Kategorie: Wissenswertes

„Ja, ich will!“- Gedanken zum Thema Reiten mit Angst

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Tipps und Bewältigungsstrategien gibt es im Artikel Reiten mit Angst ist häufiger
Reiten mit Angst ist häufiger als man denkt

Gestern habe ich mich mit einer motivierten Reiterin unterhalten. Sie hat ein eigenes Pferd und ist fasziniert davon, dass es auf neuen Wegen auf einmal mit weniger Krafteinsatz klappt.

Nach einer Verletzung des Pferdes hat sie die Trainerin gewechselt, weil es danach nicht mehr so lief. Vorher waren sie dressurmäßig gut unterwegs. Aber immer mit viel Körpereinsatz, weil das das Pferd so triebig war.

Nun arbeiten sie vor allem im Leichttraben, um dem Pferd wieder Freude an der Bewegung zu vermitteln. Es soll mit weniger Druck zu freiwilligem Vorwärts gebracht werden.

Springen lässt sie lieber ihre Reitbeteiligung, weil sie dabei zu Reiten mit Angst neigt.

Während unseres Gespräches fiel der Satz „Ich bin eine ambitionierte Freizeitreiterin mit wenig Talent.“

Erst musste ich lachen. Dann verstand ich, was sie mir sagen wollte.

Sie steht für viele andere motivierte Reiter. Die viel dafür tun, um sich gut auf dem Pferd anzustellen. Sie nehmen Reitstunden. Sie lesen Bücher und tauschen sich mit Anderen aus. Außerdem hören sie genau zu, was der Trainer erklärt.

Aber sie verstehen oft nicht, wie sie die Anweisungen umsetzen sollen. Besser gesagt welchen eigenen Körperteil sie wie bewegen müssen, um z.B. richtig zu stellen und zu biegen.

Weil die Anweisungen häufig sehr gute Reiter geben, die intuitiv wissen, was sie tun müssen, um das Pferd locker zu machen. Aber sie können oft schwer vermitteln, was der Reiter wo in seinem Körper tun muss, um dasselbe zu erreichen.

Dazu braucht man ein gewisses Verständnis von der Biomechanik des Reiters.

Vielmehr eine Idee davon, wann man welchen Körperteil bewegen muss, um beispielsweise die Innenstellung des Pferdes korrekt vorzubereiten.

Das kann man lernen. Niemand muss ein Physiotherapeut sein, um gut zu unterrichten. Aber in Kursen für Reiter kann man sich entsprechendes Wissen über die Anatomie und Übungen für die richtige Anspannung und Entspannung aneignen. Am 29.02.2020 geht es bei uns auf dem Hof um anatomische Voraussetzungen und funktionelle Übungen für bewegliche Hüften und einen elastischen Sitz. Dabei kann man sich genau solche Anregungen holen (Bei Interesse einfach auf den Link klicken).

Damit kann man als Lehrer anders erklären und als Reiter Anweisungen besser umsetzen.

Genauso muss man auch beim Thema Reiten mit Angst
anders herangehen.

Das Thema findet Platz in der aktuellen Ausgabe der persönlichen Mitgliederzeitung der FN. Der Artikel trägt die Überschrift „Der Angst den Kampf ansagen“.

Was ich weniger gelungen finde, denn Angst und Kampf sind reflexartige Reaktionsmuster des Körpers, die von unserem Urzeitgehirn geschaltet werden. Sobald das Gefahr wittert kann man nicht mehr aktiv agieren. Sondern nur noch um sein Leben laufen.

Vielmehr ist es wichtig, sich einzugestehen, dass man in bestimmen Situationen Angst hat. Denn als Warn- und Schutzmechanismus kann sie sowohl zu vermehrter Leistung als auch zur Leistungshemmung führen. Sitzt man erstmal zitternd und schweißgebadet auf dem Pferd, kann man nicht mehr reagieren, sondern wird durch Angst gesteuert.

Erst hinterher kann man sich fragen, was genau zu diesem Ausbruch geführt hat. Oft hatte man vorher schon ein mulmiges Gefühl im Bauch. Oder man fühlte sich nicht als Herr seiner Sinne. Oder man hat in einer ähnlichen Situation schon etwas erlebt, was nun getriggert wird.

Angst entsteht häufig aus Überforderung.

Wenn man eben nicht genau weiß, was man auf dem Pferd machen soll. Beispielsweise wenn im Springunterricht zu schnell vorgegangen wird. Um ein Gefühl für die Bewegungsabläufe zu bekommen, sollte erst mit Stangen und Cavalettis geübt werden. Erst im dritten und vierten Schritt geht es um die Höhe der Sprünge.

Lina Otto von der Ausbildungsabteilung der FN erklärt in dem Artikel „Angst im Pferdesport“, dass ein Reitlehrer methodisch vorgehen sollte. D.h. er startet mit einfachen, leichten und bekannten Übungen zu schwereren und komplexen Anforderungen. Denn ein Trainer sollte vor allen Dingen Sicherheit vermitteln. Dazu gehört auch die Auswahl des Lehrpferdes. Ein erfahrenes Springpferd gibt mehr Vertrauen als ein Jungspund, der sich ab und zu mal überspringt.

Um Sicherheit vermitteln zu können, muss ein Reitlehrer Ängste frühzeitig erkennen.

Er sollte sie ernst nehmen und Empathie beweisen. Nur dann kann er in den Anforderungen zurückgehen und dem Reiter wieder Erfolgserlebnisse schaffen. Nichtsdestoweniger schaffen Zeit für Gespräche und Feedback Vertrauen . Darüberhinaus sind Zusatzangebote wie Bewegungstraining oder Schulung des richtigen Abrollens gut für das Sicherheitsgefühl.

