Wie steht es eigentlich um Deine eigene Regeneration? NL Februar 2022

Wie steht es um Deine eigenen Regeneration?
Die eigene Regeneration

Spitzensportler machen nach dem Wettkampf ein Workout: Sie gehen aufs Fahrrad und in die Sauna, um die Muskeln wieder locker und die Stoffwechselprodukte aus dem Körper zu bekommen.

Auch bei Reitern ist angekommen, dass es gut ist, Pferde täglich etwas anders zu arbeiten. Nach einem härteren Training ist es gut, am Folgetag nur einen Schrittausritt zu machen oder locker zu longieren. Eine befreundete Reittrainerin von mir schwört darauf, nur 3x/ die Woche Dinge zu erarbeiten, die die Muskeln aufbauen. Sie hat aus einem kaum bemuskelten Jungpferd in relativ kurzer Zeit eine beeindruckende Stute mit einem Wahnsinns Hals und gut ausgeprägter Hinterhandmuskulatur aufgebaut. Natürlich erfolgte das Training angemessen an die natürliche Entwicklung der Tragkraft.

Aber wie steht es um DEINE eigene Regeneration?

Nun geht es bei uns im Alltag weniger um einen Wettkampf, wenngleich der tägliche Run auf die Verkehrsmittel, um rechtzeitig auf der Arbeit zu sein, manchmal einem Wettlauf gleicht.

Trainierst Du regelmäßig die Muskelgruppen, die es Dir ermöglichen, stabil im Rumpf und damit locker in der Hand und lang im Bein zu sein? Egal in welche Sportart man schaut: Die Meinung, die sich immer mehr durchsetzt, heißt Rumpf ist Trumpf. Darüber habe ich mal einen Artikel geschrieben, den Ihr unter dem blauen Link nachlesen könnt. Gerade für eine lockere Mittelpositur ist es eine ausgezeichnete Idee, am Oberkörper anzusetzen. Denn nur wenn der Rumpf stabil genug ist, kann man in der Hüfte loslassen anstatt zu klemmen.

Wenn Du tatsächlich regelmäßig etwas für Dich tust, ist es gut, das abwechslungsreich zu tun: einen Tag Rumpftraining, einen Tag Ausdauertraining und dann etwas für die Beweglichkeit. Das kann Yoga oder auch ein Dehnprogramm sein. Gut wäre, auch einen Tag PAUSE für die eigene Regeneration einzubauen, bevor es dann wieder von vorne losgeht.

Bei meiner letzten Fortbildung wurde mir von einem Trainerkollegen ein spannendes Buch empfohlen:

„Die TB 12 Methode“ von Tom Brady. Das hatte ich bis dato überhaupt nicht auf dem Schirm. Wahrscheinlich liegt das daran, dass Football nicht zu den Sportarten gehört, die ich verfolge, weil das Geschehen echt weit weg ist. Es gab auch eine andere Zeit, als wir in einem Berliner Rehazentrum die Berlin Adler betreut haben. Da waren mir die Aufgaben eines Quaterbacks oder Defensespielers viel präsenter als heute.

Tom Brady hat vor kurzem aufgehört, in der amerikanischen Profiliga aktiv zu sein und ist mit 44 Jahren der erfolgreichste NFL- Spieler aller Zeiten. Insofern habe ich in das Buch hineingeschaut und spannende Ansätze gefunden. Was uns als Reiter interessieren könnte, habe ich unter was American Football und Reiten gemeinsam haben, zusammengefasst.

Aber Bradys Ansatz ist noch viel vielseitiger als das, was in dem Artikel steht. Seine TB 12 Methode beinhaltet Krafttraining mit dem eigenen Körper, Flexibilität, innere und äußere Ausgeglichenheit, Ernährungsansätze, die Bedeutung von Wasser und Schlaf, Training fürs Gehirn und eben auch gedankliche Rückbesinnung und Erholung. Der Inhalt ist, wie ich finde, ein bisschen amerikanisch und selbstverliebt mit vielen Fotos, aber durchaus spannend.

Für die eigene Regeneration kann man sich eine ganze Menge herausziehen. Denn die ist ganz entscheidend für eine volle Leistungsfähigkeit.

Wie voll ist Dein Tag als Reiter mit Job, Haushalt, Familie und Pferd?

Wie oft hetzt Du der Zeit hinterher? Oder besser gefragt, wie viel Zeit nimmst Du Dir, in Deinen Körper hinein zu horchen und Deine Gedanken auch mal wandern zu lassen?

Zugegeben, das mache ich auch viel zu wenig. Die Zeit für Reitclever morgens am Computer, wenn alle aus dem Haus sind, ist zu kostbar. Gerade weil mein Mann seit 2 Jahren oft im Homeoffice ist und gerne auch telefoniert, während ich schreibe.

Da bin ich geneigt, SEHR viel in meinen ruhigen Vormittag zu packen, wenn ich alleine zuhause bin. Turnen oder joggen, die Arbeit für ReitClever, das Bewegen der Pferde und alles oft unter Zeitdruck. Denn entweder muss ich noch in die Praxis oder mein Sohn kommt bald nach Hause. Da ist dann vorbei mit der Ruhe: wir essen Mittag und haben Termine oder Verabredungen, Hausaufgaben, Zeit zum Spielen…  

Manchmal merke ich erst spätnachmittags oder abends, wie angespannt oder ausgepowert ich bin. Für die eigene Regeneration spielt nicht nur der tiefe Schlaf eine große Rolle, sondern auch innerliche Auszeiten, die man sich nimmt. Da liegt ohne Frage Verbesserungspotential für mich!

