Neue Denkweise gefordert, Neues von ReitClever August 2021

Neue Denkweise beim Tag der Cleveren Reiter am 02.10.2021

Vor kurzem war ich in der Landesreitschule Berlin zu einer Fortbildung. Ich hatte mich darauf gefreut, denn von der Dozentin hatte ich schon eine ganze Menge gehört. Auch das Thema Sitzschulung ist ein Steckenpferd von mir. Daher war ich gespannt auf den neuen Input.

Leider hielt die praktische Demonstration lange nicht das, was die Ankündigung versprach. Sicher ist es schwer mit fremden Pferden und Reitern zu arbeiten und dann für einen AHA Effekt zu sorgen. Doch ist es eigentlich das, was man von einem Ausbilder erwartet, der viel Praxiserfahrung hat.

Wenn man allerdings in der Demo nur feststellt, dass die Reiter genau in den Sitzprothesen mit den breiten Steigbügeln sitzen, die man vorher verurteilt hat, wäre vielleicht eine neue Denkweise gut gewesen. Beispielsweise überlegen, improvisieren und aus dem reichen Erfahrungsschatz schöpfen. Dann hätte mancher Teilnehmer vielleicht etwas mitgenommen und der Funke wäre über gesprungen. Stattdessen wurde bei allen drei Pferden eine unstete Anlehnung festgestellt und fortan mussten sie Runde um Runde in einer stabilen Anlehnung laufen. Nur ein Pferd konnte das in der Kürze der Zeit umsetzen und begann mit einer schöneren Halsung zu laufen. Allerdings wie die beiden anderen hinter der Senkrechten und mit dem Genick weit vom höchsten Punkt entfernt.

Natürlich kann man das kurzfristig tolerieren, um dem Pferd den richtigen Weg zu zeigen. Aber doch nicht in einer Fortbildung, die den Namen Sitzschulung mit dem Ziel einer pferdegerechten Ausbildung trägt. Als ich den Pferden ins Gesicht geschaut habe, wäre ich am liebsten aufgestanden. Sicherlich kann man im großen Sport viel unglücklichere Augen sehen. Aber keins von den Dreien hatte auch nur einen Funken Spaß bei dem rundenlangen Gehen in Anlehnung. Mir taten Pferde und Reiter leid, die sich bemühten, aber augenscheinlich nicht die Tipps bekamen, die sie sich erhofften.

Als ich mich danach mit Jemandem darüber unterhalten habe, wurde mir klar, dass diese Reiterei nicht mehr Meine ist.

Eine neue Denkweise hat bei mir anscheinend schon lange Einzug gehalten. Dabei bin ich weit davon entfernt, reiten als Tierquälerei zu empfinden. Das Gegenteil ist der Fall. Ein Pferd wird umso schöner, je mehr man sich mit ihm beschäftigt. Auch wird es stolzer, wenn es die richtigen Muskeln bekommt und den Reiter mit Freude trägt. Das passiert nicht von alleine, sondern ist mit viel Arbeit verbunden.

Doch ich schaue inzwischen anders und setze an anderen Schnittstellen an. Der Mensch da oben ist der entscheidende Punkt in der Konstellation Pferd – Reiter. Er entscheidet, wo es lang geht und wie man das (gemeinsame) Ziel erreicht. Auch sein Wille zum Durchhalten ist entscheidend.

Genau damit hat mich letztes Wochenende ein Langstreckenfahrer beeindruckt, der 1998 in Sachsen Anhalt aufgebrochen ist, um im Jahr 2000 bei den Olympischen Spielen in Sydney anzukommen. Fünf Jahre war er mit dem Fahrrad unterwegs. um hin und zurück zu kommen. Inzwischen hat er 115 Länder mit dem Fahrrad durchquert. Was für eine innere Stärke, was für einen Willen!

