Schlagwort: Gleichgewicht und Reiten

Myo-Fasziales- Training

Thema beim Myo- Fazialen_ Training sind Muskeln und Faszien
Wunderwelt der Faszien

Am Sonntag war ich bei einer Fortbildung zum Thema „Myo- Fasziales-Training“ im Landessportbund Berlin. Bei 38 Grad im Schatten, am bisher wärmsten Tag des Jahres 2022, war die Motivation nicht so besonders hoch.

Doch der fachlich sehr fundierte Dozent hat das schnell verändert: Nach einem kurzen Überblick legte er mit einem ausgeklügelten Programm für Myo- Fasziales- Training los. Er setzte auf dynamische Steigerungsformen, die mich mehr als einmal an den Punkt brachten, wo mein Gehirn nur noch „hä?“ fragte. Für manche Bewegungsmuster hat man einfach kein Programm, wenn man so etwas nicht regelmäßig macht. „Hast Du noch keine Bahnen für, oder?“ fragte er dann lächelnd und erklärte, dass die sich im Gehirn erst ausbilden, wenn man abseits der gewohnte Wege Neues übt.

Genau das machte den Tag aus.

Über die Kombination von Koordination und Bewegung bekam man einen guten Zugang zu seinem Körper. Auch wurde neben der Beweglichkeit das Gleichgewicht enorm gefördert. Also all das, was man für gutes Reiten braucht. Im Anschluss war es ein schönes Gefühl, einmal durchgearbeitet und doch irgendwie locker zu sein. Muskelkater habe ich trotz der teilweise sehr anspruchsvollen Übungen nicht bekommen.

Ich bin schon lange Physiotherapeutin. In diesem Rahmen bekomme ich dieses Thema immer wieder präsentiert. Seit einiger Zeit werden Faszien für Schmerzen und Bewegungsprobleme verantwortlich gemacht, und zwar beim Reiter genauso wie beim Pferd. Spätestens seit dem Aufkommen der Franklin Bälle im Reitunterricht kennen viele Reiter diese zarten Strukturen.

Tatsächlich ist dieses spezielle Bindegewebe in unserem gesamten Körper vorhanden. Es umgibt nahezu jede Struktur des Körpers und gibt ihm seine spezifische Form. Organe haben genauso wie Muskeln, Muskelstränge, Bänder und Sehnen eigene Faszien. Wie ein Fischernetz sind sie alle miteinander verbunden. Insofern kann man sich vorstellen, dass eine Irritation oder Verhärtung in einem Bereich andere Strukturen des  Körpers beeinflusst. Gerade nach Verletzungen oder Operationen verkleben diese feinen bindegewebigen Häute und sorgen für einen Funktionsverlust. Flüssigkeitsaustausch und das Verschieben der Strukturen gegeneinander können an dieser Stelle in der Folge nur noch eingeschränkt stattfinden. Durch eine hohe Dichte an Schmerzrezeptoren aufweisen bewirken dortige Funktionseinschränkungen fast immer Bewegungsstörungen in Muskeln und Gelenken.

Hier ein paar Fakten zum Thema Myo- Fasziales- Training

Dr. Robert Schleip, der  “Faszienpapst”, stellte fest, dass Faszien sich bei Stress zusammenziehen. Da sie viele Rezeptoren in sich haben, melden sie unserem Gehirn Schmerzen, wenn man verspannt ist oder ungünstige Bewegungsabläufe nutzt.

Dauerhafter Stress oder ungünstige körperliche Belastungen führen zu Verhärtung und Verfilzung der Faszienzüge. Muskelverspannungen oder Bewegungsmangel führen zu einem Lymphstau im Bindegewebe, was zu einer Verklebung der Verschiebeschichten führt. Gerade nach Bandscheibenvorfällen und anhaltenden Schmerzzuständen des betroffenen Nervengewebes wird dieser Vorgang bedeutsam: Als Nervengleitmobilisation kann man eine wirksame Schmerzlinderung erreichen und wieder Beweglichkeit schaffen.

