
„Manchmal ist es magisch“ sagte ein ehemaliger Ausbilder von mir von Zeit zu Zeit. Damit meinte er Situationen, in denen Prozesse in Gang kamen, die man vorher nicht erwarten konnte. Das passierte vor allem dann, wenn „fremde“ Menschen in den Kurs kamen und behandelt wurden.
Ich hatte zwei Mal den Fall, dass die zu coachende Person gerade genau zu dem Vorgehen passte, was ich für die Prüfung vorbereitet hatte. Oder das Coaching nahm auf einmal eine Wendung, die für meine eigene Entwicklung an diesem Punkt förderlich war.
So ist es gerade wieder
Letzte Woche habe ich eine Onlinefortbildung beendet, die mein neues Projekt DenkClever voranbringen sollte. Nach einer eleganten Kehrtvolte landete ich am Ende wieder bei ReitClever.
Wie ihr wisst, bündele ich seit 2019 Informationen und Kurse rund um gesundes Reiten für Reiter und Pferd. Es geht um körperliche Fitness, Beweglichkeit und Gleichgewicht auf allen Ebenen. Mentale Stärke und der Umgang mit Ängsten spielt genauso eine Rolle wie körperliche Baustellen, die ein ausbalanciertes Agieren behindern. Seitdem ich Neuro-Rider®- Trainerin bin, denke und schaue ich noch einmal anders auf den Sitz des Reiters. Mit wenig Aufwand kann man viel erreichen, wenn man an den richtigen Stellen ansetzt. So habe ich vor, mein Vorgehen auch in Richtung Neurofunktionelle Integration auszubauen.
Die aktuell wieder verstärkt aufflammende Diskussion, was ein pferdegerechter Umgang ist und wie weit man gehen kann und darf und ab wann Pferdesport nicht mehr tragbar ist, lassen mich zum wiederholten Male nachdenken, ob und wie ich den Weg als Trainerin weiter gehen möchte.
Wir Reitausbilder müssen den Rahmen setzen und zeigen, was tiergerechter Umgang bedeutet
Das beginnt bei Fütterung und Haltung, geht über eine passende Ausrüstung für beide Partner bis hin zu einem Training, was für Pferd und Reiter gesund ist. Doch ist das alles nicht neu – schon als Jugendliche dachte ich oft, dass ich eigentlich nicht wissen möchte, was hinter der einen oder anderen verschlossenen Reithallentür vor sich geht.
Die Diskussion kocht immer wieder hoch und erweckt den Eindruck, dass all das, was auf abscheulichen Videos zu sehen ist, der heutigen Zeit geschuldet ist. Das glaube ich ehrlich gesagt nicht. Die Technik, dass jeder ein einsatzbereites Smartphone in der Tasche hat und Dinge dokumentieren kann, die sich früher nur unauslöschlich in das eigene Gedächtnis eingegraben haben, ist neu. Auch die Möglichkeit, Videos und Fotos über soziale Medien effektiv zu verbreiten, gab es früher nicht.
Doch wurde es schon immer brutal für ein Tier, wenn es andere Ideen hatte als der Mensch
Vor allem dann, wenn er es für seine eigenen Zwecke einsetzen möchte. Das beginnt bei Tierdressuren im Zirkus, Hund und Katze im Haushalt, die ihren Besitzer ärgern oder nerven und endet nicht zuletzt bei der Massentierhaltung für unseren Appetit auf Fleisch und Milchprodukte. Auch die Zustände in vielen Legehennenbetrieben sind alles andere als schön.
Ich zweifle immer wieder an, dass alle Reiter wirklich zu 100 % tierlieb sind. Denn wo sie Ihr eigenes Pferd in Watte packen und ihm so viel artgerechte Haltung ermöglichen, wie es zeitlich und finanziell machbar ist, sieht es beim Thema Milch oft anders aus. Da wird der billigste Tetrapack gekauft, der alles andere als gut für die Umwelt ist. Auch die Haltung der Schweine und Kühe für die Fleisch- und Milchproduktion ist nebensächlich. Wie viele Kälber dürfen bei Ihrer Mutter bleiben oder müssen mit Milchersatz in Zelten groß werden, damit die Frau Mama weiterhin gut Milch gibt?
Solche Beispiele lassen sich unendlich fortsetzen. Und ja, viele Reiter sind Veganer oder Vegetarier. Damit haben sie sich eindeutig positioniert. Ich esse auch noch Fleisch und Eier. Immer wieder versuche ich davon wegzukommen, aber es gelingt mir nicht dauerhaft. Weil der Mensch physiologisch betrachtet eben doch ein Mischkostesser ist.
Meine Ausrichtung geht seit einiger Zeit weg vom normalen Reitunterricht

Viel mehr als Grundlagen zu vermitteln, interessiert mich „besser Reiten mit Herz und Verstand“ unter die Interessierten zu bringen. Bezieht man das Nervensystem mit ein, erreicht man eine feine Zusammenarbeit mit dem Partner Pferd auf einem eleganten Weg.
