Schlagwort: Klimawandel im Reitsport

Der Darm des Reiters und die Mittelpositur

Hast Du Dich schon einmal gefragt, wo der Darm des Reiters eigentlich liegt?

Der Darm des Reiters liegt mitten in der Mittelpositur
Der Darm des Reiters,
Bildnachweis I-Stock- 507210367

Er sitzt genau in unserer Bewegungszentrale der Mittelpositur.

Für eine gute Bewegungsfunktion ist es sinnvoll, sich mit seiner Gesundheit zu beschäftigen.

Auf der Abbildung siehst Du, dass er sich im ganzen Bauchraum ausbreitet und der Enddarm, der vor allem für die Ausscheidung verantwortlich ist, im unteren Becken liegt.

Funktioniert der Darm gut, merkt man meist nichts von ihm bis zu dem Moment, wo er sich entleeren möchte. Verdauung wird von unserem vegetativen oder autonomen Nervensystem gesteuert. Sollte man ihn also spüren, kann man davon ausgehen, dass gerade etwas schief läuft.

Kennst Du richtig starke Bauchschmerzen?

Heftigen Durchfall, eine handfeste Verstopfung oder neigst Du zu starken Regelschmerzen? Dann ist Dir bewusst, dass man in diesem Fall ähnlich wie ein Pferd mit Kolik sehr angespannt ist.

Denn das dazugehörige Organgewebe zieht sich zusammen und zerrt dadurch an seinen Aufhängungen. Das äußert sich vor allem in der Mobilität im Beckenbereich, denn die Bauchorgane sind mit Bindegewebe an Wirbelsäule, Becken oder Kreuzbein befestigt. Bei Problemen dieser Organe wird also sowohl die Beweglichkeit der angrenzenden Gelenke als auch die Muskelfunktion beeinträchtigt.

Besonders der große Hüftbeugemuskel, der Psoas- Major, reagiert auf Unregelmäßigkeiten im Bauchraum gerne mit Verspannung. Er ist für die Beweglichkeit von Hüfte und Lendenwirbelsäule und damit für Reiter enorm wichtig: ist er angespannt, kann man in der Mittelpositur nicht locker mitbewegen.

Also ist es sinnvoll, sich für einen guten Sitz auch mit der eigenen Ernährung zu beschäftigen. Nicht nur mit einem stimmigen Calcium- Phosphor- Verhältnis oder der idealen Zusammensetzung eines Mineralfutters für das Pferd. Das können wir Reiter gut.

Dagegen stopfen wir in uns selbst manchmal unüberlegt all das in uns hinein, was schmeckt. “Richtig” zu essen ist auch nicht leicht. Kaum etwas wird so emotional diskutiert wie eine optimale Ernährung. Für mich gibt es gute Gründe, ein Veganer, Vegetarier oder Lakto- Vegetarier zu sein. Auch gibt es Menschen, die Grünzeug lieber den Tieren überlassen, damit ihr Fleisch delikater schmeckt.

Mir geht es hier nicht um einen Glaubenskrieg, sondern eher um einen Denkanstoß.

Es gibt unterschiedliche Angaben in der Literatur, aus der ich das für uns Wichtigste herausstellen möchte: Wir Menschen sind Allesfresser. Fleischfresser haben einen recht kurzen Darm, damit das Fleisch auf dem Weg durch den Verdauungstrakt nicht beginnt, zu faulen. Recht kurz heißt in diesem Zusammenhang zwei bis dreimal so lang wie der gesamte Körper des Besitzers.

Die Ernährungspyramide,
Bildnachweis I-Stocks-177091305

Unser Dünndarm ist ungefähr 5 Meter lang, der Dickdarm einschließlich Enddarm misst noch einmal 1,5 Meter. Ein Pferd hat ca. 20 Meter Dünndarm, um aus Gras ausreichend Energie und Nährstoffe gewinnen zu können. Also kann man den Mensch anhand seiner Darmlänge weder als ein reinen Fleischesser noch als Veganer einordnen.

Eher sind wir für eine Mischkost gemacht. In meinen Augen ist es sinnvoll, mit der Basis der abgebildeten Lebensmittel in der Ernährungspyramide den größten Teil des eigenen Tellers zu befüllen. Die obersten Stockwerke sollten im Umkehrschluss den kleinsten Anteil auf dem Teller bilden.

Auch finde ich wichtig, dass wir der Fahrt aufnehmenden Klimakrise ins Auge blicken

Welche Produkte gibt es aus der Region, die nicht zum Verzehr um die halbe Welt transportiert werden? Kiwis aus Neuseeland, Nektarinen aus Griechenland, Kaffee und Bananen aus Südamerika sind die Realität im Supermarkt. Auch dort gibt es Bio – Früchte und Produkte mit dem Demeter- Siegel. Das bezeichnet die höchste Güteklasse einer ökologischen Produktion.

