Gute Lernbedingungen sind entscheidend für eine gute Performance

Gute Lernbedingungen beim Pferdeführerschein Umgang
Alle passen auf 🙂

Vorletzte Woche bin ich von einer Fortbildung aus Bonn Wachtberg zurück gekommen. Das Hotel war sehr gut, der Ausblick toll und auch in unmittelbarer Nachbarschaft gab es Pferde. So waren eigentlich gute Lernbedingungen gegeben, weil auch der gewohnte Pferdegeruch mit einem kleinen Fußmarsch zu erreichen war (Mehr darüber in Guten Morgen aus Wachtberg).

Ein Spaziergang bergauf und bergab sorgt tatsächlich für eine gute Sauerstoffversorgung. Denn bei einem leichten aeroben Training wird dem Körper Sauerstoff zur Verfügung gestellt. Durch die entstehende CO2 Anreicherung im Blut werden die Gefäße weit gestellt, dass der Sauerstoff das Gewebe auch erreichen kann. Wenn man dann noch abwechslungsreich frühstückt, hat das Gehirn genügend Glukose zur Verfügung für seine Leistungsfähigkeit zur Verfügung. So kann es gut arbeiten.

Zur Info: Unser leistungsfähiger Biocomputer beträgt nur ungefähr 2% unseres gesamten Körpergewichts. Er braucht aber 25% des Haushaltes an Zucker und 20% des Sauerstoffs, der dem Körper zur Verfügung steht. Also ist ein Tipp, sich vor dem Lernen ein bisschen zu bewegen und ausgewogen zu frühstücken. Vor allem Obst und Kohlenhydrate stellen kurz- und langfristig genügend Bausteine bereit, um eine ausreichende Glukoseversorgung sicher zu stellen.

Anders ausgedrückt ist es für gute Lernbedingungen sinnvoll, neuronale Grundbedürfnisse zu kennen.

Sauerstoff und Glukose fungieren als Treibstoff, damit die Nervenzellen Signale weiter leiten können. Weiterhin müssen sie eine entsprechende Aktivierung erhalten, um senden können. Fehlt einer dieser Faktoren, wird es schwierig, neuronalen Zuwachs, sprich ein Verbesserung des aktuellen Zustands zu erreichen. Beides gilt sowohl für motorische als auch für kognitive Fähigkeiten.

In meinen Augen gehören aber auch die äußeren Rahmenbedingungen dazu. Das Gehirn funktioniert nach einem ausgesprochenen Hierarchiesystem. Es kann nur lernen, wenn es sich sicher fühlt.

Kennt Ihr die Bedürfnispyramide nach Maslow?

Darin kategorisierte der US- amerikanischer  Psychologe Abraham Harold Maslow menschliche Grundbedürfnisse. Um sich weiter zu entwickeln, bzw. eine höhere Stufe angehen zu können, müssen die darunter liegenden Ebenen satt sein. Deshalb ordnete er die Hauptmotivationen in 5 größere Kategorien ein. Dabei beginnt er mit den grundlegenden und endet bei den hoch entwickelten humanen Bedürfnissen.

Zuerst geht es um die physiologischen Bedürfnisse wie Hunger, Durst, Toilettengang und Schlaf. Nur wenn die kein Thema mehr sind, kann sich der Körper mit der nächst höheren Stufe rund um Sicherheit auseinander setzen. Genauer gesagt sind das die häusliche und Arbeitsumgebung, eine ausreichende Versorgung mit Geld und Planungssicherheit für die Zukunft. Diese und auch die nächsten beiden Kategorien sind ausgesprochene Defizit- oder Mangelbedürfnisse. D.h. solange ein Bedürfnis dieser Art unbefriedigt ist, aktiviert und beeinflusst es unser Denken und Handeln.

Wenn ich also aufs Klo muss, kann ich schlecht lernen. Auch wenn mein Konto so leer ist, dass ich nicht weiß, wie ich die nächste Miete bezahlen soll, kann ich nicht davon ausgehen, eine neue Fremdsprache schnell und mit allen Feinheiten erfassen zu können.

Auf der nächsten Ebene stehen individuelle Anliegen wie Zugehörigkeit und Individualität.

Hier spielt die Gruppe, das Umfeld und der eigene Status eine große Rolle. Wenn man das für sich eingeordnet hat, geht es um soziale Bedürfnisse wie Freundschaft, Familie und Liebe.

Erst wenn man sich hier erfolgreich positioniert hat, bzw. seine Mitte in seinem persönlichen Umfeld gefunden hat, kann man sich um die Spitze der Pyramide kümmern. Anders gesagt gelten diese als Wachstumsbedürfnisse und unstillbare Bedürfnisse, da die Suche nach Sinn, Lebensinhalt und Wissen eigentlich nie endet.

Wenn Ihr also manchmal Schwierigkeiten habt, Neues aufzunehmen oder abzuspeichern, schaut mal, auf welche Ebene der Bedürfnispyramide Ihr gerade steht. Es lohnt sich, die eigene Position zu analysieren und zu schauen, wo vielleicht noch Motivationen liegen, die beachtet werden wollen. Dann gibt es womöglich auf einmal einen Schub in die persönliche Entwicklung, mit dem man gar nicht gerechnet hat.

