Neuer Input oder Koordination und Gleichgewicht für Reiter

Tools, die es schaffen, mehr Koordination und Gleichgewicht für Reiter zu erreichen.
Neue Tools

Das war ein ganz schöner Overload in der letzten Woche. Denn ich habe in Bonn Wachtberg ein Fortbildungs- Modul abgeschlossen, um mehr über Koordination und Gleichgewicht für Reiter zu erfahren.

Das ist mir gelungen. Die drei Tage stellten eine sehr gute Ergänzung zu meinen bisherigen Kursen dar. Auch neue Fertigkeiten gab es mit auf den Weg.

Zuallererst muss man verstehen, wie die einzelnen Gehirnanteile zusammen arbeiten, die für die Steuerung von Bewegung verantwortlich sind. Dabei ist es egal, ob es sich um Reiten, Fahrrad fahren oder Treppen steigen handelt. Es kommt auf die Aufnahme und Verarbeitung der Reize an. Dazu muss das Gehirn gut vernetzt sein und schnell zwischen allen beteiligten Anteilen hin und her schalten können. Dann ergibt es als Ergebnis eine schöne, weiche und koordinierte Bewegung. Oder es fällt uns auf einmal ganz leicht, tief im Pferd zu sitzen.

Allerdings kann bei diesem Prozess auch eine ganze Menge schief gehen. Um herauszufinden, wie gut diese Verschaltung funktioniert, haben wir viele Tests ausprobiert. Diese Überprüfung zeigt einem, in welchem beteiligten System das Problem sitzt. Besser gesagt, welche Übungen helfen könnten, Koordination und Gleichgewicht zu verbessern. Dadurch kann man das angestrebte Ziel eines lockeren und ausbalancierten Sitzes auch erreichen.

Testen und Re- testen ist das Prinzip, aus dem Erfolg entsteht.

Das ist auch der erklärte Weg durch den Wissensdschungel: Finde heraus, was der Reiter für ein Ziel hat, wo er hinmöchte und was ihm auf dem Weg dorthin fehlt. Dann zeige ihm die richtigen Übungen und teste nach, ob die Ausgewählten die Richtigen für den Weg zum Ziel sind.

Bis dahin war das Ganze für mich nichts Neues. Denn genau so arbeiten gute Physiotherapeuten. Besser gesagt kann man in der Arbeit mit Menschen nur etwas erreichen, wenn man weiß, wo sein Ziel ist. Dazu gehört, dass man sich einen Überblick darüber verschafft, was einem dabei im Wege stehen könnte. Auch im Mentaltraining ist das seit vielen Jahren eine gängige Praxis.

Neu hingegen sind die Tools und die Grundlagen auf denen das Üben basiert. Das Neuro-Athletik-Training bewährt sich seit einigen Jahren und das zurecht. Die Techniken basieren auf der menschlichen Neurologie und setzen am zentralen Nervensystem an. Deshalb bietet das Trainingsprogramm ein enormes Potential für Koordination und Gleichgewicht. Das sind die Hauptfähigkeiten, die Reiter brauchen, um leicht mit der Pferdebewegung mitkommen zu können.

Anders gesagt: wir sind unser Gehirn und unser Gehirn sind wir!

Alles was wir je in unserem Leben erlebt und gelernt haben, ist in unserem Nervensystem gespeichert. Dabei gibt es sowohl Erfahrungen, die einen bei unserem Ziel unterstützen und welche, die eher blockieren.

Aus der Kinesiologie und ähnlichen Ansätzen weiß man schon lange, dass frühere Erfahrungen einen das ganze Leben prägen. Und das ist auch beim Lernen so. Wenn man eine neue Sportart mit viel Stress und überbordenden Eindrücken lernt, wird man sie vielleicht nie besonders gut können oder gerne ausführen. Auch wenn man einen Unfall erlitten hat oder Verletzungen nicht besonders gut rehabilitiert wurden, werden Spuren zurück bleiben.

Und genau an dieser Stelle wird es spannend: Mit den Tests auf dem Kurs kann man herausfinden, welches Gelenk und welche Fähigkeit in Mitleidenschaft gezogen wurde, wenn es zu einer Dysfunktion gekommen ist.

Es gibt drei große Systeme in unserem Körper, die für eine gute Leistungsfähigkeit entscheidend sind:

Das sensorische System, das Feedback aus dem Körper an das Gehirn sendet. Das spielt in der Gesamtperformance eine kleinere Rolle, als man gemeinhin annimmt. Aber es ist wichtig und darf nicht unterschätzt werden. Wenn das Gehirn keine genaue Lagemeldung aus dem Körper empfängt, kann es seine Bewegungssysteme nicht auf eine Erfolgsspur schicken.

