Haben Sie bemerkt, dass es mehr um Nachhaltigkeit geht?

Ob online, im Supermarkt oder in der Reitausbildung. Nachhaltiges Wissen vermitteln und umweltbewusst sein möchte plötzlich jeder.

Aber man muss ein bisschen genauer hinschauen: Wer sich besonders laut präsentiert oder sehr bunte Aufmacher benutzt, handelt selten nachhaltig.

Diejenigen, die am lautesten brüllen, sind häufig auf Stimmenfang. Gerade jetzt, wenn die aktuelle Berichterstattung als Marketingkampagne für Steuererhöhungen gesehen wird oder das neue Feindbild Greta Thumberg heißt. Ein Gutes hat die teilweise unschöne Diskussion: Viele Menschen achten nun mehr auf Umwelt und Nachhaltigkeit. Da will auf einmal jeder mitspielen: Selbst die Bundesregierung schürt ein Maßnahmenpaket zum Klimaschutz. Was längt überfällig ist und oberflächlich ist. Denn unserem Planeten geht es dank des Menschens schlecht.

Ich persönlich mag lieber leise Botschaften, um nachhaltiges Wissen zu vermitteln.

Beispielsweise bekamen wir gestern eine Lieferung einer Arbeitskleidungsfirma. Seitdem mein Mann vor Jahren eine Arbeitshose gekauft hat, die echt lange gehalten hat, kauft nun unsere ganze Familie dort ein. Die Schuhe mit Stahlkappen bieten Schutz vor Pferdehufen und sind auch die ersten Schuhe, die mein tägliches Laufpensum auf dem Hof und mit unseren Pferden länger als eine Saison überstanden haben.

Das ist für mich ein entscheidender Faktor für Nachhaltigkeit. Erstens: Ressourcenschonende Materialien. Zweitens: Langlebigkeit. Denn weder meinem Geldbeutel noch der Umwelt nützt es, wenn ich alle paar Monate neu kaufen muss, weil das Zeug kaputt geht. Daher ist es folgerichtig, wenn Qualität dann auch mehr kostet.

Interessant wird es nur, wenn der Verbraucher bewusst in eine Richtung gelenkt werden soll. Gestern habe ich meine bestellten Textilien ausgepackt und mich gefreut. Zum Einen gefallen mir die Farben echt gut. Zum Anderen stolperte ich über die Aufschrift: “enjoy nature – 100% recycled material”. Ich nahm an, daß die T-Shirts auch aus recycelter Baumwolle sind.

Falsch gedacht: die ultimative, überall vorherrschende Plastikverpackung ist 100% recycelt. Denn die Aufschrift stand auf der Verpackung, nicht auf dem T-Shirt. Das hatte ich im ersten Moment anders verstanden. Wenn ich im Laden gestanden hätte, wäre das die entscheidende Information für die Kaufentscheidung gewesen.

Aber bei den täglichen Plastikmüllbergen, ist eine Verpackung aus Recyclingmaterial schon ein Schritt zu mehr Nachhaltigkeit.

Deshalb Augen auf. Dann nach der Überschrift auch auf den Inhalt achten: Nicht jedes Angebot hält, was es auf den ersten Blick verspricht. Das fällt mir gerade im Internet oft auf.

Während der Schulzeit wurde mir beigebracht, dass für die Qualität der Aussage auch die Quelle entscheidend ist. Wie seriös der Verfasser ist und woher er seine Informationen hat.

Das vermisse ich oft bei Meinungsäußerungen.

Dementsprechend ist es gut, auf bewährte Literatur zurückzugreifen. Zu meinem Lieblingsthema Sitzschulung fand ich in den Richtlinien für Reiten und Fahren, Band 1, “Grundausbildung des Reiters” der Deutschen Reiterlichen Vereinigung Interessantes. Eine Lehrbuchreihe, die seit Jahrzehnten nachhaltiges Wissen vermittelt.

“Die Schulung des Grundsitzes ist das Kernstück der gesamten Reitausbildung. Dem Anfänger sollen Gleichgewicht, Losgelassenheit, Rhythmusfähigkeit, Freude an der Bewegungsharmonie und Sicherheit vermittelt werden.

Nur aus dem ausbalancierten und losgelassenen Sitz heraus können richtige Hilfen gegeben werden. Nur richtig und bewusst eingesetzte Hilfen führen zum Erreichen des reiterlichen Gefühls und damit zu einer verlässlichen Einwirkung. Auch der fortgeschrittene Reiter darf nie aufhören, an den Sitzgrundlagen zu arbeiten.”

(Zugegeben, es ist die Auflage von 1997- ich bin ein alter Trainer :-))

Außerdem:

“Funktionale Gymnastik kann die Schulung des Anfängers wie des Fortgeschrittenen vorbereiten und begleiten…. Lockerung, Dehnung und Streckung sind mehr zu fördern als Kräftigung.”

Richtlinien für Reiten und Fahren, Band 1, “Grundausbildung des Reiters” der Deutschen Reiterlichen Vereinigung

Weiterhin fand ich folgenden Abschnitt interessant:

“Der Begriff “Kreuz anspannen” ist sportphysiologisch nicht ganz korrekt, da der Mensch keine Kreuzmuskulatur hat. In der Tradition der klassischen Reiterei ist dieser Ausdruck jedoch so eingeprägt, dass er als Synonym für das An- und Abspannen der Rumpfmuskulatur (Bauch- und tiefe untere Rückenmuskulatur) und die dadurch entstehenden Kippbewegungen des Beckens seine Berechtigung hat.”

Na, klingelt´s?

Rhythmisches An- und Abspannen der Rumpfmuskulatur kennen Sie bestimmt aus der Beschreibung eines Pferdes, das sich zwanglos bewegt. Oder?

Denn die Muskelaktivität von Pferd und Reiter sind manchmal ähnlicher als man denkt. Und ich kann Sie beruhigen. Der Mensch hat eine Kreuzmuskulatur. Es ist die Rückenmuskulatur, die man mit dem Begriff Kreuz anspannen in Verbindung bringt. Aber die bringt einen eher ins Hohlkreuz, als mit dem Gesäß “tief ins Pferd”.

Wer jetzt Lust hat, zu diesem Thema tiefer einzusteigen: Am 05.10.2019 findet bei mir auf dem Hof der Tag der Cleveren Reiter statt.

Da geht es genau darum: um nachhaltiges Wissen und die Muskelaktivität von Pferd und Reiter. Wir beschäftigen uns mit verständlichen Anweisungen und wie man sich am besten auf dem Pferd bewegt. Natürlich gibt es neben der Theorie auch jede Menge praktische Anleitungen.

Daraus folgt, wie man es dem Pferd am leichtesten macht. Auch, welche Muskeln das Pferd braucht, um sich zwanglos unter dem Reiter bewegen zu können.

Neugierig geworden?

Dann buchen Sie ganz leise ein Ticket unter Tag der Cleveren Reiter (auf den blauen Link klicken) und freuen sich auf einen informativen und nachhaltigen Tag.

Wir freuen uns auch auf Sie!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.