Als ich ihn fragte, wie es für ihn war, ganz alleine loszufahren, sagte er, er hat damals vor der weißrussischen Grenze gestanden und lange überlegt, ob er tatsächlich durch fährt. Bis dahin hatten ihn ein paar Freunde gebracht, die dann durch Polen wieder nachhause geradelt sind.

Aber er hat es getan und kann jetzt beeindruckende Dinge erzählen!

Dass man sich unterwegs nicht immer waschen kann ist eher Beiwerk. Aber die Aussagen in seinen Nebensätzen haben gesessen. Wie man mit dem Geld haushalten muss, um anzukommen. Wie wenig Nahrung und Kleidungsstücke man tatsächlich braucht und wie sehr unsere Lebensweise unserem Planten schadet. Der tägliche Wasser- und Energieverbrauch ist nur ein Aspekt davon.

Recht hat er. Überall sind neue Denkweisen gefordert.

Und das ist nicht erst seit dem Auftreten des Wortes mit dem großen C so. Vielmehr denke ich, dass die momentane Zeit der Ausdruck dafür ist, dass Umdenken und Umstrukturierungen lange überfällig sind. In den Nachrichten kann man hören, dass der Golfstrom beginnt sich abzuschwächen. Die Klimaerwärmung nimmt schneller Fahrt auf, als man noch vor kurzer Zeit angenommen hat. Eigentlich müsste einem himmelangst werden und man müsste sein Handeln sofort überdenken und komplett neu auszurichten. Aber dazu ist das Ganze anscheinend zu wenig erfassen und man schiebt die Schuld daran lieber Anderen zu.

Genau wie auf dem Fahrrad ist auf dem Pferd der entscheidende Ausrüstungsgegenstand der Mensch, der oben sitzt. Das Fahrrad, mit dem mein Gesprächspartner seine erste lange Tour unternahm, hatte noch nicht mal eine Gangschaltung. Trotzdem ist er angekommen und hat Dinge gesehen, von denen die meisten Menschen noch nicht einmal träumen. Auch die Ausrüstung des Pferdes ist viel weniger entscheidend als der Mensch, der sich dort oben versucht, auszubalancieren. Selbstverständlich sollte der Sattel Pferd und Reiter passen. Aber je weniger Schnick Schnack und Bling Bling desto besser.

Der entscheidende Punkt, etwas zu verändern, liegt immer bei einem selbst.

Nur wenn man bereit ist, an seinen eigenen Fähigkeiten zu arbeiten, wird man einen gemeinsamen guten Weg mit dem Pferd finden. Kein Meister ist vom Himmel gefallen. Das ist auch nicht schlimm. Aber der Wille, sich anzupassen und den Weg erfolgreich zu gehen ist entscheidend.

Eine neue Denkweise kann einem dabei helfen, wenn man sich über das Ziel klar ist. Wenn ich weiß, dass ich nach Sydney möchte, ist es wenig sinnvoll, nach Sylt aufzubrechen. Auf der Route kann ich mir dann alle Unterstützer suchen, die ich auf dem Weg dahin benötige. Der eine braucht beim Reiten eher Dehnfähigkeit, der andere Koordination, der Dritte Sicherheit. All das ist mit regelmäßigem Training machbar. Und das kann man sich individuell gestalten. Eine neue Denkweise macht sogar spielerisches Arbeiten möglich.

Wenn es bei Dir um lockeres und leichtes Reiten geht, habe ich ein Angebot für Dich. Am 02.10.2021 findet bei mir auf dem Hof der Tag der Cleveren Reiter statt. Da ich momentan in der Ausbildung zum Neuro-Rider® bin, ist das natürlich das vorherrschende Thema. Es geht darum, wie Du Deine Bewegungen auf dem Pferd besser steuern kannst. Und wie Du Deine körpereigenen Systeme nutzt, damit Du balanciert und locker auf dem Pferd sitzt. Dieses Thema werde ich Ende der Woche beim VdD Reiterlager in Schünow mit einer Gruppe von Reitern erarbeiten.

