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Wenn der Nebel schwindet: Präsenzfortbildung schlägt Online um Längen

Wenn der Nebel schwindet
Blick aus dem Kursraum

Was waren das für schöne Tage in Bonn Wachtberg!

Aus der großen Fensterfront des Kursraumes konnte ich während des Lernens mehrmals sehen, wie der Nebel schwindet. Das Sinnbild dieser Tage wurde der Blick nach dem Frühstück in eine trübe Brühe, um am Nachmittag Burgen am gegenüberliegenden Berg erkennen zu können. Denn auch in meinem Hirn lichtete sich langsam der Nebel. Vergangene Woche habe ich gemerkt, wie sich Kreise schlossen und viele Puzzle-Teile meines Wissens zusammen fanden.

Letztendlich fügt sich immer alles so, dass es passt.

Deswegen war es eine ganz besondere Zeit beim Neuro-Rider®3- Modul.

Nach dem holprigen Start Anfang des Jahres und der plötzlichen Änderung des zweiten Teils von Präsenz auf Online fand die letzte Einheit vorgabengemäß unter 2G +Bedingungen statt. Wir waren nur zu zehnt im Kurs und hatten das Hotel wegen vieler Stornierungen fast für uns alleine. So waren alle gut drauf. Irgendwie war es ein bisschen so wie nach Hause kommen. Nach dem ersten Onlinemodul lernten wir uns erst beim ersten Präsenzteil kennen. Das war so nett, dass wir uns auf die nächsten Treffen freuten.

Doch erfolgte stattdessen ein Tag vor Start des zweiten Moduls die Absage: Auf Grund eines positiven Coronatests wurde die Fortbildung auf online umgestellt. Das bedeutete eher Frust als Erleichterung bei allen Beteiligten. Wie viel schöner dann, Anfang letzter Woche die anderen Teilnehmer live sehen zu können. Es war eine ganz andere Atmosphäre, denn nach mehr als 20 Teilnehmern im ersten Block saßen jetzt nur noch 10 Reiter im Raum. Neben einem reichhaltigen Frühstücksbuffet am Morgen wurden wir auch tagsüber mit Getränken, Obst und Kuchen versorgt. Mittags wurde extra für uns gekocht: wir fühlten uns ein bisschen wie kleine Könige.

So war die Motivation von Beginn an hoch: wir übten und schafften viel.

Präsenz schlägt online um Längen
Präsenz schlägt online um Längen

Mit dem Ergebnis, dass ich jetzt frischgebackene Neuro-Rider® -3-Trainerin bin. Auch kann ich nun viele Wissensbausteine zusammenfügen und weiß nun, warum Techniken helfen, die ich schon lange anwende. Auch verstehe ich, warum man mit der Aktivierung von Hirnnerven Körperstabilität verbessern kann.

Wenn die Anwendung auch manchmal zu skurrilen Situationen führt 🙂

Wir haben mehrere Apps fürs Handy empfohlen bekommen, mit denen man bestimmte Funktionen trainieren kann. Vorgestern behandelte ich in der Praxis eine Parkinson-Patienten, die von Beginn an sehr gut auf die Neuro-Athletischen Techniken reagiert. Abgesehen davon, dass ich nun schnell kombinieren kann, mit welchen Augenbewegungen man welche Halswirbelsäulenbewegung verbessert, kam ich mir ein bisschen vor wie ein kleines Kind, was nicht ertappt werden möchte. Denn ich hatte eine App auf dem Handy aktiviert, mit denen man über Muster- und Farberkennung den Frontallappen des Großhirns anregt. Bei jedem Treffer, den die Patientin landete, quakte aus dem Smartphone eine leises “Ding Dong” mit der Stimme einer Ente als akustische Bestätigung. Irgendwann dachte ich mir, wenn jetzt eine Kollegin reinkommt und sieht, dass wir Kinderspiele auf meinem Handy spielen, denkt sie “jetzt dreht sie durch”.

Aber voilá: Nach dem Erkennungsspiel konnte die Patientin den Kopf 2 cm weiter in die Richtung bewegen, die ihr durch die Parkinsonerkrankung fast abhanden gekommen ist.

Da war wieder das Gefühl, wenn sich der Nebel lichtet:

Ich strahlte über das ganze Gesicht und konnte es kaum glauben. Die Patientin fragte nur, ob das die Dinge seien, die ich letzte Woche auf meiner Fortbildung gelernt hatte und zog sich zufrieden an. Und ich wusste, dass es funktioniert!

Dass Sehen die Körperstabilität verbessert, lernt man Online, wie im Präsenzkurs aber vor allem live am Menschen. Ob das auch in echt mit Angstthemen funktioniert, werde ich am kommenden Samstag sehen: beim Präsenzkurs ” Einfach besser Reiten trotz Angst werde ich ein paar Stammhirnaktivierungen einbauen. Denn Teile des Mittelhirns entscheiden, ob ein über Augen oder Ohren wahrgenommener Reiz gefährlich für unseren Köper sein könnte. Sollte das der Fall sein, werden sofort Überlebensprogramme aktiviert, die man willkürlich nicht beeinflussen kann.

Aber genau diese Programme bringen die Pferde eher in Gang als zur Ruhe. Deshalb fühlt ein Reiter sich in seinem Verspannungsmuster auf dem Pferd so unwohl.

Also bedeutet im Umkehrschluss, dass man das Einschalten von Überlebensprogrammen reduzieren kann, wenn man die Reizverarbeitung über Augen- und Ohren verbessert. Wer Lust hat, das auszuprobieren. Wenn Ihr auf die blauen Links klickt, könnt Ihr den letzten freien Platz beim Angstkurs am 29.01.2022 oder einen Präsenzplatz bei Stabilität und Sehen am 05.02.2022 buchen. Ich bin jedenfalls gespannt und freue mich!

Nebelfreie Grüße von

Corinna von ReitClever