Da ich Pferde nach wie vor liebe und finde, dass man sie mit liebevollem Respekt behandeln muss, denke ich darüber nach, wie ich das in Zukunft an den Reiter bringe. Es geht mir um ein effektives Training mit Elementen aus dem neurozentrierten Training, was das Pferd entlastet.
Die Überlegung, das aktuell wieder viel diskutierte Thema „Pferdeliebe“ zu einem Neuro-orientierten Vorgehen zu platzieren, hat mich gedanklich auf neue Wege gebracht. Erst vor knapp zwei Wochen habe ich den Loop gefunden, Reitclever in zwei Pfade zu unterteilen. Zum einen wird es um Tools für Reiter gehen, die Ihr Pferd effektiv entlasten möchten. Zum Zweiten möchte ich das Auge von Trainern schulen und Ihnen Techniken an die Hand geben, mit denen sie schnell an der richtigen Stelle eine Verbesserung erreichen können.
Da kommt „Manchmal ist es magisch“ ins Spiel
Einen Tag nach unserem letzten Gruppencall in der Onlinefortbildung begann ein Ausbilderkurs für mich, in den ich kurzfristig reingerutscht bin. Erst war ich ein bisschen genervt, weil ich das Gefühl hatte, Flair und Ergebnisse der gerade abgeschlossenen Intensivgruppe sacken lassen zu wollen.
Unsere dritte Aufgabe in dem Ausbildermodul ist, in den folgenden drei Monaten eine Art Roadmap für ein geplantes Projekt zu entwerfen. Das kann eins sein, was wir schon mal unterrichtet haben oder etwas, was wir in Zukunft durchführen wollen.
Also werde ich mein geplantes „Train the Trainer Projekt“ unter die Lupe nehmen. 25 andere Reit-Ausbilder sitzen in diesem Kurs, die ich im Januar live in Moritzburg treffen werde. In diesem Zeitraum kann ich testen, ob meine Ideen überhaupt gefragt sind.
Und was sagt der Leiter meines Denkclever-Workshops dazu, als ich ihm diesen Zufall in einer Abschlussnote geschrieben habe? „Es zeigt einmal wieder: Vorbereitet sein trifft auf Impuls – führt zu neuen Dingen. Und ein Train the Trainer Projekt ist genau die Kirsche auf Deiner Neuro-Torte.“ Der Ausdruck Neuro-Torte gefällt mir gut.
Also habe ich zur Zeit eine ganze Menge im Kopf und das Gefühl, gar nicht so schnell hinterher zu kommen
Das kenne ich von mir schon. Aber ich lerne, erst den Weg gedanklich und organisatorisch frei zu machen, ehe ich losgaloppiere. Für Reitclever wird es eine Neuausrichtung geben. Ich werde Webseite und Kursmodule umgestalten, dass eine Schiene für Reiter und eine andere für Trainer ersichtlich wird. Online-Module, geführte Workbooks und Präsenzelemente sind angedacht, aber noch nicht spruchreif. Insofern kommt dieses Ausbilderzertifikat für mich zum denkbar besten Zeitpunkt. Ich kann meine Gedanken sortieren und in eine konkrete Richtung lenken.
Da ich immer wieder gefragt werde, wie man als Einzelperson bei mir reiten kann oder ob ich für den Unterricht auch auf andere Anlagen komme, denke ich über Videoanalysen nach. Das eigene Smartphone, was entsetzliche Dinge im Pferdetraining aufzeichnet, kann man auch nutzen, sich selbst zu filmen. Ob es dabei um ein körperliches Problem geht, was ich dann im Sinne eines Rider- Checks analysieren kann oder um ein Thema mit und auf dem Pferd, ist egal. Ich plane ein Vorgehen, in dem man mir ein Video schicken kann und auf das ich eine Lösung anbiete. Das könnte ein gezielter Trainingsvorschlag oder eine neurozentriertes Tool sein, was beispielsweise Koordination oder Gleichgewicht verbessert.
Wie findest Du das?
Wäre das für dich ein denkbares Vorgehen? Oder wo würdest Du Unterstützung brauchen, um ein angenehmerer Rucksack für Dein Pferd zu sein? Wenn Du magst, kannst Du mir sehr gerne auf diesen Newsletter antworten und eine Anregung senden. Das würde mich freuen.
Denn aktuell stelle ich noch einige Projekte fertig und gehe dann in die Weihnachtspause. Ehrlich gesagt bin ich schon ganz heiß, mit der Umgestaltung von Reitclever zu beginnen. Dabei wären Deine Ideen hilfreich, um an Euren Bedürfnissen zu bleiben.
Welches Projekt planst Du für dich oder dein Pferd im nächsten Jahr? Mache auch Deine Vorweihnachtszeit besonders, indem Du nicht nur ein paar bunte Kugeln aufhängst. Vielleicht kannst dann auch Du sagen: „Manchmal ist es magisch“.
Corinna von Reitclever
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