Das Gefühl des Reiters, Neues von ReitClever, August 2019

Analog oder Hilfsmittel für das Gefühl des Reiters erlaubt?
Das Gefühl des Reiters

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Was isser wechselhaft dieser Sommer! Von 40 Grad Tageshöchsttemperatur in Brandenburg bis zu 15 Grad am Tage und unter 10 Grad nachts war im Juli alles dabei.

Das Gute daran ist, dass es in diesem Jahr einen zweiten Heuschnitt geben wird. Da es nach dem ersten Schnitt gut und flächendeckend geregnet hat wird er wahrscheinlich. Ob überall bleibt abzuwarten. Das könnte ein Aufatmen für das Gefühl des Reiters bedeuten.

Genauso froh war ich darüber, dass meine paar Tage Auszeit in den wärmeren Teil des Julis fielen. So konnte ich Sonne und Strand genießen und als Niederblutdruckmensch auch in der Ostsee baden! Ich konnte durchatmen und neue Energie tanken.

Auch die FN hat wechselhafte Zeiten hinter sich. Nun scheint sie eine breitere Masse Reiter ansprechen zu wollen. Sie wirkt moderner. Neue Gesichter treten auf neuen Veranstaltungen auf. Genauso verändert sich auch konzeptionell Einiges. Dass Basis- und Reiterpass ab 2020 durch den neuen Pferdeführerschein Umgang und Reiten ersetzt werden, war im Mai- Newsletter schon Thema.

Nun soll die Trainerausbildung digitale Elemente bekommen und damit attraktiver werden.

Mit der Einführung der neuen APO kommen ab 2020 digitale Lernformen zum Einsatz. Denn die meisten Ausbildungsteilnehmer sind berufstätig und/ oder haben Familie. So sollen Präsenztage in den Fachschulen für die fachliche Grundlage sorgen. Dabei sollen Online Module die Präsenzzeit verkürzen und den Transfers in den Alltag schaffen. Zum Beispiel um den Unterricht zuhause durch Videos auf Onlineplattformen einzubinden.

Dazu brauchen die Teilnehmer einen Laptop oder Tablet und eine stabile Internetleitung. Keine große Hürde. Wer Lust hat, sich breiter zu informieren, kann das unter: www.pferd-aktuell/trainerportal tun.

Wirklich scheint heutzutage jeder Reiter ein Smartphone oder Tablet zu haben und sich damit Infos aus dem Netz zu ziehen. Wenn ich manchmal so lese, was für digitale Angebote ein Reiter als APP herunterladen kann. Ob das sinnvoll ist, mag jeder für sich selbst entscheiden.

Offen gesagt vermisse ich manchmal das Gefühl des Reiters. Das in sich hineinspüren und fühlen, wohin es gerade geht. Sowohl mit als auch auf dem Pferd. Wie viele Parameter, die eine App vermittelt, kann ich auch real abrufen, wenn ich mich zum Beispiel auf Takt, Rhythmus oder Atmung konzentriere. Oft bekomme ich ein Stutzen als Antwort, wenn ich im Unterricht einen Reiter frage, “Fühl mal, wie das gerade mit der Belastung ist. Wo hast Du mehr Druck und wo weniger?“ Meist ist derjenige stark mit dem beschäftigt, was er als gerade Technikprogramm im Kopf hat. Da kommt das Spüren und Nachjustieren der Anspannung als Reaktion häufig zu kurz.

Unser Körper hat ein hervorragendes Feedbacksystem.

Es ruft auf jede Bewegung des Körpers eine Antwort im Gehirns hervor. So kann man angepasst reagieren und im Gleichgewicht bleiben. Dagegen ruft man diese Fähigkeit nicht bewusst ab, wenn man angestrengt versucht, alles richtig zu machen. Aber um umsetzen zu können, was das Pferd vermittelt, muss man real fühlen können, welcher Körperteil gerade wie bewegt wird. Nur wenn das Gefühl des Reiters stimmt kann man mitgehen und etwas verändern.

Deshalb kann man digitale Angebote für Reiter und analogen Unterricht gut miteinander verbinden finde ich. Gezielt kann man sich die Informationen suchen, die man gerade braucht. Wenn gutes Gefühl und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zusammen kommen, kann man auch digitale Informationen gut umsetzen. Dafür kommt an dieser Stelle ein versierter Ausbilder ins Spiel, der Feedback von außen gibt und damit den inneren Dialog unterstützt.

Ab und zu höre ich als Reaktion, wenn es um digitale Angebote für Reiter geht:

„Reiten lernt man nur durch reiten“.

Das stimmt ohne Frage. Aber digitale Angebote für Reiter können die Aufmerksamkeit dorthin richten, wo es hakt. Zum Beispiel kann man zuhause in Ruhe die Feedbackschleifen bahnen, die man auf dem Pferd braucht. Wenn man ohne Ablenkung Zeit hat, sich mit seinem Körper und seinen Denkweisen zu beschäftigen.

Als Anregung, sich mit seinen Schaltkreisen und Denkmustern auseinanderzusetzen, dient das überarbeitete kostenlose Emailprogramm “Besser Reiten leicht gemacht”. Damit kann man sich real auf die Dinge fokussieren, die man als digitales Angebot als Email erhalten hat. Dann kann man die Anregungen mit dem Gefühl des Reiters später auf dem Pferd umsetzen.