Da Faszien überall in unserem Körper zu finden sind, hat dieses Bindegewebe im Körper kein Anfang und kein Ende. Durch dieses Geflecht von nahtlos ineinander übergehenden Häuten kann eine Entzündung am Fuß Auswirkungen auf eine die gegenüberliegende Schulter Körper haben. Verliert ein Gewebe an Flexibilität und Bewegungsfähigkeit, kommt es zu Verspannungen, Schmerzen oder auch chronischen Beschwerden durch Nervenverklebungen. Wenn sich Faszien verkürzen und verhärten, werden gut dehnbare Elastinanteile abgebaut und durch zähes, kaum dehnbares Kollagen ersetzt. Die Grundspannung des Körpers erhöht sich und man wird unbeweglicher. Die verminderte Gleitfähigkeit grenzt den Bewegungsspielraum von Muskulatur und Gelenken oft auch schmerzhaft ein.

Auch Stress verklebt Faszien.

Wenn man dauerhaft im Stressmodus durchs Leben geht, verliert man irgendwann die natürliche Aufrichtung. Man wird krummer und bewegt sich irgendwie hart. Durch die nachlassende Flexibilität steigt die Verletzungsgefahr. Denn Faszien stehen in direkter Verbindung mit unserem vegetativen oder autonomen Nervensystem. Es heißt so, weil es lebenswichtige Körperfunktionen weitgehend selbstständig regelt. Dazu gehören Atmung, Verdauung, einzelne Organe und auch die inneren Augenmuskeln.

So beeinflusst es auch die Spannung der Faszien. Gelassenheit senkt die Körperspannung, Stress dagegen erhöht die Grundspannung im Gewebe. Andersherum funktioniert dieser Mechanismus auch: Stehen die Faszien unter hoher Spannung, fühlt man sich gestresst und findet innerlich keine Ruhe. Schlechter Schlaf durch mangelndes Abschalten sind die Folge.

Verlernt man, sich auf der Ebene der Muskeln und Faszien zu entspannen, verselbständigt sich die Spannungserhöhung. Myo- Fasziales- Training reduziert also auch körpereigenen Stress. So kann man wieder ruhig und tief Durchatmen und fördert die eigene Entspannung. Weil man wieder in einen erholsamen Schlaf kommt, beginnt ein positiver Kreislauf

Faszien sind beeinfluss- und trainierbar.

Das habe ich am Sonntag deutlich gespürt. Also ist Myo- Fasziales- Training sehr geeignet, wenn Du Dich und deinen Reitstil dauerhaft verbessern möchtest. Davon profitiert auch dein Pferd!

Dokumentation “Geheimnisvolle Welt der Faszien”

Auf Youtube findest Du eine schöne Dokumentation zum Thema. Der Film „Geheimnisvolle Welt unter der Haut“ erhält viele relevante Informationen über die Wirkweise von Faszien.

Kürzer zusammengefasste Trainingstipps findest Du hier: https://www.functional-training-magazin.de/myofasziales-training-endlich-schmerzfrei-bewegen/.

Wenn Du in deiner Umgebung jemanden findest, der Myo- Faciales- Training anbietet, lautet klare Empfehlung von mir, das auszuprobieren!

Diese dynamischen Übungen beeinflussen Koordination und Gleichgewicht genauso wie die Elastizität der Bewegungssysteme. Mit Bällen, Rollen und Stäben werden am Ende eine Einheit Verklebungen aufgespürt und aktiv gelockert. Danach fühlt man sich definitiv besser in Form, lockerer und auch ausbalanciert. Beste Voraussetzungen für einen guten Ritt!

Viel Spaß beim Ausprobieren,

Corinna von Reitclever

#besserreiten

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Neue Kurse in den Sommerferien 2021

Neue Kurse in den Sommerferien 2021
Neue Kurse in den Sommerferien 2021

Alle sind irgendwie in Sommerlaune. Der Urlaub ist in greifbarer Nähe und das strahlende Sommerwetter lädt geradezu ein, am Badesee zu chillen. Viele haben so lange darauf gewartet, wieder Essen gehen oder in den Urlaub fliegen zu können, dass sie das nun mit Begeisterung tun.

Deshalb ist die Kursplanung zu den Sommerferien 2021 eine Herausforderung. Entweder sind Interessenten verreist, eingeladen oder haben die Kinder mit den Großeltern in den Urlaub geschickt.

Trotzdem wird es in diesen Sommerferien 2021 zum ersten Mal einen Pferdeführerschein Umgang nur für Kids geben.