Sicherlich ist das teurer im Einkaufswagen. Doch geht eine billige Herstellung immer zu Lasten der Natur und derjenigen, die in dieser Produktion arbeiten. Besser ausgedrückt wie teuer wird wohl Pferdehaltung, wenn die Entwicklung der Futter- und Energiepreise auf Grund des Klimawandels so weiter geht?

Die Dosis macht das Gift

Unser inneres Milieu kann durch den Verzehr großer Mengen Obst genauso übersäuern wie durch die übermäßige Aufnahme von Zucker.

Kohlehydrate sorgen für eine gute Ausdauerfähigkeit. Zu viele Kohlehydrate machen satt, faul und irgendwann auch dick. Insofern würde ich immer an der Gesamtmenge ansetzen, anstatt durch Vermeiden bestimmter Nahrungsmittel, Mangelerscheinung zu provozieren.

Je abwechslungsreicher man isst, desto mehr Nährstoffe bietet man dem Körper an. Dabei sind Unverträglichkeiten natürlich eine andere Geschichte.

Eine gute Ernährung soll den Stoffwechsel flexibel machen. Dabei spielt das Verhältnis von Energiezufuhr und Energieverbrauch die entscheidende Rolle. Bis heute gibt es keinen Inhaltsstoff oder eine Zauberformel, die einen mehr essen lässt, als man verträgt. Wenn eine gute Ernährung auch Abnehmen beinhalten sollte, muss man dieselbe umstellen oder seinen Appetit zügeln.

Folgende Fragen können hilfreich sein, dich auf die richtige Spur zu führen:

1) Wie angenehm und wie gut hat sich das Essen kauen lassen?

Intensives Kauen löst ein Befriedigungsgefühl aus. Was man nur schluckt, macht später satt.

2) Wie lange bist Du satt geblieben?

Es gibt Nahrungsmittel, die lange vorhalten und welche, die schnell wieder Hunger spüren lassen. Ballaststoffreiche Nahrung braucht länger, ehe sie in ihre Bestandteile zerlegt ist und macht nicht nur satt, sondern bringt auch Energie und viele Nährstoffe.

3) Nach welchem Essen fühlt sich dein Bauch angenehm und warm an?

Anders gefragt, wann fühlt er sich nach dem Essen fest oder kalt an?

4) Welche Speisen machen dich müde und welche bringen Dir eine gute Leistungsfähigkeit?

5) Hast Du manchmal nach dem Essen Durchfall oder Verstopfungen?

Das könnte ein Hinweis sein, dass Du irgendetwas nicht gut verträgst.

Mit diesen Fragen bekommst Du ein Gefühl für Dich und deine Verdauung. Über den Weg zu einer besseren Ernährung veränderst Du den Zustand deiner Mittelpositur. Dabei geht es immer auch um dein individuelles Wohlbefinden.

Vielleicht zeigt Dir auch dein Pferd die Richtung, wenn es mit Dir zufrieden ist, indem es im Rücken besser mitschwingt. Denn je besser deine Nahrungsverwertung funktioniert, desto lockerer schwingst du im Sattel mit. Das tut Ihr beide nur, wenn Euer Darm gesund ist 😉

Egal, wohin Du innerlich tendierst, lass´ Dir Zeit damit. Vielleicht bist mit deiner Figur zufrieden, liebst deine tägliche Schokolade und richtest den Fokus nur auf eine gesündere Ernährung.

Veränderungen braucht Zeit! Nach einer Entscheidung wirklich durchzuhalten und bei einer Versuchung nicht schwach zu werden, ist manchmal schwer. Ein Anreiz dafür ist möglicherweise, dass Du deinem Pferd weniger schwer vorkommst, wenn Du mit einer lockeren Mittelpositur reitest.

Viel Erfolg beim guten Mitschwingen,

wünscht Corinna von Reitclever

#ErnaehrungfuerReiter

#bessersitzenbesserreiten

#lockereMittelpositur

#MehrWissenfuerReiter

Vertrauen im Wandel, Herausforderungen der Zukunft nicht nur im Reitsport

Kurse von Reitclever im Herbst 2021 bieten Vertrauen im Wandel
Kurse von Reitclever im Herbst 2021

Unruhige Zeiten in denen wir leben. Kann da Vertrauen im Wandel möglich sein?

Nicht nur die durch das Wort mit dem großen C bedingten Veränderungen scheinen die Menschen zu belasten. Vielmehr scheint das Verharren in Anspannung ein Problem zu sein.

Die ungeklärte Frage, was und wann wieder möglich ist, scheint eine Menge auszulösen. Viele Menschen, die ich kenne, spüren Unruhe, sind unausgeglichen und müde.

Dabei täte gerade in solchen Zeiten ein bisschen Vertrauen im Wandel gut, um sich besser zu fühlen.

Denn die Nachricht, dass der Klimawandel schneller voran schreitet als vorausgesagt und der Golfstrom beginnt, sich abzuschwächen, müsste eigentlich einen Aufschrei verursachen. Die Welt, wie wir sie kennen, wird sich dadurch in den nächsten Jahren und Jahrzehnten so verändern, dass nichts mehr so sein wird, wie wir es kennen. Da wird Vertrauen im Wandel schwierig. Wenn man nur erfassen könnte, was das Klimaziel die globale Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, eigentlich bedeutet. Der ganze Vorgang ist so komplex, dass es eigentlich egal ist, wie man es formuliert.