So kann man Reiten mit Angst sowohl körperlich als auch im Kopf begegnen.

Nur wer sich eingesteht, Angst zu haben, kann sie bewältigen. Dazu sagt Dr. Gaby Bussmann, Sportpsychologin: „Man muss bei seinen Gefühlen ankommen, um sie verändern zu können. Mit dem Akzeptieren der Gefühle kommt Ruhe ins System. Damit können Emotionen effektiv verändert und reguliert werden.“

Gedankenkontrolle (Nur positive Gedanken sind erlaubt, der innere Zweifler wird stumm geschaltet) und der Hang zum Humor können einen Ausweg aus Reiten mit Angst bedeuten. „Die Erheiterung schiebt die Angst quasi weg. Es sind gegensätzliche Gefühle.“

Also erzählt Euch vor der nächsten Springstunde oder dem geplanten Galopp übers Stoppelfeld einen guten Witz und denkt im richtigen Moment daran.

Weiterhin findet sie, dass die Körperhaltung einen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit hat.

Wer aufrecht sitzt ist motivierter und leistungsbereiter.

Genauso wichtig sind Atem- und Entspannungsübungen.

Also ist das Komplettpaket für den Reiter auch sinnvoll für Reiten mit Angst.

„D.h. es ist wichtig, sich mit den Ängsten auseinanderzusetzen und ihnen nicht aus dem Weg zu gehen. Und auch Techniken muss man erst erlernen. Man muss ausprobieren und herausfinden, welche zu einem persönlich passen. Wie bei vielen Dingen gilt also auch bei der Angstbewältigung: Übung macht den Meister.“

Mit diesem Zitat aus dem Artikel „Angst im Pferdesport“, PM Forum 02/2020 ist denke ich alles gesagt.

Schaut genau hin und überlegt wo und mit wem Ihr ansetzen wollt.

Dann seid Ihr schon auf dem Weg, Reiten mit Angst in angstfrei reiten umzukehren.

Viel Spaß und Erfolg wünsche ich Euch!

Corinna von ReitClever.

Hand in Hand zur körperlichen und geistigen Losgelassenheit

Körperliche und geistige Entspannung führen zur Losgelassenheit des Reiters und des Pferdes
Innere und äußere Losgelassenheit des Reiters

Wie war das doch gleich mit der Losgelassenheit von Reiter und Pferd?

Nur ein losgelassenes Pferd ermöglicht die Losgelassenheit des Reiters?

Oder ist das doch eher umgekehrt?

„Losgelassenheit beschreibt den Zustand, in dem ein Pferd mit schwingendem Rücken bereit ist, den Hals vorwärts abwärts zu dehnen. Es läuft in taktmäßigen Bewegungen ohne zu eilen vorwärts. Der Reiter kommt zum Treiben und zum Sitzen.“

Richtlinien für Reiten und Fahren der FN, Band 1

Dass man ein Pferd mit lösenden Übungen zur Losgelassenheit bekommt ist bekannt. Genau wie beim Reiter unterscheidet man zwischen innerer und äußerer Losgelassenheit.

Aber wie erreicht man denn die Losgelassenheit des Reiters?

In diesem Zusammenhang meint das Wort die Funktion „los- gelassen“. Dabei werden nur die Muskeln in dem notwendigen Ausmaß angespannt, die für die jeweilige Bewegung erforderlich sind. Alle anderen werden los- gelassen, also entspannt.

Nun ist es so, dass der Mensch jede Bewegung erstmal mit sogenannter Hyperaktivität erlernt: D.h. er aktiviert in der Lernphase alles, was möglich ist, um die Bewegung auszuführen. Je weiter man im motorischen Lernen vorankommt, desto mehr schafft man es, nur die Muskeln zu aktivieren, die für die Bewegung absolut notwendig sind. Besser gesagt wird auf neurologischer Ebene sämtliche Muskulatur gehemmt, die für die Bewegung nicht gebraucht wird. Nach 100 000 facher Wiederholung ist die Bewegung dann als Automatismus im Gehirn gespeichert.

Überlegen Sie mal, wie oft ein kleines Kind hinfällt und wieder aufsteht, ehe es laufen kann. Und wie krampfhaft es anfangs Dinge in seinen kleinen Fäustchen festhält.

Dementsprechend ist neurophysiologisch festhalten leichter als loslassen.

Deshalb ist Verspannung auch viel leichter als Entspannung. Gerade wenn es weh tut oder anstrengend ist. Übrigens gilt das für Mensch und Tier gleichermaßen.

Für den Reiter spielt zum Erreichen der Losgelassenheit der Sitz eine entscheidende Rolle. Nur wenn er auf dem Pferd seine Mittelstellung und seine eigene Balance gefunden hat, kann er los lassen. Und nur dann kann auch sein Pferd loslassen.

Sehr oft wird an dieser Stelle auf das körperliche Gleichgewicht verwiesen. Das ist richtig und wichtig. Genauso wichtig ist aber die geistige Verfassung. Denn ein Reiter im Stressmodus wird aus der Verspannung heraus kaum die Muskeln entspannen können, die zum weichen Mitgehen abspannen müssen.

Also gehen körperliche und geistige Losgelassenheit Hand in Hand. Genauso wie beim Pferd.

Wenn ein Reiter vom Pferd gefallen ist und sich weh getan hat, wird er danach mit angezogener Handbremse reiten. Auch Menschen, die auf dem Pferd das Gefühl haben, die Kontrolle zu verlieren, werden eher die Luft anhalten und die Zähne zusammenbeißen.

Daher beides Dinge, die ein Loslassen und lockeres Mitschwingen verhindern.