Wir treffen uns vom 26.07.2021 bis zum 29.07.21 jeden Tag von 10:00- 16:00. Dabei werden wir die Prüfungsinhalte kindgerecht erarbeiten und uns ein paar schöne Tage machen. Am 30.07.2021 können die Teilnehmer dann bei der Prüfung zeigen, was sie alles gelernt haben.

Das wird nett- Ich freue mich schon. Unter diesem Link könnt Ihr Eure Kinder anmelden: es gibt noch freie Plätze.

Der letzte Kurs hatte im Juni gut vorgelegt. Wie immer hatten wir  eine bunte Mischung von Teilnehmern: Kinder und Jugendliche mit viel und wenig Pferdeerfahrung, Reiterinnen mit und ohne eigenes Pferd. Auch gab es  einen Quotenmann, der später den gewerblichen Kutschenführerschein machen möchte.

Tolle Motivation, alles Gezeigte gut zu lernen und abzuspeichern.

Besonders nett fand ich, dass zwei Teilnehmerinnen den Kurs belegt haben, weil sie sich eine eigenes Pferd kaufen möchten. Besser gesagt wollten sie sich vorher informieren, was sie alles beachten müssen und worauf es ankommt, wenn man für ein eigenes Pferd verantwortlich ist.

Diese Denkweise finde ich richtig gut. So gab es bei der Abschlussfeier nicht nur die bestandene Prüfung sondern auch den Kauf einer Stute zu feiern. Die andere Absolventin konnte letzte Woche einen Kaufvertrag unterschreiben und freut sich riesig darüber.

Insgesamt waren es herausfordernde Samstage. Wir alle hatten mit dem Wetter genauso zu tun wie die Pferde mit den Bremsen. Zwei praktische Übungseinheiten mussten bei knapp 30 Grad in der Sonne statt finden, obwohl wir die schon auf den kühleren Vormittag gelegt hatten. Zur Abwechslung war der zweite Kurssamstag dann von Gewitter und Regen begleitet. Aber wir haben das Beste draus gemacht und das Pensum locker und im vorgegebenen Zeitplan geschafft.

Wer jetzt Lust bekommen hat: Für den Durchgang im September sind noch zwei Plätze frei geworden. Informationen und Anmeldung unter dem blauen Link.

Meinem Gefühl nach gibt es immer mehr Reiter und Reiterinnen, die ihren Wissensdurst mit entsprechenden Kursen stillen wollen. Zum einen wollen sie mehr vom Pferd erzählt bekommen und zum anderen wollen sie ihre eigenen körperlichen Fähigkeiten fürs Pferd verbessern. Beides ist wichtig und kommt in meinen Kursen nicht zu kurz.

Momentan bin ich in der Zusatzausbildung zum Neuro-Rider®: so fließt das Wissen des Neuro-Athletik-Trainings von Lars Lienhard auch in meine Kurse in den Sommerferien 2021 ein.

Das von mir viel beachtete Gleichgewicht hängt tatsächlich auch von der Qualität der Informationen ab, die das Gehirn aus der Peripherie bekommt.

Wusstet Ihr, dass die Gleichgewichtsreaktion eine der komplexesten Fähigkeiten unseres Körpers ist?

Wenn es richtig zur Sache geht sind nicht nur fast alle Muskeln des Körpers beteiligt, sondern auch eine ganze Menge Hirnbezirke.

Daher ist es für Reiter wichtig, sich mit dem Gleichgewicht zu beschäftigen. Da Pferde manchmal blitzschnell in eine andere Richtung unterwegs sind als man geplant hat, spielt die eigene Balance eine wichtige Rolle für sicheres Reiten. Jeder Reiter hat ein mehr oder weniger gut ausgeprägtes Bewegungsgefühl für den eigenen Körper. Zudem hat er eine hoffentlich Vorstellung von der gemeinsamen Bewegung mit dem Pferd.

Beides muss er mit der Pferdebewegung zusammen bringen, damit es ein harmonischer Ritt wird.

Jede Richtungsänderung und jeder Tempowechsel stellt diese Fähigkeit auf eine Probe. Denn klaffen die Bewegungsvorstellung von Reiter und Pferd auseinander, müssen sich beide miteinander arrangieren. Wenn es zu einer Fluchtreaktion des Pferdes kommt, entscheiden mitunter Bruchteile von Sekunden, ob der Reiter oben bleibt oder das Pferd verliert.

Schauen wir also mal genauer hin: Wir brauchen drei Fähigkeiten.

