Hand in Hand zur körperlichen und geistigen Losgelassenheit

Körperliche und geistige Entspannung führen zur Losgelassenheit des Reiters und des Pferdes
Innere und äußere Losgelassenheit des Reiters

Wie war das doch gleich mit der Losgelassenheit von Reiter und Pferd?

Nur ein losgelassenes Pferd ermöglicht die Losgelassenheit des Reiters?

Oder ist das doch eher umgekehrt?

„Losgelassenheit beschreibt den Zustand, in dem ein Pferd mit schwingendem Rücken bereit ist, den Hals vorwärts abwärts zu dehnen. Es läuft in taktmäßigen Bewegungen ohne zu eilen vorwärts. Der Reiter kommt zum Treiben und zum Sitzen.“

Richtlinien für Reiten und Fahren der FN, Band 1

Dass man ein Pferd mit lösenden Übungen zur Losgelassenheit bekommt ist bekannt. Genau wie beim Reiter unterscheidet man zwischen innerer und äußerer Losgelassenheit.

Aber wie erreicht man denn die Losgelassenheit des Reiters?

In diesem Zusammenhang meint das Wort die Funktion „los- gelassen“. Dabei werden nur die Muskeln in dem notwendigen Ausmaß angespannt, die für die jeweilige Bewegung erforderlich sind. Alle anderen werden los- gelassen, also entspannt.

Nun ist es so, dass der Mensch jede Bewegung erstmal mit sogenannter Hyperaktivität erlernt: D.h. er aktiviert in der Lernphase alles, was möglich ist, um die Bewegung auszuführen. Je weiter man im motorischen Lernen vorankommt, desto mehr schafft man es, nur die Muskeln zu aktivieren, die für die Bewegung absolut notwendig sind. Besser gesagt wird auf neurologischer Ebene sämtliche Muskulatur gehemmt, die für die Bewegung nicht gebraucht wird. Nach 100 000 facher Wiederholung ist die Bewegung dann als Automatismus im Gehirn gespeichert.

Überlegen Sie mal, wie oft ein kleines Kind hinfällt und wieder aufsteht, ehe es laufen kann. Und wie krampfhaft es anfangs Dinge in seinen kleinen Fäustchen festhält.

Dementsprechend ist neurophysiologisch festhalten leichter als loslassen.

Deshalb ist Verspannung auch viel leichter als Entspannung. Gerade wenn es weh tut oder anstrengend ist. Übrigens gilt das für Mensch und Tier gleichermaßen.

Für den Reiter spielt zum Erreichen der Losgelassenheit der Sitz eine entscheidende Rolle. Nur wenn er auf dem Pferd seine Mittelstellung und seine eigene Balance gefunden hat, kann er los lassen. Und nur dann kann auch sein Pferd loslassen.

Sehr oft wird an dieser Stelle auf das körperliche Gleichgewicht verwiesen. Das ist richtig und wichtig. Genauso wichtig ist aber die geistige Verfassung. Denn ein Reiter im Stressmodus wird aus der Verspannung heraus kaum die Muskeln entspannen können, die zum weichen Mitgehen abspannen müssen.

Also gehen körperliche und geistige Losgelassenheit Hand in Hand. Genauso wie beim Pferd.

Wenn ein Reiter vom Pferd gefallen ist und sich weh getan hat, wird er danach mit angezogener Handbremse reiten. Auch Menschen, die auf dem Pferd das Gefühl haben, die Kontrolle zu verlieren, werden eher die Luft anhalten und die Zähne zusammenbeißen.

Daher beides Dinge, die ein Loslassen und lockeres Mitschwingen verhindern.

Also ist das mit der Losgelassenheit des Reiters gar nicht so einfach. Eigentlich weiß das jeder Reiter. Es gibt Tage, an denen es wie von alleine läuft. Andersherum Tage, wo man besser nicht aufs Pferd steigt. Weil man nicht aus seiner verspannten Haut kommt.

Nun wäre es eine schlechte Idee, den Kopf in den Sand zu stecken. Aufgeben und aufhören zu lernen ist selten eine gute Idee. Aber man kann sich der Verantwortung stellen und außerhalb der Reitbahn etwas für sich und sein Pferd tun.

Manchmal reicht es, sich 5-10 Minuten täglich mit dem eigenen Thema zu beschäftigen.

Und schon wird man in diesem Bereich besser. Je besser man seine Muskeln steuern kann, desto besser kann man sie entspannen. Genauso kann man lernen, sich bewusst zu entspannen.

Clever ist, das zuhause in Ruhe und ohne Pferd zu üben. Dazu gibt es zum Einen die 5 Übungsprogramme für einen besseren Sitz, für mentale Stärke oder für lockeres Weiterreiten. Wer es lieber ausführlicher mag, kann mit einfach besser reiten oder einfach mit Köpfchen reiten etwas mehr in die Tiefe gehen. Mit dem Programm einfach locker reiten kann man lernen, sich selber zur inneren Losgelassenheit zu bringen.

Dann gelingt das auch mit der Losgelassenheit des Reiters auf dem Pferd. Mit minimalem Krafteinsatz zum maximalen Erfolg.

Das ist das Ziel.

Ihres auch?

Dann legen Sie los- dafür lohnt es sich, ein bisschen zu üben finde ich.

Bis bald,

Corinna von ReitClever.

PS: Wer darüberhinaus Lust hat, mehr über die Losgelassenheit des Reiters zu lesen, kann in dem Artikel Tipps für einen besseren Sitz oder „Hand aufs Herz- Wie gut bin ich wirklich?“ tun.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.