„Ja, ich will!“- Gedanken zum Thema Reiten mit Angst

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Tipps und Bewältigungsstrategien gibt es im Artikel Reiten mit Angst ist häufiger
Reiten mit Angst ist häufiger als man denkt

Gestern habe ich mich mit einer motivierten Reiterin unterhalten. Sie hat ein eigenes Pferd und ist fasziniert davon, dass es auf neuen Wegen auf einmal mit weniger Krafteinsatz klappt.

Nach einer Verletzung des Pferdes hat sie die Trainerin gewechselt, weil es danach nicht mehr so lief. Vorher waren sie dressurmäßig gut unterwegs. Aber immer mit viel Körpereinsatz, weil das das Pferd so triebig war.

Nun arbeiten sie vor allem im Leichttraben, um dem Pferd wieder Freude an der Bewegung zu vermitteln. Es soll mit weniger Druck zu freiwilligem Vorwärts gebracht werden.

Springen lässt sie lieber ihre Reitbeteiligung, weil sie dabei zu Reiten mit Angst neigt.

Während unseres Gespräches fiel der Satz „Ich bin eine ambitionierte Freizeitreiterin mit wenig Talent.“

Erst musste ich lachen. Dann verstand ich, was sie mir sagen wollte.

Sie steht für viele andere motivierte Reiter. Die viel dafür tun, um sich gut auf dem Pferd anzustellen. Sie nehmen Reitstunden. Sie lesen Bücher und tauschen sich mit Anderen aus. Außerdem hören sie genau zu, was der Trainer erklärt.

Aber sie verstehen oft nicht, wie sie die Anweisungen umsetzen sollen. Besser gesagt welchen eigenen Körperteil sie wie bewegen müssen, um z.B. richtig zu stellen und zu biegen.

Weil die Anweisungen häufig sehr gute Reiter geben, die intuitiv wissen, was sie tun müssen, um das Pferd locker zu machen. Aber sie können oft schwer vermitteln, was der Reiter wo in seinem Körper tun muss, um dasselbe zu erreichen.

Dazu braucht man ein gewisses Verständnis von der Biomechanik des Reiters.

Vielmehr eine Idee davon, wann man welchen Körperteil bewegen muss, um beispielsweise die Innenstellung des Pferdes korrekt vorzubereiten.

Das kann man lernen. Niemand muss ein Physiotherapeut sein, um gut zu unterrichten. Aber in Kursen für Reiter kann man sich entsprechendes Wissen über die Anatomie und Übungen für die richtige Anspannung und Entspannung aneignen. Am 29.02.2020 geht es bei uns auf dem Hof um anatomische Voraussetzungen und funktionelle Übungen für bewegliche Hüften und einen elastischen Sitz. Dabei kann man sich genau solche Anregungen holen (Bei Interesse einfach auf den Link klicken).

Damit kann man als Lehrer anders erklären und als Reiter Anweisungen besser umsetzen.

Genauso muss man auch beim Thema Reiten mit Angst
anders herangehen.

Das Thema findet Platz in der aktuellen Ausgabe der persönlichen Mitgliederzeitung der FN. Der Artikel trägt die Überschrift „Der Angst den Kampf ansagen“.

Was ich weniger gelungen finde, denn Angst und Kampf sind reflexartige Reaktionsmuster des Körpers, die von unserem Urzeitgehirn geschaltet werden. Sobald das Gefahr wittert kann man nicht mehr aktiv agieren. Sondern nur noch um sein Leben laufen.

Vielmehr ist es wichtig, sich einzugestehen, dass man in bestimmen Situationen Angst hat. Denn als Warn- und Schutzmechanismus kann sie sowohl zu vermehrter Leistung als auch zur Leistungshemmung führen. Sitzt man erstmal zitternd und schweißgebadet auf dem Pferd, kann man nicht mehr reagieren, sondern wird durch Angst gesteuert.