Der Zusammenhang zu unserem Seminar ist mir eigentlich erst klar geworden, als ich in den letzten Tagen davon erzählt habe. Denn im Kurs herrschte ein hoher Wissenstand, viel Neugier und eine gute Stimmung. Auch waren tolle Reiter dabei, die alle das Ziel hatten, das Wissen aus dem Kurs auch anwenden zu wollen. Trotzdem bestand für mich irgendwie eine kaum zu fassende Unzufriedenheit.

Wechselnde Terminansagen und Kursorte trugen wenig zu einer Planungssicherheit bei. Auch die Ansage, “Bringt Euch Essen und Trinken mit”, führte bei mir eigentlich zu dem Gedanken: “Wir sind in einem 3 Sterne Tagungshotel, dort wird es doch eine Versorgung geben? Da kann ich doch nicht mein eigenes Zeug mitbringen.”

Doch, hätte ich gekonnt und sogar gesollt.

Denn die Verpflegung der Teilnehmer durch das Hotel wurde im Vorfeld abgelehnt. Das führte zu der Situation, dass die Kursteilnehmer sich in den Pausen ihren Kaffee suchen mussten. Sie wurden darauf hingewiesen, dass das im Nachbarraum befindliche Frühstücksbuffet dazu nicht gedacht ist. Außerhalb des Frühstücks zu sich genommene Getränke mussten extra bezahlt werden.

Das kann ich aus Sicht der Hotels absolut nachvollziehen. Wenn ich Gäste habe, die ein Frühstück bezahlen, bekommen sie ein Frühstück. Was dann innerhalb der Kurszeiten passiert, die jemand Anderes gebucht hat, obliegt das der Verantwortung desjenigen, der den Raum gemietet hat.

Doch gehe ich eigentlich davon aus, wenn ich ein höherpreisiges Seminar buche, dass ich mich nicht selbst um Getränke kümmern muss. Ein paar Flaschen Wasser und Apelschorle, eine Kanne Kaffee und Tee, vielleicht ein paar Kekse machen keinen großen Unterschied in der Abrechnung aus. Dafür sorgt das aber zu einer gewissen Zufriedenheit der Teilnehmer. Denn dann können sie sich um Lernen und Verstehen kümmern und nicht um physiologische Grundbedürfnisse.

So gesehen hätte vielleicht der Rohertrag des Seminars etwas gelitten. Aber ich behaupte mal, der Nettogewinn wäre größer gewesen. Klare Terminansagen, bestätigte Kursorte und eine angemessene Versorgung sorgen für Zufriedenheit. Sie stellen für mich elementare Bedingungen dar, die nur gute Lernbedingungen schaffen, wenn sie erfüllt sind.

Ehrlich gesagt hatte ich mich bis jetzt noch nie gefragt, warum ich meine Kurse so aufbaue.

Gute Lernbedingungen beim Kurs Pferdeführerschein Umgang
Septemberkurs Pferdeführerschein Umgang

Es gehört für mich einfach dazu. Aber nun habe ich es verstanden und werde dabei bleiben, Kursteilnehmern Pausengetränke und Kekse zur Verfügung zu stellen. Das kostet nicht viel, bringt aber um so mehr. Genauso arbeiten Pferde viel besser, wenn sie in einer guten Herdenstruktur leben dürfen und regelmäßig genug Futter bekommen. Sonst darf ich mich über Stress und Unaufmerksamkeit in der Ausbildung nicht wundern.

Genau darüber haben wir letzte Woche beim zu Ende gegangenen Pferdeführerschein gesprochen. Es ging um die Bedingungen, die ein Pferd gesund halten. Auch darum, wie Pferde unterm Reiter gesund bleiben und welche Krankheiten es gibt. Darüber hinaus, wie man sich selbst verhält, um seinem Pferd ein verlässlicher Partner zu sein.

Die Gruppe war toll und sehr homogen. Sie hat vom ersten Moment an gut zusammen gearbeitet und eine positive Stimmung erzeugt. So hatten wir drei schöne Samstage und letzte Woche eine erfolgreiche Abschlussprüfung. Die war eigentlich nur Formsache, weil alle Teilnehmer sehr sicher waren. Nun gibt es sieben neue Pferdeführerschein Umgang Inhaber!

Genauso schön wird hoffentlich der Tag der Cleveren Reiter am Samstag.

Wir haben das Oberthema “Reiten mit Köpfchen”. Dabei wird es selbstverständlich Anregungen und Übungen aus dem Neuro-Athletik- Training geben. Das Ganze soll zeigen, wie man mit wenig Aufwand Koordination und Leichtigkeit auf dem Pferd verbessern kann.

Eine langjährige Kollegin und Freundin von mir kommt aus der Physiotherapie und wird mit uns ein paar neuroanatomische Grundlagen erarbeiten. Mit von der Partie ist wieder Beate Petrick, die uns erzählen wird, dass es auch rechts- und linkshirnige Pferde gibt. Wenn man das im Training berücksichtigt, kann man auch gute Lernbedingungen für Pferde schaffen.

Unter dem Link gibt es noch Tickets für kurz Entschlossene: Warmes Essen, Getränke und Kuchen sind im Kurspreis inbegriffen. Dann schafft Ihr das auch mit der guten Lernperformance :-).

Dass man mit diesen Übungen besser in Balance reitet, konnten die Teilnehmer des VFD Reiterlagers in Schünow fühlen. Dort war ich Anfang September zu einem schönen Seminartag. Wenn Ihr mehr lesen wollt, klickt auf den blauen Link.

Bis bald, ich freu´ mich auf Euch!

Corinna von ReitClever

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