Als zweitwichtigstes System rangiert das vestibuläre System oder auch das Gleichgewichtssystem. Es ist eng mit den Funktionen des Innenohrs und der Augen verbunden. Wenn das System nicht intakt ist oder verbesserungswürdige Anweisungen an das Gehirn sendet, können Gleichgewichtsschwierigkeiten oder Schwindelgefühle auftreten. Wie der Name schon sagt liegt hier viel Potential, Koordination und Gleichgewicht auf dem Pferd zu verbessern.

Das dritte und zahlenmäßig überlegende System im Bereich der Bewegungssteuerung ist tatsächlich unser visuelles System. Dazu muss man verstehen, dass das Auge primär ein Sinnesorgan ist. Besser gesagt nimmt es Licht und Bewegungen über Rezeptoren in der Netzhaut auf. Diese senden Nervensignale in alle Bereiche des Gehirns, die für Koordination und Bewegung entscheidend sind. Dort werden die einlaufenden Informationen verarbeitet und abgeglichen. Daraufhin erfolgt die Bewegung. Die wird dann während der Ausführung nachjustiert und fein gesteuert.

Alles in allem ist das ein schnell ablaufender und faszinierender Prozess, der uns rund und leicht bewegen lässt.

Hakt es dagegen irgendwo in diesen Systemen und in der Gesamtverarbeitung steht unser Gehirn auf der Bremse. Dann wird die Bewegung hart und klein ausgeführt. Als Resultat ist unser Sitz eher fest und sieht verspannt aus.

Insgesamt hat sich die Teilnahme für mich gelohnt.

Overload an Wissen
Spannender Kurs mit viel Input

Mein Wissen in Bezug auf Koordination für Reiter hat sich deutlich erweitert. Ich kann nun andere Zusammenhänge sehen und habe erfahren, wie unsere körpereigenen Navigationssysteme zusammen spielen.

Das Interessante an diesem Seminar war die Kombination aus digitalen Inhalten und dem Modul im Präsenzformat. Neudeutsch nennt man das Hybridseminar. Leider kam es dabei zu Überschneidungen: Manches hörten wir mehrfach und Anderes kam zu kurz . Auch komplett neu in den Kurs aufgenommene Inhalte wurden in der letzten Phase des Kurses einfach zu schnell an großenteils überladene Köpfe adressiert.

Das ist ein bisschen schade. Denn insgesamt war es ein guter Kurs! Wir bekamen viele theoretische Hintergründe zu allen Aspekten, die für Koordination und Gleichgewicht auf dem Pferd wichtig sind. Auch hatten wir Zeit zu üben, die neuen Tools und Tests auszuprobieren.

Weiterhin waren die Kursteilnehmer spannend: Es waren erstaunlich viele Physiotherapeuten darunter genauso wie gute und erfolgreiche Reiter. So hatten wir morgens und abends eine ganze Menge Gesprächsstoff. Dazwischen rauchte uns allen der Kopf.

Also freue ich mich sehr, das Erlernte für mich zu sortieren und auch praktisch anzuwenden. Ehe ich alles drauf habe, wird bestimmt noch Zeit vergehen.

Doch eine ganze Menge aus dem Kurs wird beim Tag der Cleveren Reiter am 02.10.2021 zu sehen und zu hören sein. Beim Thema Einfach besser reiten mit Köpfchen geht es vor allem um die Grundfertigkeiten für Gleichgewicht und Koordination. Es wird ein bisschen Theorie zum Thema aber viel mehr praktische Übungen geben, mit denen man ansetzen kann, die Bewegungssteuerung zu verbessern. Dann klappt das auch mit dem eleganten Sitz auf dem Pferd.

Wer jetzt spontan Lust hat mitzumachen: es gibt noch Karten unter dem Link.

Wer da keine Zeit hat oder tiefer einsteigen möchte: Am 04.12.21 gibt es den Kurs Einfach besser reiten mit Köpfchen. Da werden wir uns den ganzen Tag mit Input und Output für einen ausbalancierten Sitz auf dem Pferd beschäftigen. Zu den Übungen gibt es dann entsprechende theoretische Erklärungen und ein ausführliches Skript, dass Ihr die Übungen zuhause selber machen könnt.

Einen allzeit lockeren Ritt wünscht,

Corinna von ReitClever

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