind Allesfresser. Fleischfresser haben einen recht kurzen Darm, damit das Fleisch auf dem Weg durch den Verdauungstrakt nicht beginnt, zu faulen. Recht kurz heißt in diesem Zusammenhang zwei bis dreimal so lang wie der gesamte Körper des Besitzers.

Die Ernährungspyramide,
Bildnachweis I-Stocks-177091305

Unser Dünndarm ist ungefähr 5 Meter lang, der Dickdarm einschließlich Enddarm misst noch einmal 1,5 Meter. Ein Pferd hat ca. 20 Meter Dünndarm, um aus Gras ausreichend Energie und Nährstoffe gewinnen zu können. Also kann man den Mensch anhand seiner Darmlänge weder als ein reinen Fleischesser noch als Veganer einordnen.

Eher sind wir für eine Mischkost gemacht. In meinen Augen ist es sinnvoll, mit der Basis der abgebildeten Lebensmittel in der Ernährungspyramide den größten Teil des eigenen Tellers zu befüllen. Die obersten Stockwerke sollten im Umkehrschluss den kleinsten Anteil auf dem Teller bilden.

Auch finde ich wichtig, dass wir der Fahrt aufnehmenden Klimakrise ins Auge blicken

Welche Produkte gibt es aus der Region, die nicht zum Verzehr um die halbe Welt transportiert werden? Kiwis aus Neuseeland, Nektarinen aus Griechenland, Kaffee und Bananen aus Südamerika sind die Realität im Supermarkt. Auch dort gibt es Bio – Früchte und Produkte mit dem Demeter- Siegel. Das bezeichnet die höchste Güteklasse einer ökologischen Produktion.

Sicherlich ist das teurer im Einkaufswagen. Doch geht eine billige Herstellung immer zu Lasten der Natur und derjenigen, die in dieser Produktion arbeiten. Besser ausgedrückt wie teuer wird wohl Pferdehaltung, wenn die Entwicklung der Futter- und Energiepreise auf Grund des Klimawandels so weiter geht?

Die Dosis macht das Gift

Unser inneres Milieu kann durch den Verzehr großer Mengen Obst genauso übersäuern wie durch die übermäßige Aufnahme von Zucker.

Kohlehydrate sorgen für eine gute Ausdauerfähigkeit. Zu viele Kohlehydrate machen satt, faul und irgendwann auch dick. Insofern würde ich immer an der Gesamtmenge ansetzen, anstatt durch Vermeiden bestimmter Nahrungsmittel, Mangelerscheinung zu provozieren.

Je abwechslungsreicher man isst, desto mehr Nährstoffe bietet man dem Körper an. Dabei sind Unverträglichkeiten natürlich eine andere Geschichte.

Eine gute Ernährung soll den Stoffwechsel flexibel machen. Dabei spielt das Verhältnis von Energiezufuhr und Energieverbrauch die entscheidende Rolle. Bis heute gibt es keinen Inhaltsstoff oder eine Zauberformel, die einen mehr essen lässt, als man verträgt. Wenn eine gute Ernährung auch Abnehmen beinhalten sollte, muss man dieselbe umstellen oder seinen Appetit zügeln.

Folgende Fragen können hilfreich sein, dich auf die richtige Spur zu führen:

1) Wie angenehm und wie gut hat sich das Essen kauen lassen?

Intensives Kauen löst ein Befriedigungsgefühl aus. Was man nur schluckt, macht später satt.

2) Wie lange bist Du satt geblieben?

Es gibt Nahrungsmittel, die lange vorhalten und welche, die schnell wieder Hunger spüren lassen. Ballaststoffreiche Nahrung braucht länger, ehe sie in ihre Bestandteile zerlegt ist und macht nicht nur satt, sondern bringt auch Energie und viele Nährstoffe.

3) Nach welchem Essen fühlt sich dein Bauch angenehm und warm an?

Anders gefragt, wann fühlt er sich nach dem Essen fest oder kalt an?

4) Welche Speisen machen dich müde und welche bringen Dir eine gute Leistungsfähigkeit?

5) Hast Du manchmal nach dem Essen Durchfall oder Verstopfungen?

Das könnte ein Hinweis sein, dass Du irgendetwas nicht gut verträgst.

Mit diesen Fragen bekommst Du ein Gefühl für Dich und deine Verdauung. Über den Weg zu einer besseren Ernährung veränderst Du den Zustand deiner Mittelpositur. Dabei geht es immer auch um dein individuelles Wohlbefinden.

Vielleicht zeigt Dir auch dein Pferd die Richtung, wenn es mit Dir zufrieden ist, indem es im Rücken besser mitschwingt. Denn je besser deine Nahrungsverwertung funktioniert, desto lockerer schwingst du im Sattel mit. Das tut Ihr beide nur, wenn Euer Darm gesund ist 😉

Egal, wohin Du innerlich tendierst, lass´ Dir Zeit damit. Vielleicht bist mit deiner Figur zufrieden, liebst deine tägliche Schokolade und richtest den Fokus nur auf eine gesündere Ernährung.

