Ist die moderne Reitlehre irgendwie Hexerei?

Alles irgendwie Hexerei? Schnell verliert man den Überblick bei den ganzen modernen Reitansätzen. Aber der Neuro- Rider® fetzt. Dabei ist er gar kein Reitlehre Ansatz
Neues Reitgefühl- alles Hexerei?

„Reiten lernt man nur durch Reiten“ hört man immer wieder quer durch alle Reiterlager.

Manchem ist ein Dorn im Auge, was sich in den letzten Jahren an neuen Ansätzen entwickelt hat: Centered Riding® von Sally Swift, Reiten nach Moshé Feldenkrais oder Physio-Riding von Sabine Bruns um nur einige Beispiele zu nennen.

„Alles Quatsch“ nennen das viele erfahrene Reitlehrer. Ihrer Meinung nach kaschieren die neuen Ansätze und Ihre Follower nur den Umstand, dass man nicht weiter kommt oder seine Probleme nicht anpacken möchte.

Das mag manchmal auch so sein. Aber niemand wechselt sein System, wenn er mit dem, was er aktuell tut, erfolgreich und zufrieden ist. Der Grund nach Neuem zu schauen ist häufig der, dass es irgendwie nicht läuft.

Die wenigsten Reiter vertrauen auf schnelle Lösungen oder wollen einen Wundergriff, mit dem auf einmal alles möglich ist. Den Meisten ist glücklicherweise sogar suspekt, wenn es irgendwie nach Hexerei aussieht.

Jetzt ist seit einiger Zeit auch der Neuro-Rider® von Mark Nölke auf dem Markt

Wer mich kennt, weiß dass ich anfangs meist ein großer Skeptiker bin. Neue Dinge kann ich nur annehmen, wenn sie mir einleuchtend erscheinen oder irgendwie zu meiner aktuellen Entwicklung passen. Gerade im Unterrichten von Pferd und Reiter bin ich ein Fan von der Skala der Ausbildung und finde Vieles gut, was unter dem Schirm der FN gelehrt wird. Auch wenn ich  Anderes, was unter dem Mantel der Turnierreiterei passiert, ablehne. Das System der FN und den Gedanken dahinter finde ich trotzdem gut.

Weiterhin bin ich als Physiotherapeutin neurologisch orientiert und ausgebildet. Insofern fand ich den Neuro-Rider® Ansatz spannend und wollte nach entsprechenden Vorinformationen tiefer einsteigen. “Irgendwie Hexerei” könnte man denken, wenn man hört, dass man die körpereigene Stabilität über Augentraining oder die Aktivierung von Hirnnerven verbessern kann. Doch auch die Atmung spielt eine entscheidende Rolle, wenn man sich ausbalanciert auf dem Pferd bewegen möchte.

Allerdings ist für mich der entscheidende Fakt, dass der Neuro-Rider® die Reitlehre nicht neu erfindet.

Besser gesagt werden überhaupt keine Kenntnisse der Reitlehre vermittelt. „Das könnt Ihr besser, Ihr seid die Reiter“ sagt Marc Nölke gerne. Seine Ausbildungsreihe stellt eine hochwertige Ergänzung zur Trainingslehre dar. Er schafft es, in seinen Ausbildungsmodulen so viel Wissen zu präsentieren, dass nach jeder theoretischen Einheit erstmal der Kopf raucht. Es geht um anatomische und funktionelle Zusammenhänge, welche Hirnzentren was steuern und welche Funktionen man über welche anatomische Struktur verbessern kann.

Abgefahren, wenn man dann feststellt, dass Koordination und Gleichgewicht tatsächlich besser werden, wenn man Teile des Körpers abstreicht oder die Fußgelenke in einer bestimmten Art und Weise mobilisiert.

So stelle ich fest, dass Stabilität und Sehen tatsächlich zusammen gehören

Augentraining

Doch irgendwie Hexerei, wenn man die Reiter vor dem eigentlichen Unterricht mit ein paar Augenübungen vorbereitet und sie dann vom Beginn an locker und mittig auf dem Pferd sitzen.

Neigt ein Reiter beispielsweise dazu, sein rechtes Bein hochzuziehen, was zu einseitigen Rückenverspannungen führt oder die linke Hand herunterzudrücken, was das Pferd schlechter abwenden lässt, kann es sich lohnen, nach der Bewegungssteuerung zu schauen. Denn die fängt im Gehirn an, nachdem permanent alle eingehenden Informationen aus den Augen ausgewertet werden.

Es kann sogar durchaus sinnvoll sein, die Steuerung der Augen zu verbessern

Immer scharf stellen ist die Devise

Dann ändert sich auch die motorische Aktivierung der dazu gehörigen Körperseite. Et voilà: die Hand bleibt auf Höhe der Anderen oder Knie und Absatz bleiben tief.

Dass das irgendwie Hexerei ist, finden auch meine neurologischen Patienten, mit denen ich seit meiner Neuro-Rider® Ausbildung anders arbeite. Einer von Ihnen sagt mir regelmäßig seitdem wir das tun, dass ich froh sein soll, dass ich nicht im Mittelalter gelebt habe. Ich wäre wohl auf dem Scheiterhaufen gelandet.

Natürlich muss man nach den Übungen auch reiten, um das Vorbereitete umzusetzen.

Aber das gelingt in der Regel besser, wenn man sich mit ein paar passenden Übungen warm macht, um dann geschmeidig und ausbalanciert aufs Pferd zu gehen. Man regiert vor allem ohne Nachzudenken und sitzt automatisch gerade.

Viel Spaß beim Ausprobieren und auch viel Erfolg mit den modernen Ansätzen der Reitlehre 😉

Und natürlich ein schönes Weihnachtsfest für Euch und Eure Vierbeiner!

Corinna von ReitClever

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