Erst hinterher kann man sich fragen, was genau zu diesem Ausbruch geführt hat. Oft hatte man vorher schon ein mulmiges Gefühl im Bauch. Oder man fühlte sich nicht als Herr seiner Sinne. Oder man hat in einer ähnlichen Situation schon etwas erlebt, was nun getriggert wird.

Angst entsteht häufig aus Überforderung.

Wenn man eben nicht genau weiß, was man auf dem Pferd machen soll. Beispielsweise wenn im Springunterricht zu schnell vorgegangen wird. Um ein Gefühl für die Bewegungsabläufe zu bekommen, sollte erst mit Stangen und Cavalettis geübt werden. Erst im dritten und vierten Schritt geht es um die Höhe der Sprünge.

Lina Otto von der Ausbildungsabteilung der FN erklärt in dem Artikel „Angst im Pferdesport“, dass ein Reitlehrer methodisch vorgehen sollte. D.h. er startet mit einfachen, leichten und bekannten Übungen zu schwereren und komplexen Anforderungen. Denn ein Trainer sollte vor allen Dingen Sicherheit vermitteln. Dazu gehört auch die Auswahl des Lehrpferdes. Ein erfahrenes Springpferd gibt mehr Vertrauen als ein Jungspund, der sich ab und zu mal überspringt.

Um Sicherheit vermitteln zu können, muss ein Reitlehrer Ängste frühzeitig erkennen.

Er sollte sie ernst nehmen und Empathie beweisen. Nur dann kann er in den Anforderungen zurückgehen und dem Reiter wieder Erfolgserlebnisse schaffen. Nichtsdestoweniger schaffen Zeit für Gespräche und Feedback Vertrauen . Darüberhinaus sind Zusatzangebote wie Bewegungstraining oder Schulung des richtigen Abrollens gut für das Sicherheitsgefühl.

So kann man Reiten mit Angst sowohl körperlich als auch im Kopf begegnen.

Nur wer sich eingesteht, Angst zu haben, kann sie bewältigen. Dazu sagt Dr. Gaby Bussmann, Sportpsychologin: „Man muss bei seinen Gefühlen ankommen, um sie verändern zu können. Mit dem Akzeptieren der Gefühle kommt Ruhe ins System. Damit können Emotionen effektiv verändert und reguliert werden.“

Gedankenkontrolle (Nur positive Gedanken sind erlaubt, der innere Zweifler wird stumm geschaltet) und der Hang zum Humor können einen Ausweg aus Reiten mit Angst bedeuten. „Die Erheiterung schiebt die Angst quasi weg. Es sind gegensätzliche Gefühle.“

Also erzählt Euch vor der nächsten Springstunde oder dem geplanten Galopp übers Stoppelfeld einen guten Witz und denkt im richtigen Moment daran.

Weiterhin findet sie, dass die Körperhaltung einen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit hat.

Wer aufrecht sitzt ist motivierter und leistungsbereiter.

Genauso wichtig sind Atem- und Entspannungsübungen.

Also ist das Komplettpaket für den Reiter auch sinnvoll für Reiten mit Angst.

„D.h. es ist wichtig, sich mit den Ängsten auseinanderzusetzen und ihnen nicht aus dem Weg zu gehen. Und auch Techniken muss man erst erlernen. Man muss ausprobieren und herausfinden, welche zu einem persönlich passen. Wie bei vielen Dingen gilt also auch bei der Angstbewältigung: Übung macht den Meister.“

Mit diesem Zitat aus dem Artikel „Angst im Pferdesport“, PM Forum 02/2020 ist denke ich alles gesagt.

Schaut genau hin und überlegt wo und mit wem Ihr ansetzen wollt.

Dann seid Ihr schon auf dem Weg, Reiten mit Angst in angstfrei reiten umzukehren.

Viel Spaß und Erfolg wünsche ich Euch!

Corinna von ReitClever.

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