Veränderungen braucht Zeit! Nach einer Entscheidung wirklich durchzuhalten und bei einer Versuchung nicht schwach zu werden, ist manchmal schwer. Ein Anreiz dafür ist möglicherweise, dass Du deinem Pferd weniger schwer vorkommst, wenn Du mit einer lockeren Mittelpositur reitest.

Viel Erfolg beim guten Mitschwingen,

wünscht Corinna von Reitclever

#ErnaehrungfuerReiter

#bessersitzenbesserreiten

#lockereMittelpositur

#MehrWissenfuerReiter

Der Sitz des Reiters

Locker, elastisch und ausbalanciert soll er sein der Sitz des Reiters. So weit weiß das eigentlich Jeder. Jedenfalls in der Theorie- in der Praxis stellt sich das häufig anders dar. Da hat man Stress im Job, Ärger mit dem Partner oder das Pferd sieht Geister in einer Ecke, wo es vor 3 Wochen schon mal weg gesprungen ist, und schon ist die gute Figur auf dem Pferd dahin. Eine andere Bewegung als man erwartet hat und sofort leidet die Elastizität.

Warum ist das so?

Der Sitz des Reiters beginnt mit der Beckenstellung. Das liest man in jedem guten Reitbuch. Auch sieht man dort das Lot gezeichnet, was Ohr des Reiters, Schulter, Hüfte und Sprunggelenk in einer senkrechten Linie verbinden sollte. Auf dem Pferd weicht das objektive Lot sehr oft von dem subjektiven Gefühl des Reiters ab. Der sieht dann erstaunt, dass die Unterschenkel zu weit vorne liegen oder sich der Kopf nicht auf dieser Linie einfindet.

Für eine gute und aufrechte Haltung auf dem Pferd ist eine lockere Mittelpositur entscheidend. Sie bestimmt, in welchem Winkel das Becken auf dem Pferd steht, bzw. wie die Gesäßknochen belastet werden. Sitzt man vor den Gesäßknochen rutscht man ins Hohlkreuz. Sitzt man dahinter, werden die Beine in den Stuhlsitz gezogen und der Oberkörper gelangt hinter das Lot.

Sobald man sich erschreckt oder irgendwo im Körper Schmerzen hat, springen bestimmte Programme in unserem Körper an, die versuchen, Gefahr vom Körper abzuwenden. Diese Muster aktivieren vor allem die Beugemuskulatur. Das ist die, die das Bein hochzieht und die Lendenwirbelsäule ins Hohlkreuz bringt. Und schon gerät der Sitz des Reiters aus dem Lot.

Praktische Tipps für den Sitz des Reiters

Bei meiner letzten praktischen Übungseinheit habe ich die Reiterinnen erst ohne Pferd ihre Beweglichkeit im Hüft- Becken- Brustwirbelsäulenbereich verbessern lassen. Das gelingt durch einfache Wahrnehmungs- und Mobilisationsübungen. Dann erst stiegen sie aufs Pferd.

Schon als wir beim letzten Mal im Vorfeld die Beweglichkeit der Hüftgelenke durch Übungen vergrößert haben, saßen sie sofort besser und lockerer in der Mittelpositur. Bei diesem Durchgang begannen wir das Lot mit Hilfe einer Gerte in den Fokus zu holen. Wie immer gab es Überraschungen, da Gefühl und objektive Sichthilfe manchmal nicht zusammen passten.

Mit dieser Konzentration auf das Lot bat ich sie, beim Warmreiten die Beckenbewegungen im Schritt aufzunehmen und diese, wie vorher geübt, in alle Richtungen zu verstärken. Schnell wurde deutlich, wenn ein angespannter Hüftbeuger die Beckenmittelstellung verhinderte oder die gewohnte Mehrbelastung auf der einen Seite die Biegung des Pferdes in die andere Seite verhinderte. Spannend war zu sehen, dass die gleichmäßige Belastung der Gesäßknochen sofort eine Reaktion der Pferde hervor rief. Sie begannen zu kauen, zu lecken oder abzuschnauben. Auch eine recht unausbalanciertes Stute konnte durch das richtige Sitzen der Reiterin auf einmal abkauen und beginnen, eine Anlehnung aufzunehmen. Gerade auf ihrer schwierigeren Hand war es gut für sie, wenn die Reiterin mit der Belastung auf diesem Gesäßknochen half, die richtige Stellung und Biegung einzunehmen.

Mit einem Strahlen aller Beteiligten endete diese Kurseinheit. Dann liebe ich meinen Job!

Das Schöne ist, dass man das gute Gefühl immer wieder abrufen kann, wenn man es einmal sauber abgespeichert hat. Das gelingt durch Wahrnehmen, Korrigieren und Feedback. Wenn dann das Pferd auch die richtige Reaktion zeigt, weiß man, dass man richtig und mittig sitzt.

Viel Spaß beim Ausprobieren,

wünscht Corinna von ReitClever

PS: Fragt mich unter Corinna.Jungblut@Reitclever.de an. Ich komme nach Terminabsprache auch zu Übungseinheiten für den Sitz des Reiters auf andere Anlagen.