Also ist das mit der Losgelassenheit des Reiters gar nicht so einfach. Eigentlich weiß das jeder Reiter. Es gibt Tage, an denen es wie von alleine läuft. Andersherum Tage, wo man besser nicht aufs Pferd steigt. Weil man nicht aus seiner verspannten Haut kommt.

Nun wäre es eine schlechte Idee, den Kopf in den Sand zu stecken. Aufgeben und aufhören zu lernen ist selten eine gute Idee. Aber man kann sich der Verantwortung stellen und außerhalb der Reitbahn etwas für sich und sein Pferd tun.

Manchmal reicht es, sich 5-10 Minuten täglich mit dem eigenen Thema zu beschäftigen.

Und schon wird man in diesem Bereich besser. Je besser man seine Muskeln steuern kann, desto besser kann man sie entspannen. Genauso kann man lernen, sich bewusst zu entspannen.

Clever ist, das zuhause in Ruhe und ohne Pferd zu üben. Dazu gibt es zum Einen die 5 Übungsprogramme für einen besseren Sitz, für mentale Stärke oder für lockeres Weiterreiten. Wer es lieber ausführlicher mag, kann mit einfach besser reiten oder einfach mit Köpfchen reiten etwas mehr in die Tiefe gehen. Mit dem Programm einfach locker reiten kann man lernen, sich selber zur inneren Losgelassenheit zu bringen.

Dann gelingt das auch mit der Losgelassenheit des Reiters auf dem Pferd. Mit minimalem Krafteinsatz zum maximalen Erfolg.

Das ist das Ziel.

Ihres auch?

Dann legen Sie los- dafür lohnt es sich, ein bisschen zu üben finde ich.

Bis bald,

Corinna von ReitClever.

PS: Wer darüberhinaus Lust hat, mehr über die Losgelassenheit des Reiters zu lesen, kann in dem Artikel Tipps für einen besseren Sitz oder „Hand aufs Herz- Wie gut bin ich wirklich?“ tun.

Braucht man eigentlich Gymnastik oder Training für Reiter?

Brauchen wir Gymnastik oder Training für Reiter? Je besser Koordination und Gleichgewicht sein sollen, desto mehr sollte man auch auf dem Trockenen üben.
Gymnastik oder Training für Reiter

Vor allem Reiter wissen, dass sie einen überaus anspruchsvollen Sport betreiben. Er benötigt viele motorische Fertigkeiten. Ob sie dafür allerdings auch außerhalb der Reitbahn etwas tun, ist verschieden. Gymnastik oder Training für Reiter machen Wenige. Dabei könnte man auch ohne Pferd eine ganze Menge Fähigkeiten verbessern.

Dagegen verneinen eingefleischte Reitlehrer gerne diese Tatsache. Oft höre ich an dieser Stelle „Reiten lernt man nur durch reiten“. Teilweise haben sie recht. Denn man kann die komplexen Wechselwirkungen zwischen Pferd und Reiter nicht nachstellen. Aber man kann die Fähigkeiten üben, die einem helfen, sich auf dem Pferd geschickter zu bewegen. Darüber hinaus finde ich es dem Pferd gegenüber fair, sich selbst in den bestmöglichen Zustand zu versetzen, wenn ich von ihm getragen werden möchte.

1997 schrieb die FN schon in ihrem Standardwerk Richtlinien für Reiten und Fahren:

„Der richtige Sitz ist die Grundlage jeder reiterlichen Einwirkung. Der Reiter muss lernen, sich auf dem Pferd auszubalancieren. Durch geschmeidiges zwangloses Sitzen schwingt der Reiter mit den Bewegungen des Pferde mit, ohne sich festzuklammern oder zu verkrampfen….

Funktionale Gymnastik kann die Schulung des Anfängers wie des Fortgeschrittenen vorbereiten und begleiten. Lockerung, Dehnung und Streckung sind mehr zu fördern als Kräftigung. Entsprechende Übungen sind nicht nur allgemein, sondern auch unmittelbar vor dem Reiten angebracht. Nicht nur das Pferd muss gelöst werden, auch der Reiter.“

Richtlinien für Reiten und Fahren, Band 1, „Grundausbildung desReiters“ der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, Auflage 1997

Der zweite Absatz hat mich überrascht. Demzufolge ist es keine neue wissenschaftliche Erkenntnis, wenn ich mich vor dem Reiten aufwärme, sondern eher klassische Ausbildung. Gerade heute, wenn wir als Reiter gerne auf dem letzten Drücker im Stall ankommen. Unser vor dem Stall abgelaufene Tag wirkt nach. Oft fühlen wir uns unter Druck und geistig auf der Überholspur. Dafür sind vorbereitende Übungen sehr geeignet. Um erstmal anzukommen und sich dann körperlich und geistig auf den Ritt einzustellen.

Außerdem reden wir gerne vom ausbalancierten Sitz.

Ausbalancieren bedeutet ins Gleichgewicht bringen oder im Zustand des Gleichgewichts halten. Und das kann man trainieren: Ein Mensch kann den stabilen Zustand einer ausgeglichenen Gewichtsverteilung in Ruhe und in Bewegung erreichen. Das steuert er vor allem über die muskuläre Koordination.

Koordination ist die Fähigkeit, Bewegungen zu steuern und zu harmonisieren. Eine grundlegende Fähigkeit auf dem Pferderücken.

Also sucht Euch etwas aus, womit ihr Gleichgewicht und Koordination verbessern könnt, wenn Ihr euer Reiten verbessern wollt. Gymnastik und Training für Reiter hört sich ein bisschen altbacken an.