Dagegen geht es am 02.10.21 eher um Übungen, die man überall ohne Pferd machen kann, um später besser reiten zu können. Dabei werde ich von einer langjährigen, hoch geschätzten Physiotherapie – Ausbilderin unterstützt, die Schwieriges sehr einfach und plastisch erklären kann.

Selbstverständlich ist auch Beate Petrick wieder dabei. Sie hat ihren Fokus schon vor langer Zeit auf das pferdegerechte Training mit Spaß und Motivation fürs Pferd gesetzt. Passend zum Thema „Reiten mit Köpfchen“ wird sie uns erklären, warum es für die Ausbildung wichtig ist, ob das Pferd rechtshirnig oder linkshirnig ist. Ich bin mir sicher, dass der eine oder andere Teilnehmer diese neue Denkweise als Geschenk annehmen kann.

Wer Lust hat mitzumachen: Bis morgen gibt es noch den Frühbucherpreis auf das Tagesticket.

Unter dem blauen Link (draufklicken) bekommt Ihr 15€ Rabatt auf den Kurspreis.

Ich freue mich sehr auf den Tag!

Übrigens bin ich selbst auch gerade über meinen Schatten gesprungen. Obwohl ich eigentlich ein bekennender Smartphone Blödfinder bin und das bisher nur widerwillig benutzt habe, habe ich mir letzte Woche ein kleines I- Phone gekauft. In rot ! 🙂 Dunkelblau gab es in dieser Version nicht, das wäre für mich noch besser gewesen. Und ich habe mich gestern Abend tatsächlich hingesetzt und es selber eingerichtet.

Sonst überlasse ich technische Dinge gerne meinem Mann. Aber nun möchte ich verstehen, was ich da tue. Ein anderes Betriebssystem- „au wei“ dachte ich zuerst. Aber es ist gar nicht so schlimm wie ich dachte. Es funktioniert sogar so, dass ich es ganz alleine hinbekommen habe. So überrascht auch mich meine neue Denkweise. Sobald man bereit ist, sie anzunehmen, läuft sie ganz von alleine.  Allerdings habe ich die von mir wirklich ungeliebte Whats App ignoriert.

So bin ich in Zukunft „nur“ über Signal, SMS, Facebook Messenger und wahrscheinlich bald über Threema zu ereichen. Für die meisten Zwecke finde ich Mails nach wie vor die beste Art der Kommunikation. Die kann man zeitenunabhängig schreiben und beantworten. Einverstanden, für die Fotoübertragung eignen sich Mails nicht so gut.

Auch dusche ich seit dem Gespräch mit dem Fahrradfahrer nicht mehr jeden Tag warm. Kalt an den wichtigen Stellen nach dem Aufstehen waschen macht wach. Das habe ich schon einmal festgestellt als ich das 21-Tage Programm zum besseren Reiter geschrieben habe. Ich habe lange Zeit jeden Morgen erst heiß geduscht und dann kalt beendet. Aber irgendwann habe ich damit aufgehört.

Nun bin ich deutlich wacher morgens und in besserer Laune am Frühstückstisch 🙂

Probiert es mal aus: Ihr werdet staunen zu was Ihr alles fähig seid!

Einen schönen Altweibersommer wünscht,

Corinna von Reitclever

One thought on “Neue Denkweise gefordert, Neues von ReitClever August 2021

  1. Danke für den Kommentar. Auch ich habe angesprochen, daß ein Pferd mit der Nase hinter der Senkrechten läuft.
    Die Streckung des Halses beim Westernreiten wird als „Hippyreiterei“ abgetan, die angeblich viele Pferde ruiniert. Aber sind nicht viele Pferde hier auch mit Schmerzen unterwegs, weil sie sich nie dehnen dürfen für eine „schönere Halsung“? Eine gesunde Selbsthaltung kommt doch von hinten. Mehr Freiheit fürs Pferd.

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