Neigt Ihr zur Muskelverkrampfung auf dem Pferd?

Tipps und Bewältigungsstrategien, wenn man zu Muskelverkrampfungen auf dem Pferd neigt.
Reiten mit Angst ist häufiger als man denkt

Jeder kennt die Situation:

Man reitet entspannt durch den Wald. Vielleicht sogar im Schritt am hingegebenen Zügel. Da fliegt ein Vogel auf, springt ein Reh über den Reitweg. Oder schlimmer: Wildschweine plötzlich in Sichtweite.

Da ist es auf einmal schnell vorbei mit der Entspannung. Du reißt die Hände hoch, atmest ruckartig ein und befindest Dich in einer Ganzköper- Muskelverkrampfung auf dem Pferd. Die sich hinterher oft in Muskelkater äußert. Wenn Du Glück hast bist Du noch oben.

Genauso ist mir mal passiert, dass meine Stute in so einer Situation unter mir um 180 Grad gedreht hat.

Dabei bin ich normal geradeaus weiter geritten und auf beiden Füßen gelandet. Dann bin ich zu dem Pferd meines Mannes gerannt. Um es festzuhalten. Damit beide Stuten nicht ohne uns die Heimreise  antreten. Die Haffistute zappelte zwar und blieb unruhig. Aber ich konnte meine Schimmelstute wieder einfangen und weiter reiten.

Wenn es sich danach auch alles andere als entspannt anfühlte.

Am besten wäre ein flotter Trab oder Galopp im Anschluss gewesen, um die Spannung abzubauen. Aber das ging damals schlecht. Weil das der erste Ausritt in unserer neuen Umgebung war und wir die Wege nicht kannten. Und mein Mann damals erst Anfänger war. Auf dem Reitplatz und an der Longe war er sicher. Inwieweit er sich damals auf aufgeregtem Pferd gehalten hätte, wollte ich in einem fremden Wald nicht ausprobieren. So blieb meine Muskelverkrampfung auf dem Pferd. Und die Stute blieb angespannt im Schritt.

Also ist auch immer ein bisschen Scham dabei.

Wie peinlich wäre das gewesen, wenn die Pferde vor uns in unserem neuen Zuhause angekommen wären. Und wir dann viel später zu Fuß angelaufen wären.

Soweit denkt man in so einer Situation schon.

Mein Mann sagte hinterher: es sah aus wie in einem Comic: Das Pferd mit Dampfwolke vor den Nüstern in die Luft und ich als Jumper elegant in die Luft und dann senkrecht auf den Füßen gelandet. Ich wusste so schnell gar nicht, wie mir geschah. Ich habe nur das Reh gesehen, was uns auf dem engen Weg entgegen kam.

Die Schreckreaktion, die in so einer Situation abläuft, ist normal.

Sie ist als festes Programm in unserem Körper installiert, um uns vor Gefahr zu schützen. Dumm nur, dass unsere Anspannung und das Hochziehen der Hände die Fluchtreaktion des Pferdes verstärken. Vor allem das ruckartige Anspannen der Muskeln, die uns ermöglichen, vor Gefahr wegzulaufen.

Wenn alles gut geht, kommt man schnell wieder aus dem Schreck heraus. Man kann lernen, bewusst durchzuatmen und sich wieder zu entspannen. Die Muskelverkrampfung auf dem Pferd direkt wieder lösen ist die Strategie der Wahl.

Zur Beruhigung kann ich sagen, dass man das lernen kann.

Allerdings wird es schwierig, wenn nach einer Schrecksituation tatsächlich etwas passiert ist.

Zum Beispiel ist das Pferd durchgegangen und man bekam es nicht mehr angehalten. Oder man fiel herunter und hat sich wehgetan. Dann bleibt diese Schrecksekunde eingespeichert.

Sobald später in einer ähnlichen Situation etwas passiert, erinnert sich das Gehirn an den Schreckmoment und stellt den Körper auf Schutzreaktion ein. Kurze flache Atmung und Muskelverkrampfung auf dem Pferd sollen einen vor einem Angriff oder Sturz schützen.

Gut ist, wenn man das merkt. Dann kann man durch Atmung und Entspannungstechniken dagegen wirken. Deshalb sind regelmäßige Wahrnehmungsübungen wichtig, um automatisch abzurufen, wo man angespannt und wo man entspannt ist. Schwieriger wird es, wenn man zu Ängsten neigt und generell eher verspannt auf dem Pferd sitzt. Dann sollte man außerhalb der Reitbahn Entspannung üben und seiner Angst auf den Grund gehen.

Ein anderer Grund für eine Muskelverkrampfung auf dem Pferd kann eine Muskelschwäche sein.

Wenn man zu schwache Bauchmuskeln oder rückwärtige Beinmuskeln hat, ist das ein Kraftproblem. Kurzfristig kann man die Spannung halten, die fürs vorwärts treiben notwendig ist. Da wir aber meist länger auf dem Pferd sitzen und über eine längere Zeit treiben, wenn wir mit dem Pferd arbeiten, ist Ausdauer gefragt.

Die gute Nachricht ist, dass man Muskeln gut trainieren kann. Mit relativ wenig Aufwand kann man täglich 5 Minuten investieren, um die entsprechenden Muskeln fit zu bekommen.

Man muss es nur tun.

Andererseits kann man Stressreaktionen auch gut auflösen, um wieder angstfrei zu reiten. Zugegebenerweise dauert das länger als 5 Minuten. Aber der Aufwand lohnt sich. Weil man dann wieder entspannt und ohne Muskelverkrampfung auf dem Pferd den Ritt genießen kann.

Einen entspannten Ritt wünsche ich Euch!

Corinna von ReitClever.

#angstfreireiten

#losgelassenheitfuerreiter

#gluecklichreiten

#reitenverbessernohnezureiten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.