Dann macht eben Zumba nach lauter fetziger Musik. Am besten noch persisch angehaucht, um Becken und Hüften beweglich zu machen und Euer Rhythmusgefühl zu fördern.

Für diejenigen, die lieber alleine zuhause üben, gibt es auch eine Lösung:

Das 5 Minuten Programm für einen besseren Sitz  (auf den blauen Link klicken) ist dafür gedacht, täglich kurz etwas für seinen Sitz zu tun.

Wer dagegen lieber gründlich vorgeht, kann mit dem 10/7/60/ Programm für Reiter richtig in die Vollen gehen (zum Anschauen auf den Link blauen klicken): Es gibt eine Auswahl an funktionellen Übungen bis hin zu den Muskeln, die Reiter regelmäßig dehnen sollten. Auch Gleichgewichtsübungen sind dabei.

Wenn man das ganze Programm durchturnt, ist man 60 Minuten beschäftigt und hat alle motorischen Fähigkeiten des Reiters aktiviert. Um diese zu trainieren ist das 1-2 x/ Woche ausreichend. 7 x/ die Woche kann man sich Übungen für 10 Minuten raussuchen. Die kann man erübrigen, um täglich etwas für gutes Reiten zu tun, oder?

Falls Ihr lieber persönliche Anregungen bekommt und genauer wissen wollt, wie das mit den anatomischen und funktionellen Zusammenhängen ist, schaut mal hier bei den Kursen für Reiter.

Euer Pferd wird es Euch danken und ihr werdet bald sehen, dass ihr Euch mit Gymnastik oder Training für Reiter sehr wohl verbessern könnt.

Viel Spaß dabei!

Corinna von ReitClever

Gesunder Reiter gesundes Pferd- Fitnesstraining für Reiter

Gesunder Reiter, gesundes Pferd durch einen optimalen Sitz
Gesunder Reiter, gesundes Pferd

Als ich neulich Mitschriften von der FN- Bildungskonferenz 2018 in Neustadt/ Dosse abheften wollte, bin ich auf eine schön aufgemachte Broschüre gestoßen. Und zwar auf eine Zusammenfassung des Jubiläumskongresses „Gesundheit für Reiter und Pferd“. Anlässlich des 10 jährigen Bestehens der Akademie des Pferdes fand der 2008 in Warendorf statt.

Als ich darin blätterte, habe ich Überraschendes entdeckt: Ich stolperte über einen Artikel, in dem Matthias Bojer von der Sporthochschule Köln fragt: „Wie wichtig ist eigentlich die Fitness des Reiters?“ Ein Thema, womit sich ReitClever vorrangig beschäftigt.

In seinem Vortrag definiert er Fitness als Ausdauerleistungsfähigkeit, Kraft, Schnelligkeit, Flexibilität und Koordinationsfähigkeit. Wobei in meinen Augen bei Reitern Koordination und Flexibilität vor Schnelligkeit, Ausdauerfähigkeit und Kraft stehen sollte.

Dementsprechend steht das in Mode gekommene Wort „Fitness“ für den sportwissenschaftlichen Begriff der Kondition. Er sagt, dass nur ein trainierter Reiter ein gutes Reitgefühl erfahren wird. Weiterhin betont er die Notwendigkeit eines reitspezifischen Ausgleichstrainings.

„Jeder Reiter benötigt je nach Disziplin eine bestimmte muskuläre Fitness und Ausdauerfähigkeit.“

Matthias Bojer

Weiterhin sprach Susanne von Dietze ( Autorin „Balance in der Bewegung“) über das Bewegungslernen im Reitsport.

Für sie sind Sitz und Einwirkung als Lerninhalt nur theoretisch getrennt.

Wenn dem Reiter die notwendige Kontrolle über seinen Sitz fehlt, muss er das über Krafteinwirkung kompensieren. Besser ausgedrückt: fehlt es dem Reiter an Stabilität und Koordination muss er das durch unökonomische Bewegungen kompensieren. Oder das Pferd mit viel Kraftanstrengung reiten.

Um ökonomisch treiben zu können, muss man den eigenen Schwerpunkt über den des Pferdes bringen können. Und zwar in jeder Phase der Bewegung. Dann ist der Druck des treibenden Unterschenkels nur leicht nötig. Kurzum bedeuten ein klopfender Unterschenkel und ein langsames Pferd, dass es dem Reiter an Balance fehlt.

Kurz gesagt war es spannend in diesem Heft zu blättern.

Weiterhin ist es für mich erstaunlich, dass die Themen, die ich seit Anfang des Jahres bei ReitClever.de behandle, schon 2008 diskutiert wurden. Aber sie sind heute genauso gültig wie damals.

Denn die meisten Späteinsteiger lernen anders reiten als früher. Sie haben ganz andere Bewegungsgrundlagen als beispielsweise Kinder. Zwar haben sie ein gutes Bewusstsein für Harmonie und Gesundheit von Reiter und Pferd. Aber sie haben in ihrem Körpergedächtnis oft Rückenprobleme oder Schmerzen gespeichert.

Auch wissen sie bewusst und unbewusst ganz genau, was mit ihrem Körper passiert, wenn sie vom Pferd fallen. Beides beeinflusst die Fähigkeit, der Pferdebewegung zu vertrauen und mitzugehen enorm.

„Der Reiter, der in der Bewegung des Pferde mitschwingt, verlagert sein Gewicht gemeinsam mit dem Pferd und bewegt sich harmonisch und rückenfreundlich.“

Susanne Dietze

Deshalb gilt es von Anfang an, die für Hüften und Becken richtigen Muskeln flexibel und andere kräftig genug zu halten.

Welche das sind und wie man das macht erfahrt Ihr auf der Seite Fitnesscheck für Reiter.

