Der Sitz des Reiters

Locker, elastisch und ausbalanciert soll er sein der Sitz des Reiters. So weit weiß das eigentlich Jeder. Jedenfalls in der Theorie- in der Praxis stellt sich das häufig anders dar. Da hat man Stress im Job, Ärger mit dem Partner oder das Pferd sieht Geister in einer Ecke, wo es vor 3 Wochen schon mal weg gesprungen ist, und schon ist die gute Figur auf dem Pferd dahin. Eine andere Bewegung als man erwartet hat und sofort leidet die Elastizität.

Warum ist das so?

Der Sitz des Reiters beginnt mit der Beckenstellung. Das liest man in jedem guten Reitbuch. Auch sieht man dort das Lot gezeichnet, was Ohr des Reiters, Schulter, Hüfte und Sprunggelenk in einer senkrechten Linie verbinden sollte. Auf dem Pferd weicht das objektive Lot sehr oft von dem subjektiven Gefühl des Reiters ab. Der sieht dann erstaunt, dass die Unterschenkel zu weit vorne liegen oder sich der Kopf nicht auf dieser Linie einfindet.

Für eine gute und aufrechte Haltung auf dem Pferd ist eine lockere Mittelpositur entscheidend. Sie bestimmt, in welchem Winkel das Becken auf dem Pferd steht, bzw. wie die Gesäßknochen belastet werden. Sitzt man vor den Gesäßknochen rutscht man ins Hohlkreuz. Sitzt man dahinter, werden die Beine in den Stuhlsitz gezogen und der Oberkörper gelangt hinter das Lot.

Sobald man sich erschreckt oder irgendwo im Körper Schmerzen hat, springen bestimmte Programme in unserem Körper an, die versuchen, Gefahr vom Körper abzuwenden. Diese Muster aktivieren vor allem die Beugemuskulatur. Das ist die, die das Bein hochzieht und die Lendenwirbelsäule ins Hohlkreuz bringt. Und schon gerät der Sitz des Reiters aus dem Lot.

Praktische Tipps für den Sitz des Reiters

Bei meiner letzten praktischen Übungseinheit habe ich die Reiterinnen erst ohne Pferd ihre Beweglichkeit im Hüft- Becken- Brustwirbelsäulenbereich verbessern lassen. Das gelingt durch einfache Wahrnehmungs- und Mobilisationsübungen. Dann erst stiegen sie aufs Pferd.

Schon als wir beim letzten Mal im Vorfeld die Beweglichkeit der Hüftgelenke durch Übungen vergrößert haben, saßen sie sofort besser und lockerer in der Mittelpositur. Bei diesem Durchgang begannen wir das Lot mit Hilfe einer Gerte in den Fokus zu holen. Wie immer gab es Überraschungen, da Gefühl und objektive Sichthilfe manchmal nicht zusammen passten.

Mit dieser Konzentration auf das Lot bat ich sie, beim Warmreiten die Beckenbewegungen im Schritt aufzunehmen und diese, wie vorher geübt, in alle Richtungen zu verstärken. Schnell wurde deutlich, wenn ein angespannter Hüftbeuger die Beckenmittelstellung verhinderte oder die gewohnte Mehrbelastung auf der einen Seite die Biegung des Pferdes in die andere Seite verhinderte. Spannend war zu sehen, dass die gleichmäßige Belastung der Gesäßknochen sofort eine Reaktion der Pferde hervor rief. Sie begannen zu kauen, zu lecken oder abzuschnauben. Auch eine recht unausbalanciertes Stute konnte durch das richtige Sitzen der Reiterin auf einmal abkauen und beginnen, eine Anlehnung aufzunehmen. Gerade auf ihrer schwierigeren Hand war es gut für sie, wenn die Reiterin mit der Belastung auf diesem Gesäßknochen half, die richtige Stellung und Biegung einzunehmen.

Mit einem Strahlen aller Beteiligten endete diese Kurseinheit. Dann liebe ich meinen Job!

Das Schöne ist, dass man das gute Gefühl immer wieder abrufen kann, wenn man es einmal sauber abgespeichert hat. Das gelingt durch Wahrnehmen, Korrigieren und Feedback. Wenn dann das Pferd auch die richtige Reaktion zeigt, weiß man, dass man richtig und mittig sitzt.

Viel Spaß beim Ausprobieren,

wünscht Corinna von ReitClever

PS: Fragt mich unter Corinna.Jungblut@Reitclever.de an. Ich komme nach Terminabsprache auch zu Übungseinheiten für den Sitz des Reiters auf andere Anlagen.

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