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Fit fürs Pferd? Umdenken kann eine Lösung sein!

Umdenken kann eine Lösung sein: Beidhändigkeit des Reiters
Beidhändigkeit des Reiters

Neulich bei mir in der Küche: Eine Reiterin der alten Schule, die seit einiger Zeit ein junges, begabtes, aber elektrisches Pferd hat, und ich sitzen auf einen Kaffee zusammen.

Beim Gespräch erzählt sie, dass ihr linkes Knie beim Aufsteigen große Probleme macht. Es hat mehrere Traumen und Menikusschäden hinter sich. Auf unebenem Untergrund sackt es manchmal weg und ist muskulär wenig stabil.
Dadurch entwickelt sie langsam Angstgefühle dabei.

Wenn das Gehirn Muskeln abschaltet, um Schaden von einem Gelenk abzuwenden, redet man in der Medizin von Schmerzhemmung.

Als ich sie frage, warum sie nicht mit dem rechten Bein aufsteigt, ist sie sekundenlang still. Sie schaut mich mit großen Augen an.

„Das ist ja die Lösung!“ sagt sie. „Von rechts aufsteigen“ mit einem seligen Lächeln“. Auf den Gedanken war sie selbst nicht gekommen.

Manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht.

Umdenken kann eine Lösung sein. Wir „alten Reiter“. die noch von Reitlehrern der Kavalleriezeit ausgebildet wurden, sind nun mal von links aufgestiegen! IMMER!

Von Beginn an wurden die althergebrachten Herangehensweisen automatisiert. So kommt man gar nicht auf den Gedanken, sie in Frage zu stellen.

Als ich 2002 die Reittherapieausbildung gemacht habe, begann sich gerade ein Fokus auf gesund erhaltene Handarbeit von Pferden herauszubilden. Da Patienten vielfältige Einschränkungen haben muss ein Therapiepferd von rechts und von links zu dirigieren sein.

Inzwischen wissen Reiter viel mehr über Biomechanik und Gehirntätigkeit von Pferden.

Insofern ist es gut für die Geraderichtung des Pferdes, wenn man von links UND von rechts arbeitet und aufsteigt. Für die Wirbelsäule des Pferdes ist es wegen der hohen Rotationsbelastung beim Aufsteigen sogar eine gute Idee. Eine noch Bessere ist es, eine Aufstiegshilfe zu benutzen. An die das Pferd dann von rechts und von links herantreten lernt.

Auch für den Reiter lohnt es sich, auf „Beidhändigkeit“ zu achten.

Wie viele Reiter putzen ihr Pferd immer mit derselben Hand?

Wenn Striegel und Kardätsche in der jeweils anderen Hand liegen, ist es erstmal komisch.

Daher gilt: Umdenken kann eine Lösung sein. Irgendwann haben wir alle mal das eine oder andere Wehwehchen. Von dem wir glauben, dass es uns nur bedingt einschränkt .Aber genauso wie das Pferdegehirn ist unser Gehirn ist ein Meister im Schaffen von Kompensationsmechanismen.

Daher ist es gut, ein lädiertes Gelenk eine Weile zu entlasten und übergansweise mit der anderen Seite zu hantieren. So kann das Gelenk heilen.

Wenn man Dinge immer gleich macht, wird die eigene Schiefe immer größer.

Daher ist es sinnvoll, bewusst die schwächere Seite für ungewohnte Dinge einzusetzen.

Dann hat das Gehirn zu tun. Es muss umdenken und neue Wege finden. Dementsprechend müssen auch andere Muskeln arbeiten und man trainiert sie gleich dabei.

Und „Rücken“ entsteht vor allen Dingen durch ungleichmäßige Belastung. Beim Menschen und beim Pferd.

Also entwickeln Sie Ideen für neue Herangehensweisen. Für Ihre Gesundheit und die Ihres Pferdes.

Umdenken kann eine Lösung sein. Sowohl für das Lösen bestehender Probleme als auch dafür, dass erst gar keins entsteht.