Und es lohnt sich, von Anfang an in einen guten Unterricht zu investieren.

„Die Korrektur eingefahrener falscher Bewegungsmuster und Kompensationen ist weitaus schwieriger als das Erlernen korrekter Bewegungsmuster. „

Susanne Dietze

Unabhängig vom Ausbildungsstand ist es für jeden Reiter wichtig, über dem Schwerpunkt zu bleiben und mit der Pferdebewegung mit zu gehen. Nur so kann er fein einwirken.

Dann funktioniert gesunder Reiter gesundes Pferd.

Daher wird es am 05.10.19 den Tag des Cleveren Reiters zum Thema Sitzschulung geben. Das Angebot richtet sich an Einsteiger und Fortgeschrittene, Ausbilder und Turniersportler.

Bei der geballten Ladung Fachwissen stellen sich 5 verschiedene Ausbilder vor und erzählen über Ihr Konzept, Harmonie zwischen Reiter und Pferd zu erreichen.

Der Kartenverkauf für den Tag läuft noch bis zum 31.08.19 zum vergünstigten Preis von
95€ inklusive Verpflegung und Getränke.

Und wer seinen Rücken noch besser locker und gleichzeitig stabil bekommen möchte, kann schauen, ob die Spiraldynamik® für Reiter etwas für ihn ist.

Beides hilft. Gesunder Reiter gesundes Pferd 🙂

Bis dahin,

Corinna von ReitClever.

Stabilität und Lockerheit- Tipps für einen besseren Sitz, Teil 2

Stabilität und Lockerheit ist beides wuchtig für den Sitz des Reiters
Stabilität und Lockerheit an der Ostsee

Letzte Woche war ich ein paar Tage an der Ostsee. Wir hatten Glück mit der Unterkunft, dem Wetter und dem Landstrich, den wir für unseren Besuch ausgewählt haben.

Die Ostsee ist für mich immer ein Ort des Auftankens und der Ruhe.

Oft bin ich sehr schnell unterwegs, um alles, was ich mir vorgenommen habe, zu schaffen. Deshalb ist der Tag der Abreise meist bis zur letzten Minute mit Aktivität gefühlt. Ich möchte ALLES erledigen, was ich wichtig finde.

Auf dem Weg zum Reiseziel muss ich mich disziplinieren, um in den Modus „der Weg ist das Ziel“ zu kommen. Meist kann es mir gar nicht schnell genug gehen, anzukommen.

Dagegen verläuft die Rücktour deutlich entspannter. Dann bin ich voll schöner Erlebnisse, tiefer Atemzüge und denke über das nach, was ich erlebt habe.

Kommt Ihnen das bekannt vor?

So ging es mir früher auch, wenn ich nach der Arbeit so schnell ich konnte zum Pferd gefahren bin. Wenn man unter Volldampf zum Ziel unterwegs ist, leidet der Blick für das Wesentliche. Angespannt und unter Zeitdruck geht das Gefühl für die Lockerheit verloren. Locker kann man allerdings nur sein, wenn man an wesentlichen Stellen stabil ist.

Dabei wäre es wichtig, sich auf die kommende Reiteinheit/ den Urlaub/ Abend mit Freunden einzustimmen. Denn das Muskelsystem, was das Gehirn unter Stress aktiviert, ist das, was einen guten und entspannten Sitz verhindert. Das Zwerchfell ist angespannt, Hüftbeuger und Wadenmuskeln sind aktiv, um uns vor einem potentiellen Feind davon laufen zu lassen. So sieht es der Überlebensbezirk unseres Stammhirnes aus der Zeit vor, als wir noch vor Säbelzahntigern davon gelaufen sind.

Deshalb ist eine gute Idee, den Weg zum Ziel zu nutzen. Schon auf dem Hinweg zum Pferd kann man durchatmen. Um später ein langes Bein und ein lockeres Becken zu haben.

Zu einer guten Vorbereitung gehört auch, die Bauchmuskeln zu aktivieren. Sie sind unsere Gleichgewichtszentale. Außerdem ermöglichen sie den tiefen Sitz des Reiters.

Nur mit ihnen kann ich mein Becken zum Treiben und dirigieren benutzen.

Spannenderweise erhöht sich die Stabilität des Oberkörpers sofort, wenn ich mit aktiven  Bauchmuskeln unterwegs bin. Nur mit stabiler Körpermitte kann unser Gehirn die Extremitäten auf locker schalten. Diese Steuerung braucht man, um beispielsweise Ellenbogen und Hände weich der Bewegung des Pferdemauls folgen zu lassen.

Also wäre es eine gute Idee, das auf dem Weg zur Arbeit, zum Urlaubsort oder zum Pferd Stabilität und Lockerheit zu üben.

Zum Ersten, wie man entspannt: Alle Viere von sich strecken und nachfühlen, wie es ist, wenn die Spannung aus dem Schultergürtel und den Hüften entweicht. Zum Zweiten ein paar Bauchmuskelanspannungen.

Besonders gut geht das, wenn sie an der Ostsee oder am Badesee sind. So kommen Sie unauffällig der guten Bikinifigur näher. Und sie tun etwas für einen guten Sitz auf dem Pferd. Übrigens bekommen Sie weitere Ideen unter 5 Übungen für einen guten Sitz oder 5 Übungen für entspanntes Reiten.

Einen schönen Urlaub wünsche ich und viel Erfolg bei der richtigen Stabilität und Lockerheit für den Reitsitz!

PS: Das ist der zweite Teil der Serie „Tipps für einen besseren Sitz“. Zum ersten Teil, Losgelassenheit des Reiters kommen Sie, wenn Sie auf den blauen Link klicken.