Besser ausgedrückt ist es wenig sinnvoll, einem auf Grund von starkem Übergewicht und auffälliger Cholesterinwerte Infarktgefährdeten zu sagen, wann er 20 Prozent seines Gewicht reduziert haben sollte. Vielmehr sollte der sofort anfangen, etwas zu ändern, wenn ihm sein gewohntes Überleben lieb ist. Dabei ist es aufs Klima bezogen egal, wer welche Klimaziele propagiert. Wir müssen jetzt handeln. Denn unser aller Überleben, das unserer Kinder, Enkel und Pferde und Haustiere steht auf dem Spiel.

Anders gesagt sollten wir uns und unserer Wahrnehmung vertrauen: Irgendetwas ist im Busch.

Kaum jemand läuft gerade ruhig durchs Leben und glaubt, dass alles so bleiben kann, wie es ist.

Nicht nur Soloselbständige und Kleinunternehmer retten gerade, was an Umsatz zu retten ist. Die letzten Monate waren schwierig und nervenaufreibend für alle. Auch Reiter und Künstler, Unternehmen und Angestellte holen nach, was sie monatelang nicht tun konnten. Zur Zeit gibt es viele Aktionen und Möglichkeiten, Schönes zu erleben.

Im Gegenteil: das Vertrauen im Wandel bleibt zeitweise auf der Strecke. Nicht nur das Vertrauen in das eigene Handeln und das Tun der Anderen.

Beispielsweise in der in meinen Augen tollen Initiative IG Pferdetrainer. Das ursprüngliche Bestreben, ein gemeinsames Dach zu finden, um als geschlossene Gruppe für die eigenen Belange einstehen zu können, wird gerade zerlegt. Nutznießer der Idee machen Stimmung und bisher sehr Aktive zerreiben sich in Kleinkriegen um das weitere Vorgehen. Wie auch in vielen anderen Bereichen geht es doch nicht darum, wer den Takt vorgibt und wer voran geht. Vielmehr sollte jeder das Bewusstsein haben, dass sein eigenes Handeln zählt.

Jede Aktion bewirkt eine Reaktion.

Auch auf unserem Hof erleben wir gerade, dass unser Kunstgewerbemarkt ins Wanken gerät. Viele Künstler fühlten sich in den letzten beiden Jahren benachteiligt und trauerten um fehlende Möglichkeiten, sich zu präsentieren.

Genau aus diesem Grunde habe ich an der Planung in diesem Jahr festgehalten.

Im Februar schrieb ich alle in den letzten Jahren Beteiligten an: Die Resonanz war groß; fast alle wollten dabei sein. Im Juni ging es dann in die nächste Phase: über 20 Aussteller haben zugesagt. Erst Anfang letzter Woche kam die Genehmigung der Veranstaltung durch die Stadt. In der Folge dann ACHT Absagen, weil den Ausstellern etwas dazwischen gekommen ist.

Wie soll das gehen? Wie soll man die Absage von 1/3 der Beteiligten auffangen? Wie kann man als Künstler glauben, im nächsten Jahr wieder eingeladen zu werden, wenn man 1,5 Wochen vorher absagt?

Sicherlich gibt es tatsächlich wichtige Gründe für die Nichtteilnahme. Aber ist den Menschen wie den Reitern nicht klar, dass es immer weniger Aktive geben wird, die sich für ihre Belange ins Zeug legen, wenn man sie verprellt? Denn der Einsatz dieser Ideengeber wird immer enttäuscht werden, wenn sie sich auf Beteiligung verlassen, die dann kurzfristig zurück gezogen wird.

Das ist keine Klage, sondern eine Frage. Ich sehe diese Verhaltensweise in vielen Lebensbereichen: immer erstmal Vorteile sichern und häufig kneifen, wenn es dann ans Eingemachte geht.

Ganz im Ernst: so wird das nichts mit den Herausforderungen der Zukunft.

Schon gar nicht mit dem Klimawandel, den ich als momentan dringendstes Problem sehe.

Wenn Ihr Euch und Euer Weiterleben retten wollt, müsst Ihr handeln.

Vor allem müsst Ihr Vertrauen im Wandel schaffen, indem ihr Euch vertrauenswürdig verhaltet. Das gilt Eurem eigenen Pferd gegenüber genauso wie im Halten von Absprachen.

Denn wenn es im Kleinen schon nicht funktioniert und Ihr Euch auf Andere verlasst: wie sollen die Verantwortungsträger denn die Welt retten, wenn keiner mitmacht?

Kurzzeitig frustrierte Grüße,

Corinna von ReitClever.

PS: Eines ist auch etwas vom Wandel der Zeit betroffen: ich habe auf Grund der Termine meine Kursplanung aktualisiert: Hier unter dem Link findet Ihr die Termine für den Herbst und Winter.