Ganz anders dagegen gehen Kinder vor.

Sie setzen sich aufs Pferd und reiten einfach los. Sie freuen sich über das Pferd und darüber, wenn es gut klappt. Natürlich läuft nicht alles gleich perfekt, aber oft stellt sich das harmonische Miteinander schneller ein als bei uns.

Beeindruckend ist die Veränderung, wenn man im richtigen Moment an der richtigen Stelle ansetzt. So geschehen beim Glauer Ponycamp im Juli. Dort habe ich mitgeholfen und den Reitunterricht für die Reitabzeichenprüfungen unterstützt. Auf tollen Ponies ritten dort unter motivierter Anleitung Kinder auf unterschiedlichem Ausbildungsstand. Manche schon sehr gut in Haltung und Einwirkung. Andere noch recht ungeübt.

Drei Mädels sind mir am ersten Tag aufgefallen. Die eine durch einen tollen Sitz, langen Oberkörper und lange Beine. Aber jedes Mal, wenn das Pony zuckte oder seinen Kopf durchsetzen wollte, verspannte sie sich und Ihr Denken kam durch. Sie blockierte und vorbei war die sichere Hilfengebung. Mehrere Tage positive Verstärkung im Unterricht auf einem vertrauten Pony ließen sie entspannter werden. Sie hat Ihr Reitabzeichen gut bestanden.

Zwei andere Mädchen hatten in der ersten Reiteinheit deutliche Sitzfehler: Hohlkreuz, Stuhlsitz, hochgezogene Knie und Treiben mit den Absätzen. Faszinierenderweise hat die Korrektur mit Fühlen der korrekten Spannung eine sofortige Verbesserung gebracht.

Kinder sind noch nicht so festgefahren in ihren Bewegungsmustern.

Wenn sie die richtigen Muskeln frühzeitig aktivieren, setzen sie die richtige Technik schneller um. Und speichern sie ab. Anders als Erwachsene, die manchmal gegen ihre bisherigen Erfahrungen arbeiten müssen. Beide Mädchen ritten zwei Tage später wie ausgewechselt: gerade, locker und mit deutlich längerem Bein. War schön anzusehen. Am Prüfungstag kam dann auch Nervosität zum Zuge und die Knie rutschten höher. Was dem Erfolg keinen Abbruch tat. Alle Kinder haben Ihr Abzeichen bestanden. Erfreulicherweise lobte die Prüferin den guten Sitz aller Teilnehmer.

Auch sonst war das Camp eine schöne Erfahrung. Durchgeführt von einem tollen Team mit Einfühlungsvermögen und Sachverstand. Feinfühlig ausgebildete Pferde unter optimalen Haltungsbedingungen. Das Ganze gut und kindgerecht organisiert: So macht Arbeiten Spaß! Falls jemand sein Kind in den Ferien gut unterbringen möchte: für mich ein klarer Tipp!

Ich werde vielleicht wieder dabei sein und habe Erfahrungen für den “Tag der Cleveren Reiter” sammeln können. Da dieser Sitzschulungstag ein reales Angebot von Reitern für Reiter ist, läuft die Anmeldung für den 05.10.19 schon. Tickets sind im Shop bis zum 31.08.19 für den vergünstigten Preis erhältlich.

Als Einstimmung darauf gibt es im Blog eine Miniserie zum Thema “Sitz des Reiters”. Den ersten Teil machte der Artikel Tipps für einen besseren Sitz. Letzte Woche gab es Teil zwei zum Thema Stabilität und Lockerheit ein Widerspruch?

Bis hoffentlich bald und einen schönen Restsommer!

PS: Die Seite Wer ist ReitClever hat ein Facelifting erhalten.
Wir haben letzte Woche ein kleines Fotoshooting veranstaltet, was die Pferde bei der Wärme nur mittelmäßig fanden. Heraus kam ein Bild, auf dem wir alle drei einigermaßen motiviert schauen.
Wir werden das Shooting vielleicht im Herbst noch mal wiederholen.

Aber nun kommt das Foto in den ReitClever- Flyer, der gerade entsteht.
Gefällt es Euch?

One thought on “Das Gefühl des Reiters, Neues von ReitClever, August 2019

  1. Liebe Corinna, da sagst du was Wahres. Das Fühlen ist das Wichtigste in der ganzen Reiterei. Und gleichzeitig ganz oft das Stiefkind im Training. Fühlen……. mich selbst, mein Pferd, die Energie, das Zusammenspiel…… Zum Fühlen gehört vorweg auch eine Portion Wissen, denn nur wer versteht, was er sich erfühlen soll, kommt auch wirklich zu snnvollem Training für Pferd und Mensch. In diesem Sinne freue ich mich ganz doll auf unseren “Tag der cleveren Reiter” am 5.10.2019. Der SIBA-Trainingsattel von Christiane Weninger, den ich mitbringen, vorstellen und testen lassen werde, greift nämlich ganz genau dieses Thema auf. Ein wenig Kopf, aber vor Allem ganz viel Bauch(gefühl) . 😉 Also bis dahin. Wir sehen uns. Liebe Grüße Beate

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