Auch das MAgazon der persönlichen Mitglieder der FN nimmt in der aktuellen Ausgabe das Thema Tipps für einen besseren Sitz auf.

Tipps für einen besseren Sitz, Teil 1, Losgelassenheit des Reiters

Sitzschulung scheint derzeit ein beliebtes Thema zu sein. Zum Beispiel machen 10 Tipps für einen besseren Sitz den Anfang in einer Serie über besseres Reiten in der aktuellen Ausgabe des Magazins der Persönlichen Mitglieder der FN.

Schön aufgemacht geht es in dem Artikel um Aufwärmen, Nutzen der Lösungsphase, Sitzschulung an der Longe und Ausatmen. Ebenso wird Ausgleichssport und ein regelmäßiger Wechsel vom Dressursitz zum leichten Sitz empfohlen, um Gleichgewicht und Losgelassenheit zu fordern.

Beides stellt die Basis für einen guten Sitz dar.

Einerseits wird die Losgelassenheit von Reiter und Pferd durch das sogenannte Überstreichen überprüft. Beide können sich nur loslassen und zügelunabhängig reagieren vorgeben, wenn sie sich sicher fühlen.

Für viele Reiter scheint sich Sicher fühlen auf dem Pferd auch ein großes Thema zu sein,

Gefühlte Sicherheit hängt von vielen Faktoren ab. Zum Einen braucht man ein gut ausgeprägtes Gleichgewicht. Das ist normalerweise als Automatismus abrufbar. So sorgt es dafür, dass bei einer potentiellen Sturzgefahr vor allem der Kopf geschützt wird. Denn der ist unsere wichtigste Schaltzentrale.

In der Realität sieht es oft anders aus. Bestimmte Muskeln sind bei Reitern gerne zu schwach und andere zu wenig elastisch. Wenn die Bauchmuskeln schwach sind hat das Auswirkungen auf die Beckenposition und die Tiefe des Sitzes. Zum Anderen spielen sie eine wichtige Rolle beim Gleichgewicht. Sind sie zu schwach, wird es mit dem Gleichgewicht schwierig.

Interessanterweise weiß das Gehirn, in welchem Zustand sich der eigene Körper befindet.

Es weiß, wenn Muskeln schwach und das eigene Gleichgewicht wenig ausgeprägt ist. Daher funkt es sofort Alarm, wenn das Pferd unerwartete Bewegungen macht. Dann werden sogenannte Überlebensprogramme aktiviert. Statt der willkürlichen und schön gesteuerten Reitfigur übernimmt das reflexartige Reagieren die Steuerung. Unbewusst tut man dabei sogar Dinge, die eine Fluchtreaktion des Pferdes noch begünstigen. Gefühlt ist das alles Andere als ein sicherer Zustand. Weder für den Reiter noch für das Pferd.

Jeder Reiter kennt die Schrecksituationen in denen er mehr oder weniger gut reagiert. Je nach Vorerfahrung und reiterlichem Können steckt er sie mehr oder weniger gut weg. Wenn Sie häufiger das Gefühl haben, dass Sie sich aus Unsicherheit (am Zügel) festhalten ist, es sinnvoll neue Wege auszuprobieren. Dementsprechend heißt es in dem PM- Artikel 10 Tipps für besseres Reiten am Ende „Ursache finden und nicht Symptome kurieren- ein Sitzproblem liegt meist nicht dort, wo es zu sehen ist“.

Also fragen Sie sich, wenn Sie zu mangelnder Losgelassenheit auf dem Pferd neigen, wo die Ursache liegen könnte.

Manchmal liegt sie in der Vorgeschichte. Manchmal an den körperlichen Fähigkeiten. Woran es da fehlt kann man zum Beispiel unter bei den 5 Tests für gutes Reiten herausfinden.

Meistens liegt mangelnde Losgelassenheit am mangelnden Vertrauen.Vertrauen in sich und seine Fähigkeiten kann man lernen. Auch wenn es auf dem Pferd mal schief gegangen ist und man deshalb verspannt reitet. Wenn man hinter die Ursachen blickt und Funktionszusammenhänge erkennt, kann man solche Mechanismen verändern. Dann kann man üben, sich in einen Zustand zu bringen, in dem man wieder entspannt und koordiniert reagieren kann.

Tipps für mehr Losgelassenheit auf dem Pferd gibt es auf der Seite angstfrei Reiten und unter „Kleiner Schreck na und? Entspannen, weiter reiten„.

Viel Spaß beim nächsten Ausritt und bleiben Sie entspannt!

PS: Dieser Artikel ist der erste Teil einer Miniserie über den Sitz des Reiters, die in den nächsten Wochen fortgeführt wird.

Nach Regen folgt wieder Sonnenschein

Blickrichtung wechseln: nach Regen folgt wieder Sonnenschein
Nach Regen folgt wieder Sonnenschein

Kennst Du das Gefühl, egal, was Du machst, es verändert sich einfach nichts? Obwohl Du Dir alle Mühe der Welt gibst, ist Dein Pferd von Deinem Ziel weit entfernt?

Zum Beispiel ist das Pferd gesundheitlich gehandicapt, aber Du hast irgendwie keine Idee, wie Du den Zustand zum Positiven wendest? Du siehst seine (und Deine!) Muskulatur an und hast das Gefühl, dass sich nichts verändert, obwohl Du JEDEN Tag am Problem XY dran bist?

Natürlich kennt jeder die frustrierenden Schlechte- Laune- Phasen, in denen man vor lauter „Will ich nicht und kann ich nicht“ nicht sieht, wie sehr man den eigenen Negativfluss unterhält.

Dann wird es Zeit, den Standpunkt zu wechseln und etwas GANZ ANDERES zu machen.

