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Wenn Kinder lernen, über sich hinaus zu wachsen

Pferde schulen die Fähigkeit, über sich hinaus zu wachsen
Ein Spaziergang in netter Runde

Kurz vor dem Jahreswechsel hatte ich ein schönes Erlebnis. Ich besuchte ehemalige Kursteilnehmer bei ihren Pferden und wurde dabei Zeuge, dass Ängste überwinden und dabei über sich hinaus zu wachsen möglich ist!

Erinnert Ihr Euch noch an das kleine Drama beim Pferdeführerschein Umgang Kurs im September 2019? Wo eine schüchterne junge Dame im strömenden Regen mit Ihrer Angst konfrontiert wurde, von der deutlich größeren Luna getreten zu werden? Sie hatte als kleines Kind diese Erfahrung gemacht und der starke Tinker ihrer Mutter ließ dieses Erlebnis manchmal wieder hochkommen.

So war Selbstvertrauen im Umgang Pferden eher eine Fähigkeit, die ihre etwas ältere Schwester zeigte. In dem Moment war es schwierig, sie rein sachlich von der Ehrlichkeit des Pferdes zu überzeugen. Das Mädchen wollte in dieser praktischen Übungseinheit nicht mehr an das Pferd heran. Darüber hinaus waren die äußeren Umstände wenig einladend: es regnete in unaufhörlich in Strömen und irgendwann waren alle durchgefroren.

Die Rettung ging damals von den anderen Kursteilnehmern aus. Sie waren eine tolle Truppe und halfen sich untereinander, wo es ging. Das unterschiedliche Niveau spielte überhaupt keine Rolle. Die Starken halfen den Schwächeren. Auch bei diesem schwierigen Praxisteil stellten sich die Älteren geduldig zur Verfügung, damit das Mädchen ohne Pferd üben konnte.

Die Gruppe ist per Whats App heute noch in Kontakt und besucht sich untereinander.

So auch am 30.12.21. Ein Termin den ich zufällig mitbekam und an dem ich beschloss, mal vorbei zuschauen. Treffpunkt war der Hof, auf dem zwei erfahrene Reiterinnen dem Mädchen halfen, ihre Ängste zu überwinden. Sie stellten das hofeigene Shetlandpony zur Verfügung und übten mit ihr einen Nachmittag lang alles, was zum Pferdeführerschein dazu gehört.

Das führte dazu, dass die Prüfung überhaupt kein Problem war. Die Beiden und das Pony haben Wunder bewirkt. Es war, als hätte es diesen schwierigen Nachmittag gar nicht gegeben, so souverän lief das Sorgenkind mit Luna über den Reitplatz. Alle haben gejubelt, als das geschafft war. Ich bekomme heute noch Gänsehaut, wenn ich an diesen Moment denke. Weil alle mitgemacht und mit gefiebert haben, ist mir diese Prüfung unter die Haut gegangen.

So war es für mich letzte Woche schön zu sehen, dass das Mädchen nicht nur körperlich sehr gewachsen ist. Sie ist seit der Prüfung regelmäßig auf dem Hof und arbeitet mit dem Shetlandpony. Es war toll zu sehen, wie groß sie geworden: Nicht nur ihre Beine sind in die Länge geschossen- sie hat einen riesigen Entwicklungssprung gemacht und geht mit dem Pony um, als hätte sie nie etwas anderes gemacht. Und die Liebe beruht auf Gegenseitigkeit.

Solche glücklichen Zufälle und Rahmenbedingungen gibt es natürlich nicht überall.

Aber die Fähigkeit, über sich hinaus zu wachsen kann man lernen.

Wenn es hakt oder man eine Erfahrung gemacht hat, die in der Folge Angst macht, kann man genau dort ansetzen. Man kann ihr ins Gesicht schauen und lernen, die dahinter liegenden Mechanismen zu verstehen. Denn Angst ist eigentlich etwas Gutes. Sie schützt vor Gefahr. Nur wenn sie überhand nimmt und man sie immer in denselben Situationen erlebt, wird sie zur Belastung.

Im Kurs „Einfach besser Reiten trotz Angst“ kann man erfahren, was beim Angstgeschehen im Gehirn geschieht und mit welchen Übungen man das integrieren kann. Sobald man versteht, was in dem eigenen Körper passiert, kann man die Angst auch überwinden.

Damit ebnet man sich die Fähigkeit, über sich hinaus zu wachsen und irgendwann wieder aufzusteigen. Der Kurs findet coronakonform statt. Wer Lust hat, mitzumachen: es gibt noch freie Plätze. Informationen und Anmeldung unter dem Link.

Bis vielleicht dahin und einen guten Start ins neue Jahr

wünscht Corinna von ReitClever