Wie ein kleiner Hengst vom Angsthasen zum Helden wurde

Dark Gambler und Antonia von Barth sind ein Musterbeispile für Vertrauen beim Reiten
Das Siegerpaar, entnommen aus St.Georg 09/20

Vertrauen beim Reiten scheint der Schlüssel dieser Geschichte zu sein.

In der aktuellen Ausgabe des Reitsportmagazins St. Georg habe ich einen schönen Artikel gelesen. Er berichtete über die Bundeschampionate in Warendorf.

Weil wegen der Coronamaßnahmen nur wenige Besucher erlaubt waren, war das in diesem Jahr für die jungen Pferde sicherlich eine angenehmere Kulisse als sonst.

Die Frage, welchen Preis die jungen Pferde dafür bezahlen, wenn sie schon dreijährig bei einem Championat auftreten, bleibt an dieser Stelle unberücksichtigt. Denn die beeindruckende Geschichte des Siegers der fünfjährigen Vielseitigkeitspferde hat mich bewegt:

Der Hannoveraner Dark Gambler hat sich in Warendorf unter seiner Reiterin Antonia von Baath vertrauensvoll und leistungsbereit präsentiert.

Dass sich der Dunkelbraune überhaupt für das Bundeschampionat qualifiziert hat, war ein Erfolg. Vertrauen beim Reiten scheint der Schlüssel dafür zu sein.

Dark Gambler lebt zuhause unter dem Spitznamen Scar bzw. Scary. Als seine Reiterin  ihn kennenlernte, soll er ein hyperängstlicher Dreijähriger in der Lüneburger Heide gewesen sein. Dort wuchs er auf. Antonia von Baath half auf diesem Hof bei der Ausbildung der Jungpferde.

“Scar oder Scary fiel vor allem durch zwei Dinge auf: Er war schon damals bildhübsch und konnte sich ansprechend bewegen. Und er hatte buchstäblich Angst vor allem – Sonne, Schatten, Menschen, Pferde. Alles versetzte ihn in Panik.

Es hat lange gedauert, bis Antonia ihn zum ersten Mal „reiten“ konnte. Über Monate brauchte sie jemanden, der sie auf Scar führte. Doch ganz langsam fasste der Wallach Vertrauen. Und als das einmal da war, entwickelte er sich rasant. Bis hin zur Teilnahme am Bundeschampionat.

Was das in Warendorf geben würde – Antonia von Baath wusste es nicht. Anderswo übernachtet hatte Dark Gambler noch nie. Und der Platz in Warendorf ist nicht gerade das, wo Pferde nichts zu schauen und zu scheuen hätten. Aber Scary benahm sich wie ein Alter! Am ersten Tag waren sie noch ein bisschen zu langsam unterwegs gewesen, um sich direkt fürs Finale zu qualifizieren.

Im kleinen Finale legte Antonia einen Zahn zu und wurde für eine echte Bilderbuchrunde mit einer 8,7 belohnt. Eine überglückliche Reiterin jubelte: „Er ist so rittig, ich könnte ihn da mit Halfter durchreiten!“ Und sie betonte, dass wenn im Finale etwas nicht klappen sollte, es allein daran liegen würde, dass Scar die Kraft ausgeht. Doch es sollte klappen. Und wie!

Als es am Sonntag in den dritten Teil des Finales ging, brachten die beiden schon ein gutes Zwischenergebnis mit.

Im Cross … gelang ihnen alles. Kommentar der Richter:

„Wir haben hier auf hohem Niveau über die Bewertung diskutiert. Eine wirklich mustergültige Runde von einem Pferd, das das hier ganz selbstverständlich absolviert hat mit ganz gleichmäßigem Tempo und Rhythmus. Beeindruckend auch, dass das Pferd ganz ehrlich auf die Hilfengebung wartete. Raumgreifende, kraftvolle Galoppade. Mit Übersicht und ganz sicherer Manier hat er die Sprünge überwunden. Wertnote ein glattes ,Sehr gut‘.“

Ausgabe 09/2020 St. Georg, Artikel vom 30.08.2020 von Dominique Wehrmann

Vertrauen beim Reiten. Beispielhaft von beiden präsentiert.

Auch ein schöne Unterstreichung  für die Aussage “Immer langsam mit jungen Pferden”.

Denn die Basis einer guten Pferd – Mensch Beziehung ist Vertrauen. Vertrauen des Pferdes zu seinem Reiter. Egal wie alt es ist. Es geht für ihn nur über unbekannte Geländehindernisse, wenn es ihm vertraut.

Genauso wie man als Reiter seinem Pferd vertrauen muss.

Dabei spielt eine entscheidende Rolle, wie viel Zeit beide haben, das gegenseitige Vertrauen beim Reiten zu entwickeln.

Dementsprechend gilt das auch in der Grundausbildung für Reiter.

Vor allem wenn man nicht mehr ganz jung ist, wenn man das erste Mal aufs Pferd steigt. Egal wie alt man zu diesem Zeitpunkt ist: ein junger Reiter gehört auf ein erfahrenes Pferd. Im Fall des Falles kann er so von seinem Partner lernen.

Heutzutage ist das leider oft umgekehrt. Unerfahrene Reiter kaufen sich junge oder wenig ausgebildete Pferde. Frust und schwierige Situationen sind da vorprogrammiert.

Wenn das Kind erstmal in den Brunnen gefallen ist und sich Ängste entwickelt haben, muss man mehrere Schritte zurück gehen. Sowohl in den Anforderungen als auch in der Herangehensweise. Übrigens gilt das sowohl für den Reiter als auch das Pferd.

So muss man üben, wie man sich entspannen und wieder Vertrauen in sich und seine Fähigkeiten gewinnen kann.

Das ist der Hauptansatzpunkt, um auch auf das Pferd vertrauensvoll zu wirken. Darüber hinaus der wichtigste Aspekt, angstfrei reiten zu können.

Wieder Vertrauen beim reiten zu entwickeln kann man lernen. Auch wie man die eigene Körpersprache den vierbeinigen Partner beeinflusst, kann man üben.

Dies alles und die Sicht des Pferdes aus dem Sprachrohr einer Tierkommunikatorin könnt Ihr beim Tag der Cleveren Reiter live und in Farbe erfahren.

Dieser in der Region einmalige Tag findet am 03.10.2020 südlich von Berlin zum Thema “Reiten trotz Angst” statt.

Tickets gibt es hier

Damit wünsche ich nun schöne Herbsttags und entspannte Ausritte in die bunten Wälder. 
Es muss ja nicht in den Geländeparcours des Bundeschampionats gehen 😉

Corinna von ReitClever

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