Nimm´ Dir eine Woche frei und lass das Pferd auf der Wiese laufen. Triff Dich mit Freunden und tue Dinge, die Du schon lange nicht mehr gemacht hast. Vor allem erlaube Dir zu lachen und triff am besten Leute, die Du lange nicht mehr gesehen hast und anderen Input geben.

Ich hatte gestern so einen Abend. Ich war zu einen Geburtstagsparty eines alten Bekannten, bei dem ich früher oft war. Dort saßen Leute, die ich lange nicht mehr gesehen hatte. Auch in ihr Leben hat sich verändert. Aber sie haben noch dasselbe Lachen im Gesicht wie damals.

Wie gut es tut, sich auf alte Geschichten einzulassen und aus seinem momentanen Frust heraus zu kommen. Nach Regen folgt wieder Sonnenschein. Ein Spruch den ich in der aktuellen Klimasituation gerne umkehren würde. Ich freue ich mich aus tiefstem Herzen, wenn es regnet!

„Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.“


Albert Einstein  

Tatsächlich benehmen wir uns so, wenn wir uns in einer gefühlten Einbahnstraße bewegen.

Wenn man sich in eine andere Perspektive begibt, kommt man auf andere Gedanken. Letzten Sonntag hatte ich so einen AHA-Tag bei Claudia Benedela vom La Yarda Reitpferdetraining. Praktisch zeigte sie, was man tun kann, wenn die Muskulatur des Pferde vom Ideal abweicht.

Denn mein Herzenspferd, mit dem ich früher gut und gerne dressurmäßig geritten bin, ist 24 und hat seit einem guten Jahr diagnostiziertes Cushing.  Jedes Mal, wenn ich mir  ihren Rücken bewusst angesehen habe, bekam ich schlechte Laune. Er war früher wesentlich besser bemuskelt. Auch meldete sich schlechtes Gewissen, weil ich vor dem eigenen Hof mit Kind mehr Zeit für die Arbeit mit den Pferden hatte.

Zugegebenerweise macht mich das schon lange unzufrieden.

Aber jeden Tag auf das Problem schauen und genervt sein, bringt nichts.

Besser ist es mit einem Lachen im Gesicht und neuen Ideen zu verändern. Dazu braucht man die Fähigkeit, einen Schritt zurück zu gehen und sich zu fragen, was man erreichen möchte. Wo der Hase im Pfeffer liegt und was man bereit ist zu verändern.

Erst wenn man Dinge ausprobiert, kann man sehen, ob sie einen auf einen anderen Weg bringen. Und ob das Ergebnis ein Anderes wird. Dann sehe ich auch die Augen meines Pferdes, wenn es meine Freude und Zufriedenheit spürt.

Wenn es das Gefühl hat, wieder richtig zu sein und etwas richtig zu machen.

Dann hüpft mein Herz und ich weiß wieder, wofür ich das alles tue.

Folgerichtig FÜR mein Pferd und damit auch für mich.

Sobald man auf einem besseren Weg ist stellen sich Erfolgserlebnisse ein. Die einen motivieren, weiter zu machen. Weil sich bei Erfolg automatisch die Laune bessert.

Falls Dir der Artikel gefallen hat: Weitere Anregungen, den Blickwinkel zu verändern findest Du auf der Seite Mental stark.

Oder Du schaust mal im Mentaltest für Reiter, wie es um Deine Mentale Stärke wirklich steht:

Also: Viel Spaß beim Richtung wechseln!

Fit fürs Pferd? Umdenken kann eine Lösung sein!

Umdenken kann eine Lösung sein: Beidhändigkeit des Reiters
Beidhändigkeit des Reiters

Neulich bei mir in der Küche: Eine Reiterin der alten Schule, die seit einiger Zeit ein junges, begabtes, aber elektrisches Pferd hat, und ich sitzen auf einen Kaffee zusammen.

Beim Gespräch erzählt sie, dass ihr linkes Knie beim Aufsteigen große Probleme macht. Es hat mehrere Traumen und Menikusschäden hinter sich. Auf unebenem Untergrund sackt es manchmal weg und ist muskulär wenig stabil.
Dadurch entwickelt sie langsam Angstgefühle dabei.

Wenn das Gehirn Muskeln abschaltet, um Schaden von einem Gelenk abzuwenden, redet man in der Medizin von Schmerzhemmung.

Als ich sie frage, warum sie nicht mit dem rechten Bein aufsteigt, ist sie sekundenlang still. Sie schaut mich mit großen Augen an.

„Das ist ja die Lösung!“ sagt sie. „Von rechts aufsteigen“ mit einem seligen Lächeln“. Auf den Gedanken war sie selbst nicht gekommen.

Manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht.

Umdenken kann eine Lösung sein. Wir „alten Reiter“. die noch von Reitlehrern der Kavalleriezeit ausgebildet wurden, sind nun mal von links aufgestiegen! IMMER!

Von Beginn an wurden die althergebrachten Herangehensweisen automatisiert. So kommt man gar nicht auf den Gedanken, sie in Frage zu stellen.

Als ich 2002 die Reittherapieausbildung gemacht habe, begann sich gerade ein Fokus auf gesund erhaltene Handarbeit von Pferden herauszubilden. Da Patienten vielfältige Einschränkungen haben muss ein Therapiepferd von rechts und von links zu dirigieren sein.

Inzwischen wissen Reiter viel mehr über Biomechanik und Gehirntätigkeit von Pferden.

Insofern ist es gut für die Geraderichtung des Pferdes, wenn man von links UND von rechts arbeitet und aufsteigt. Für die Wirbelsäule des Pferdes ist es wegen der hohen Rotationsbelastung beim Aufsteigen sogar eine gute Idee. Eine noch Bessere ist es, eine Aufstiegshilfe zu benutzen. An die das Pferd dann von rechts und von links herantreten lernt.