Zuerst muss das Gehirn auf den Reiz des Pferdes reagieren. Dazu braucht es Informationen aus dem Körper, die ihm die Pferdebewegung und den Zustand des eigenen Körpers vermitteln.

Aus diesen Informationen filtert das Gehirn alles Wichtige für die geplante Bewegung heraus: es muss alle eingehenden Infos verarbeiten. Damit plant es eine Aktion oder Reaktion.

Zuletzt schickt es Signale an den Körper, damit die entsprechenden Muskeln reagieren können.

Faszinierend finde ich, dass das Ganze in Bruchteilen von Sekunden stattfindet. Diese Reaktionen sind bei uns gut ausgereift, weil wir auf Überleben programmiert sind. Während der letzten Jahrtausende hat sich das menschlichen Gehirn dahingehend weit entwickelt.

Doch nur wenn man sich sicher fühlt, kann man ein reagieren.

Dann kann man seine eigenen Bewegungen präzise und koordiniert an die des Pferdes anpassen.

Dagegen wird holprig, sobald man sich unsicher fühlt. Auf Grund eines Sicherheitsprogramms des Gehirns werden Muskeln angespannt, um den Körper zu schützen. Dabei bleibt die Feinsteuerung auf der Strecke. Man fühlt sich verspannt und unsicher. Erfolg und Sicherheit auf dem Pferd bleiben aus.

Damit das Gehirn gute Gleichgewichtsreaktionen schalten kann, nutzt es vor allem Informationen aus den Augen. Weiterhin bekommt es Input aus dem Gleichgewichtsorgan und der Peripherie des Körpers. Deshalb ist es eine gute Idee, neben den Muskeln auch Sensorik und Augenfunktionen zu trainieren. Das kann man beispielsweise mit Blickwendetechniken tun. Denn je besser das Gehirn die Signale der Augen verarbeiten kann, desto präziser kann es die Anweisungen an den Körper steuern.

Um diese genaue Informationsverarbeitung und wie man darauf aufbauend sein Gleichgewicht trainieren kann geht es in dem Kurs “Einfach besser reiten mit Balance”, der am 07.08.21 stattfindet. Übungen aus dem BrainGym® für Reiter und dem Neuro-Athletik-Training von Lars Lienhard werden neben einer Menge theoretischer Informationen die Kursinhalte sein.

Wer an diesem Termin im letzten Teil der Sommerferien 2021 nicht kann, kann sich den Onlinekurs Einfach besser mit Balance herunter laden. Sicherlich wird es noch einen Wiederholungstermin geben. Auch bin ich zu diesem Thema im September auf anderen Reitanlagen eingeladen, um den Kurs dort zu halten. Das wäre auch für Euch denkbar. Solltet Ihr daran Interesse haben, schreibt mich unter Corinna.Jungblut@reitclever.de an.

Beide Formate bieten auf jeden Fall viele Übungen und die Möglichkeit der Dokumentation.

Nur so kann man seinen Erfolg messbar machen und langfristig bei der Stange bleiben. Motivation zur Veränderung war ein wesentliches Kriterium für den Kurs “Einfach besser Reiten trotz Hüftarthrose”.

Der verkauft sich online nach wie vor gut und hat gerade eine ganze Menge Erweiterungen bekommen. Nicht nur neue Kapitel mit Teilen aus dem Neuro-Athletik-Training nach Lars Lienhard, sondern auch eine ganze Menge Tabellen, mit denen man die Übungen dokumentieren kann.

So kann man im Verlauf sehen, wo man sich wie verbessert hat und behält den Überblick im persönlichen Schmerzempfinden. Denn wenn man schon lange mit einem schmerzhaften Körperteil zu tun hat, überwiegt irgendwann der Frust. Mit den Veränderungen zum Guten schafft man es, sich auch wieder zu einer positiven Sicht zu verhelfen.

Mit einer optimistischen Zuversicht auf die zukünftige Zeit verabschiede ich mich in ein paar Tage Sommerurlaub. Wir werden auf Grund der Tiere und zweier Hochzeiten bei uns auf dem Hof nur kurzzeitig weg können. Trotzdem bieten die Seen der Umgebung und die Tatsache, mal nicht auf die Uhr schauen zu müssen, eine ganze Menge Entspannung.

Bis dahin und sommerliche Grüße,

Corinna von ReitClever.