Wie ist das bei Dir? Hast Du neben Pferd, Job und Familie auch Zeit für Dich? Erlaubst Du Dir, die Gedanken schweifen zu lassen? Das ist ein wesentlicher Faktor für die mentale Gesundheit. Das Gehirn braucht Auszeiten, in denen es Erlebtes verarbeiten und neue Projekte anvisieren kann. Je bildlicher man sich einen Traum oder eine Vision vorstellt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, das Vorgestellte auch tatsächlich zu erreichen. Egal ob es sich um den Sprung in die nächste Leistungsklassen, den freien Galopp übers Feld oder einfach elegantes Anhalten am Punkt aus jeder Lebenslage handelt.

Visualisieren hat eine große Kraft!

Diese Technik ist auch ein Bestandteil meiner Kurse. Im Kurs „Einfach besser Reiten trotz Angst“ zeige ich den Teilnehmern Lösungswege, sich aus ihren Verspannungsmustern zu befreien. Auch leite sie an, sich ganz konkret vorzustellen, wie es sich anfühlt, entspannt zu reiten. Dadurch können sie sich selber ableiten, welche nächsten Schritte erforderlich sind. Dass das gut funktioniert, konnte ich dem Feedback einer Teilnehmerin des letzten Durchgangs am 31.01.2022 entnehmen:

„Es hat mir sehr gut gefallen und ich nehme aus dem Kurs viel mit, was ich versuche, zukünftig in die Praxis umzusetzen. Danke für den interessanten Tag!“

Danke dafür!

Warum das funktioniert, habe ich beim Mentalen Training gelernt. Was dabei im Gehirn geschieht, habe ich erst in den Modulen des Neuro- Riders® verstanden: Beim Visualisieren werden alle Gehirnbereiche aktiv, denn Sehen hat eine entscheidende Bedeutung für unsere eigene Sicherheit. Neben der Sehrinde und dem hinteren Gehirnbereich, in dem alle visuellen Informationen verarbeitet werden, gibt es einen großen Datenaustausch mit unserem Stammhirn, was unsere Überlebensreaktionen und Haltung steuert. Hier werden auch positive und negative Emotionen ausgelöst. Weiterhin erkennt der Temporallappen Objekte und vereinfacht gesagt gleicht der Parietallappen die Informationen aller Gefühls- und Bewegungsqualitäten ab. Beide geben Ihren Senf bei der Visualisierung genauso dazu wie die Insula, eine wichtige Instanz für unsere innere Motivation und Stärke.

Auch spielt das supplementäre motorische Areal (SMA) eine Rolle. Es sitzt im motorischen Cortex am hinteren Frontallappen und bereitet Handlungen vor. Anders gesagt plant es bereits erlernte Bewegungsabläufe einschließlich des Sprechens. Zum Beispiel wird hier die Aufzählung der Wochentage in Gang gesetzt. Dieser Bereich reagiert gut auf Vibration. Bewegungsplanung kann man also ganz leicht verbessern, indem man sich die Zähne mit einer elektrischen Zahnbürste putzt, die vibriert.

So kann man durch Visualisieren nicht nur die eigene Stimmungslage, Sprachmelodie  und Körperhaltung beeinflussen, sondern dem Unterbewusstsein auch eine Vorstellung davon vermitteln, was unser übergeordnetes Ziel ist. So wird es in der Folge alle Handlungen und Entscheidungen fördern, die in diese Richtung führen.

Trau´ Dich ruhig, Fünfe gerade sein zu lassen und Dir vorzustellen, WIE du in einem Jahr reiten möchtest.

WO Du vielleicht durchs Gelände galoppierst und WAS Dein innerster Wunsch ist. Das ist wichtig für die Erholung, die eigene Regeneration und deine Zufriedenheit, denn Du versetzt dich in die Lage, deine Ziele zu erreichen.

Ich habe letzte Woche die Hallenplanung für die Messe Partner Pferd bekommen. Nachdem die Buchmesse abgesagt wurde, sah ich die Veranstaltung eigentlich im Aus. Aber nun sieht es so aus, dass ich mit ReitClever als Aussteller vom 06.-10.04.2022 in Leipzig sein werde. Ich freue mich riesig. Vielleicht hat der Eine oder Andere Lust, mich zu besuchen.

Vorher findet der Märzkurs Pferdeführerschein Umgang statt, für den es noch zwei freie Plätze gibt.

Danach wird es am 30.04.2022 die Premiere des Kurses „Der Weg zu einer lockeren Mittelpositur“ geben. Mit von der Partie werden auch Übungen von Tom Brady sein 😉

Wer übrigens selbst einen Abzeichenlehrgang auf seiner Anlage durchführt: Momentan gibt es eine Aktion der FN. Bis zum 03.03.2022 können sich Vereine und Betriebe im LPBB für einen kostenfreien Besuch des PM-Mobils bewerben. Der Besuch des PM-Mobils ist als Ausbilderfortbildung mit zwei Lerneinheiten im Profil 3 sowie als Fortbildung für Lehrgangsleiter anerkannt.

Bewerben können sich alle Vereine und Betriebe, die Mitglied im LPBB sind und bei denen mindestens eine Person vorhanden ist, die potenziell eine Lehrgangsleitung übernehmen kann (mindestens Trainer C Reiten mit gültiger DOSB-Lizenz oder Pferdewirt Klassische Reitausbildung mit gültiger DOSB-Lizenz oder gültigem BBR-Fortbildungsnachweis). Es muss noch kein Reitabzeichenlehrgang angemeldet sein, jedoch sollte der Wille bestehen, in Zukunft einen Lehrgang anzubieten.

Alle Informationen erhaltet Ihr unter www.pferd-aktuell.de/pmmobil.

Regenerierte Grüße von

Corinna von ReitClever

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