Auch für den Reiter lohnt es sich, auf „Beidhändigkeit“ zu achten.

Wie viele Reiter putzen ihr Pferd immer mit derselben Hand?

Wenn Striegel und Kardätsche in der jeweils anderen Hand liegen, ist es erstmal komisch.

Daher gilt: Umdenken kann eine Lösung sein. Irgendwann haben wir alle mal das eine oder andere Wehwehchen. Von dem wir glauben, dass es uns nur bedingt einschränkt .Aber genauso wie das Pferdegehirn ist unser Gehirn ist ein Meister im Schaffen von Kompensationsmechanismen.

Daher ist es gut, ein lädiertes Gelenk eine Weile zu entlasten und übergansweise mit der anderen Seite zu hantieren. So kann das Gelenk heilen.

Wenn man Dinge immer gleich macht, wird die eigene Schiefe immer größer.

Daher ist es sinnvoll, bewusst die schwächere Seite für ungewohnte Dinge einzusetzen.

Dann hat das Gehirn zu tun. Es muss umdenken und neue Wege finden. Dementsprechend müssen auch andere Muskeln arbeiten und man trainiert sie gleich dabei.

Und „Rücken“ entsteht vor allen Dingen durch ungleichmäßige Belastung. Beim Menschen und beim Pferd.

Also entwickeln Sie Ideen für neue Herangehensweisen. Für Ihre Gesundheit und die Ihres Pferdes.

Umdenken kann eine Lösung sein. Sowohl für das Lösen bestehender Probleme als auch dafür, dass erst gar keins entsteht.

Trauer und Angst beim Reiten liegen oft eng beieinander

Unverarbeitete Trauer kann auch zur Angst beim Reiten führen
Angst beim Reiten

Interessanterweise erlebe ich in letzter Zeit öfter Reiterinnen, die nach Jahren auf einmal Angst beim Reiten entwickeln. Meist können Sie sich das kaum erklären, weil sie eigentlich schon seit 20 oder 30 Jahren mit Pferden zu tun haben.

Wenn wir uns dann gezielt mir der Vorgeschichte beschäftigen, gibt es oft spannende Parallelen. Indem ich Zeitschienen und eventuelle Geschehnisse erfrage, die zu der momentanen Angst geführt haben können, ergibt sich ein Gesamtbild der Situation. Diese Befragung  ist Bestandteil jeder kinesiologischen Beratung, um alle Aspekte zu erfassen.

In einigen Fällen berichteten die Reiterinnen, dass sie über viele Jahre ein Pferd hatten, mit dem sie eng verbunden waren. Mit dem sie alles machen konnten und eine große Vertrauensbasis bestand.

Meist ist der Seelenverwandte irgendwann verstorben und die Schreckmomente entstehen Monate oder Jahre später beim neuen Pferd. Denn es hat einen anderen Charakter. Oft ist es einfach jünger, reaktionsschneller und eben ANDERS.

Lösen kann man Situation, indem man sich eingesteht, dass Pferd Nummer eins nicht mehr da ist. Meist braucht es Zeit, sich der Trauer zu stellen. Es ist schwer, der Tatsache aktiv ins Gesicht zu blicken und zu zulassen dass diese Zeit mit dem verstorbenen Pferd nun vorbei ist.

In dem Moment, wo ich das schreibe, kommen mir die Tränen. Denn auch ich muss mich der Tatsache stellen, dass meine Pferde nicht unsterblich sind. Mein Seelenpferd Flori habe ich seit 19 Jahren. Inzwischen ist sie 24 und hat seit einem Jahr diagnostiziertes Cushing.

Trauerverarbeitung läuft in verschiedenen Phasen ab.

Erst wenn man alle in der richtigen Reihenfolge durch hat und sich den Verlust eingesteht, kann man ihn verdauen. Dann hat man die Möglichkeit, dem neuen Pferd, wie es auch immer zu einem gekommen ist, eine Chance zu geben.

Wenn man die Trauer einfach wegdrückt, entstehen Kompensationen. Die in Angst beim Reiten münden können. Meist sucht man zu schnell einen Ersatz für den verstorbenen Partner, Aus Angst vor dem Loch, das auf einmal im eigenen Leben herrscht.

Aber das Herz ist noch nicht so weit . Und oft nimmt man dem NEUEN unbewusst übel, dass er so anders ist als der ALTE. Unverarbeitete Trauer endet oft in Ärger oder Wut.

So schaukelt sich eine Abwehr-  und Angstspirale hoch.

Der Neue kann doch nicht dafür. Er ist es wert, eine Chance zu bekommen. Das gelingt aber erst, wenn man mit dem Verlust des Alten fertig geworden ist.

Wenn man nicht mehr vergleicht. Sondern sich auf die neue Herausforderungen einlässt. Das braucht Zeit. Und ein Verständnis dafür, was kaputt gegangen ist. Was man nicht so einfach ersetzen kann.

Manchmal hilft dabei professionelle Unterstützung. Sowohl in Form eines verständnisvollen Reitlehrers. Als auch in Form von emotionaler Verarbeitung. Oft müssen Sie sich auch selber aktiv entspannen. Dann kommen Sie wieder zum angstfreien Reiten.

Geben Sie sich die Zeit. Mit Geduld und Empathie. Für sich selbst.

Für das Pferd. Das Alte und das Neue….

Und dann ruft auf einmal der nächste Ausritt!

Wenn Sie Verständnis und Zeit für sich und Situation aufbringen geht es. Sie werden sehen!